Haldensleben l Ein herrenloses Fahrrad in der Fußgängerzone, verlorene Schlüssel vor einem Geschäft und so einiges mehr. Mit der Zeit sammelt sich im Haldensleber Fundbüro eine ganze Menge an. Manchmal finden die Fundsachen zu ihren Besitzern zurück, doch leider nicht immer. Die Aufbewahrungsfrist für gefundene Gegenstände beträgt sechs Monate, erklärt Simone Groß, Mitarbeiterin im Bürgerbüro, das gleichzeitig auch als Fundbüro dient. Meldet sich der Eigentümer bis dahin nicht, dann kommen die Sachen unter den Stadthammer.

In diesem Jahr ist die Versteigerung der Fundsachen, die noch bis zum 15. November läuft, eine Premiere, denn sie findet überwiegend online statt. „Bei der letzten Versteigerung wurden die Fundstücke auf dem Markt aufgebaut und die Bieter haben ihre Gebote gerufen, wie bei einer richtigen Auktion eben“, erklärt Simone Groß. Das könne momentan jedoch nicht verantwortet werden.

So stellten die Mitarbeiterinnen Lea Waber und Gina-Marie Kraft kurzerhand eine Online-Auktion auf die Beine. Jedes Fundstück wurde fotografiert, mit einer Beschreibung und einem Mindestgebot versehen. Die Angebotsliste steht auf der Internetseite der Stadt zur Verfügung. Um mitbieten zu können, gibt es ein Formular, das schriftlich an das Bürgerbüro abgegeben werden muss. „Das Formular wird dann mit einem Stempel und Uhrzeit versehen“, sagt Groß. So kann nachverfolgt werden, wer das Gebot zuerst abgegeben hat, wenn es zwei gleiche Gebote gibt. Doch man kann nicht nur einmal bieten - es kann auch „nachgelegt“ werden. Alle paar Tage wird die Liste mit den aktuellen Höchstgeboten ergänzt. Das letzte Mal vor Ende der Versteigerung werden die jeweiligen Gebote am 13. November veröffentlicht.

Am 15. November ist dann Schicht im Schacht. Die Bieter mit dem höchsten Gebot werden benachrichtigt und sind dann dazu verpflichtet, zu bezahlen und das ersteigerte Fundstück innerhalb von vier Wochen abzuholen.

Stadt muss Geld lange verwahren

Doch was passiert eigentlich mit dem Geld, das durch die Auktion gewonnen wird? „Die Stadt muss das Geld fünf Jahre lang auf einem Verwahrkonto aufbewahren“, erklärt Simone Groß. Erst dann darf es rechtlich in die Stadtkasse übergehen. Bei der letzten Versteigerung im November 2018 kamen insgesamt 1015 Euro zusammen. Bis die Stadt darüber verfügen darf, müssen also noch drei Jahre vergehen.

Bisher seien 30 Gebote eingegangen (Stand: 9. November), sagt Lea Waber. Vor allem auf die zahlreichen Fahrräder würde am meisten geboten. 44 Stück stehen in diesem Jahr auf der Liste. Auch alte DDR-Fahrräder sind mit dabei und die seien bei den Bietern besonders beliebt.

Durch die Versteigerung konnten sogar ein Fahrrad und ein sogenanntes Pocketbike an die rechtmäßigen Besitzer übergeben werden. Der Eigentümer hat sein vermisstes Fahrrad auf der Fundsachenliste der Versteigerung erkannt und konnte durch eine aufgegebene Anzeige bei der Polizei beweisen, dass es ihm gehört, berichtet Groß. Auch eine Frau wurde durch die Auktion auf die Internetseite des Fundbüros aufmerksam. In der Auflistung der gefundenen Dinge, die im Fundbüro abgegeben wurden, fand sie ihren Schlüssel wieder, den sie schon 2018 verloren hatte.

Die Mitarbeiterinnen gehen davon aus, dass es am Freitag in die richtig heiße Phase geht und sich die Gebote noch einmal richtig hochschaukeln könnten.