Haldensleben l Kurz bevor der erste Stolperstein verlegt wurde, haben sich etwa 100 Gäste vor der Holzmarktstaße 6 in Haldensleben versammelt. Aufgerufen, um an der Zeremonie teilzunehmen, haben Pfarrer Simon aus Haldensleben und seine Konfirmanden.

„Ich war auf dem jüdischen Friedhof und hatte ein Heft über die jüdische Geschichte aus Haldensleben in der Hand“, erklärt Pfarrer Matthias Simon, der daraufhin besagte jüdische Geschichte mit seinen Konfirmanden thematisierte. So stießen sie auch auf die einst in Haldensleben lebenden Juden Helene Dreier und Eugen Frohnhausen. Während Helene Dreier 1945 aus dem KZ Theresienstadt zurückkehrte, nahm sich Eugen Frohnhausen vor seiner Deportation das Leben.

Mahnende Worte gegen das Vergessen

Um die tragischen Schicksale der jüdischen Bevölkerung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, fertigt der Kölner Künstler Gunter Demnig sogenannte Stolpersteine. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, steht auf der Internetseite des Künstlers. So erinnert der Künstler bereits in zahlreichen Städten im gesamten Bundesgebiet mit seinen Gedenksteinen an die Opfer, jeweils unmittelbar vor deren letztem frei gewählten Wohnort. Im Fall von Helene Dreier ist das die Holzmarktstraße 6. Eugen Frohnhausen wohnte in der Bornschen Straße 55. Er war der letzte Bürger jüdischer Religion in Haldensleben.

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Nun erinnern auch in Haldensleben zwei Stolpersteine an ihre Geschichte. Während Künstler Gunter Demnig den Stolperstein für Helene Dreier verlegte, sprach Pfarrer Matthias Simon mahnende Worte gegen das Vergessen und erinnerte an die Gräueltaten des NS-Regimes. Seine Konfirmanden lasen aus der Geschichte von Helene Dreier. So sei Helene Dreier unter den Anwohnern als „guter Geist der Holzmarktstraße“ bekannt gewesen sein.

Während der Ansprachen und Redebeiträge durch Pfarrer Simon und seiner Konfirmanden begleiteten Schüler der Kreismusikschule Wolmirstedt/Haldensleben die Verlegung der Stolpersteine. Unter dem Klopfen des Hammers von Gunter Demnig spielten die Schülerinnen der St. Hildegard-Grundschule Haldensleben, Maria Labeit und Berte Dehne, gemeinsam mit Musiklehrer Uwe Blamberg auf der Klarinette. Die tiefe Betroffenheit aller anwesenden Gäste war deutlich zu sehen.

Rosen niedergelegt

Neben den zahlreichen Bürgern der Kreisstadt und einigen Stadträten waren auch Carola Aust als Vertreterin der Stadt Haldensleben und Joachim Hoeft als Vertreter des Landkreises Börde bei der Verlegung zugegen.

Nachdem der Stolperstein für Helene Dreier vor der Holzmarktstraße 6 in Haldensleben verlegt war, legten einige der Gäste Rosen als Zeichen ihrer Trauer nieder.

Im Anschluss begleiteten die Gäste Gunter Demnig, Pfarrer Simon und seine Konfirmand zum ehemaligen Wohnhaus von Eugen Frohnhausen in die Bornsche Straße 55. Nun erinnert auch dort ein Stolperstein an seine Geschichte.