Haldensleben l „Neulich haben wir eine größere Saatspende angeboten bekommen“, erzählt Christian Feißel. „Wir konnten sie aber nicht abholen, denn wir haben keine Lagermöglichkeit“, sagt der junge Mann. Pflanzen, Blumenzwiebeln und die verschiedensten Werkzeuge und Gartengeräte – mit alldem sind großzügige Haldensleber schon auf die Mitglieder des Netzwerkes zugekommen, das in der Kreisstadt einen Gemeinschaftsgarten errichten will. „Wir könnten eigentlich sofort loslegen. Alles, was uns fehlt, ist der Garten“, sagt Christian Feißel.

In den vergangenen Wochen ist viel um die Organisatoren passiert, die die Idee eines Gemeinschaftsgartens etabliert haben. „Wir sind mehr geworden“, erzählen Christian Feißel und sein Netzwerk-Kollege Marcel Bornkampf. Die Gruppe ist nicht nur bunt gemischt und beinhaltet Mitglieder verschiedener Generationen, sondern sie hat jetzt auch einen Namen. „Grüne Beete Gartenkollektiv“ nennt sich der Verbund der engagierten Haldensleber jetzt, hat ein eigenes Logo kreiert und schon T-Shirts bedruckt.

Netzwerk favorisiert Pfändegraben

Alles, was noch fehlt, ist ein geeigneter Standort für den geplanten Gemeinschaftsgarten. Die Mitglieder des Netzwerkes favorisieren seit jeher ein Areal am Pfändegraben. Aus verschiedenen Gründen würde dieses am geeignetsten für die Entstehung eines Gemeinschaftsgartens sein, sagen die Ideengeber. Von Anfang an gibt es aber Streit mit Anwohnern, die ebenfalls Gründe vorbringen, die gegen einen Gemeinschaftsgarten am Pfändegraben sprechen. Zuletzt diskutierten beide Parteien Ende Februar im Mehrgenerationenhaus EHFA einen ganzen Abend lang über die Problematik, kamen jedoch zu keiner Einigung.

Die Fronten sind klar: Das „Grüne Beete Gartenkollektiv“ hält an seinem Standort-Favoriten fest, die Nachbarn wehren sich gegen einen Gemeinschaftsgarten vor ihrer Haustür. Bei der Veranstaltung im Februar wurden von den Anliegern des Pfändegrabens verschiedene Kritikpunkte geäußert. So hatte eine Bürgerin beispielsweise bemängelt, dass das Netzwerk sieben verschiedene Standorte, die ihm von der Stadt Haldensleben für einen Garten angeboten worden waren, zwar unter ähnlichen Gesichtspunkten, aber nicht auf Grundlage einer nachvollziehbaren Bewertungsmatrix betrachtet hätte. Zudem hätten sich die Mitglieder des Netzwerkes den Bürgern nicht ausreichend vorgestellt – man wisse nicht, mit wem man es zu tun habe, hieß es damals.

Bewertungsmatrix aufgestellt

„Wir haben die Kritik der Bürger sehr ernst genommen“, sagen Christian Feißel und Marcel Bornkampf heute. Obwohl dem Gartenkollektiv von der Stadtverwaltung erklärt wurde, dass eine professionelle Bewertungsmatrix als Begründung für eine Standortentscheidung nicht nötig sei, sondern eine Zusammenfassung der Gründe ausreiche, setzten sich die Mitglieder zusammen und entwickelten ein umfangreiches Punktesystem. Darin wurden die verschiedenen Standorte nach 23 unterschiedlichen Faktoren jeweils von null bis zehn Punkten bewertet. Der Pfändegraben schneidet auch nach dieser Berechnung am besten ab.

Zudem hätten die Mitglieder versucht, sich so gut es geht der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Wir waren zuletzt bei den verschiedensten Veranstaltungen vor Ort, zum Beispiel beim Gesundheitstag im EHFA, beim Fest zu 20 Jahre Kulturfabrik und auf dem Haldensleber Regionalmarkt“, erzählt Marcel Bornkampf. Viele Haldensleber hätten sich bei diesen Gelegenheiten über das Projekt und die Menschen dahinter informiert. Marcel Bornkampf und andere Mitglieder des Gartenkollektivs seien zudem weiter in die Einrichtungen gegangen, um vorab eine mögliche Zusammenarbeit abzuklopfen – mit vielen Institutionen bestehe dadurch schon jetzt eine mündliche Kooperationsvereinbarung.

Konkrete Projekte begonnen

Zudem seien konkrete Projekte begonnen worden. So bauen Mitglieder des Gartenkollektivs demnächst mit Unterstützung des Mehrgenerationenhauses EHFA ein Hochbeet auf dem Hof des Gebäudes, das den Kindern der Kita „Flax und Krümel“, Bürgern und Nachbarn zum Bepflanzen zur Verfügung stehen soll. Außerdem wurde ein Malwettbewerb an allen Haldensleber Grundschulen ausgelobt: Die Drittklässler der Einrichtungen sollen bis 24. Juni kreativ werden und ihre Vorstellungen darüber zu Papier bringen, wie ein Garten aussehen könnte, in dem Kinder und Erwachsene gemeinsam Freude und Erholung durch Gartenarbeit finden. Die besten Bilder erhalten Preise, die dem Netzwerk von verschiedenen Haldensleber Händlern zur Verfügung gestellt wurden.

Während die Mitglieder des Gartenkollektivs „Grüne Beete“ emsig dabei sind, weitere Projekte zu planen, erwarten sie mit Spannung auch die nächste Sitzung des Haldensleber Stadtrates am 6. Juni. Dieser soll über eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung entscheiden. Darin heißt es „Der Stadtrat beschließt die Umsetzung des Projektes Gemeinschaftsgarten (...) vorzugsweise auf dem städtischen Grundstück 5“, womit eine Streuobstwiese an der Stadtmauer gemeint ist. Gegen das vom Gartenkollektiv favorisierte Grundstück spreche laut Stadtverwaltung „die Inakzeptanz der anliegenden Bewohnerschaft der Gartenstraße, die trotz Mediation weiterhin im massiven Widerstand gegenüber dem Projekt stehen.“ Bevor die Stradträte das letzte Wort haben, wird der Sachverhalt in den Fachausschüssen diskutiert.