Haldensleben l Fünf Vermummte fahren am 3. Mai gegen 1.30 Uhr mit zwei Autos vor den Shop der Tankstelle in Oebisfelde. Mit Fußtritten demolieren drei von ihnen die Eingangstür, die anderen beiden sitzen derweil am Steuer eines silberfarbenen Audi A8 und eines dunklen Audi A6 Avant. Minuten später laden die Einbrecher einen Tresor – Inhalt gut 50 000 Euro – in den A6 und verschwinden mit beiden Autos.

Keine zwei Stunden später kracht der Fahrer mit dem silberfarbenen A8 auf der Flucht vor der Polizei gegen eine Hauswand in Irxleben. Er flieht zu Fuß und wird von einem Polizisten mit einem Schuss in den Oberschenkel gestoppt. Der Fahrer ist Avni T., ein 46 Jahre alter Kosovare, der in Magdeburg lebt. Derzeit sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Burg in Untersuchungshaft. Am Montag hat der Prozess gegen ihn am Amtsgericht Haldensleben begonnen.

Zum Tankstelleneinbruch mag sich Avni T. nicht äußern. Den Unfall mit dem Audi dagegen gibt er zu. Ein Bekannter, so erzählt er, habe ihn am 3. Mai gegen 2 Uhr angerufen und ihn gebeten, mit ihm in die Nähe von Irxleben zu fahren. Von dort aus sollte Avni T. für 200 Euro einen silberfarbenen Audi A8 nach Magdeburg fahren. „Ich war angetrunken, und mein Bekannter gab mir auch Drogen“, erzählt T.. Ob er die Drogen bewusst eingenommen hatte oder ob sie ihm unbewusst mit einem Getränk eingeflößt worden seien, das wisse er nicht mehr.

Mit mehr als 150 km/h über die B 1

Auf der Fahrt von Wellen nach Irxleben sei dann plötzlich die Polizei aufgetaucht. „Mein Bekannter fuhr mit einem anderen Auto hinter mir und hat mich per Lichthupe gedrängt, schneller zu fahren“, so T. weiter. Er gab Gas, ebenso der A6, der hinter ihm fuhr. Mit mehr als 150 Stundenkilometern jagten die Audis über die B1 in Richtung Irxleben. Die Polizei verfolgte bei Fahrzeuge mit Blaulicht und Sondersignal. „Ich habe Angst vor der Polizei“, begründet T. sein Verhalten. Im Kosovo sei er einmal von der Polizei angeschossen worden, ein Vorfall, der ihn bis heute traumatisiere.

In Irxleben verlor T. in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug und fuhr frontal gegen ein Haus. „Ich war geschockt, weiß nicht mehr, wie ich aus dem Auto gekommen bin. Ich wollte dann weglaufen. Als die Polizei einen Warnschuss abgab, bin ich stehen geblieben, habe die Hände hochgenommen und mich umgedreht. Dann hat ein Polizist mir von vorn ins Bein geschossen“, schildert der Angeklagte den Hergang.

Dass es sich bei dem A8 um eines der Fluchtfahrzeuge vom Tankstelleneinbruch gehandelt hatte, davon will Avni T. nichts gewusst haben. Die Kennzeichen, die im Audi lagen und bei der Tat in Oebisfelde verwendet worden waren, habe er nicht bemerkt. Die im Auto liegenden T-Shirts und Handschuhe habe er dagegen gesehen und auch angefasst. Dadurch sei auch seine DNA auf die Stücke gekommen. Getragen haben will er sie aber nicht.

Verfolgungsjagd durch Irxleben

Das widerspricht allerdings völlig den Aussagen der beiden Polizisten vom Autobahnpolizeirevier Börde, die den Angeklagten in Irxleben festgenommen haben. Per Funk waren sie über den Einbruch in Oebisfelde informiert worden und auch darüber, dass die Täter auf der Flucht sind – vermutlich mit einem silberfarbenen Audi A8 und einem dunklen Audi A6 Avant. „Wir machten gerade ein Pause an der B1, als wir zwei Fahrzeuge bemerkten, die zügig aus Richtung Wellen kamen und nach Irxleben abbogen“, erinnert sich Polizeimeister Lukas U..

Er und sein Kollege, Polizeimeister Malte L., wollten die Fahrzeuge kontrollieren, fuhren hinterher und forderten sie zum Anhalten auf. „Doch die Autos beschleunigten plötzlich und fuhren davon“, so U. weiter. Er nahm die Verfolgung auf. „Die Audis waren uns leistungsmäßig überlegen. Einholen konnten wir sie nicht, aber in Sichtweite bleiben.“ Kurz vor Irxleben habe sich der A6 dann neben den A8 gesetzt und sei etwa einen Kilometer lang neben ihm hergefahren.

„Mir kam der Verdacht, dass die Fahrer sich irgendwie absprechen würden“, meinte der Zeuge. Kurz vor Irxleben sei der A6 vor den A8 eingeschert und weitergefahren, der A8 dann in Irxleben gegen die Mauer gefahren.

„Der Fahrer stieg sofort aus und flüchtete zu Fuß“, berichtet U. weiter. Sein Kollege habe den Flüchtenden zu Fuß verfolgt, er selbst sei mit dem Streifenwagen hinterher gefahren. Auf dem Parkplatz eines Hotels sei er ausgestiegen, um seinem Kollegen zu helfen. Da habe er einen Schuss gehört. „Es war ein Warnschuss, nachdem ich den Flüchtenden mehrmals aufgefordert hatte, stehenzubleiben“, erklärt Polizeimeister L. dazu.

Polizeikugel stoppt Flüchtenden

Dem sei Avni T. aber nicht nachgekommen, er flüchtete sich stattdessen in das Polizeiauto. Bevor die Beamten ihn dort stellen konnten, sei T. wieder ausgestiegen, habe ein Shirt nach den Beamten geworfen und sei erneut davongelaufen, berichten die Zeugen. Dabei hätten sie auch gesehen, dass Avni T. Handschuhe getragen habe.

Die weitere Flucht hat Polizeimeister U. mit einem gezielten Schuss auf T. verhindert. „Ich habe ihn von hinten ins Bein geschossen, nicht von vorn“, versichert er. Mit der Verletzung konnte T. nicht weiter fliehen und wurde vor Ort festgenommen. Zur Verstärkung eingetroffene Kräfte übernahmen die Erstversorgung des Verletzten, bevor Rettungskräfte ihn in ein Krankenhaus brachten.

Unklar ist noch, ob Avni T. am Tankstelleneinbruch in Oebisfelde beteiligt war oder ob er wirklich nur ein Auto von A nach B gefahren hat. Auf den Videoaufnahmen vom Einbruch ist keiner der Täter zu erkennen. Die Verhandlung wird am 7. Januar fortgesetzt.