Haldensleben l Die beiden Mädchen, die dem Passanten oder Autofahrer am Süplinger Berg freudig zuwinken, sind ein Hingucker. Das professionelle Graffiti an dem Block des Waldrings ist eine gestalterische Aufwertung des Fleckchens. Doch in anderen Teilen der Stadt tummeln sich illegale Graffitis. Oftmals handelt es sich um unleserliche Schriftzüge, die sich aneinanderreihen.

„Graffitis sind in Haldensleben ein Problem“, bestätigt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann. Gern beschmiert werden laut Angaben des Stadthofes Abfallbehälter, Bänke, Spielgeräte und Mauern. Aber auch Poller, Geländer, Verkehrsschilder und sogar Bäume seien für die Schmierfinken brauchbare Objekte. Sogar Brunnenanlagen wurden schon Opfer der Schmierer. „Der Zerstörungswut sind da keine Grenzen gesetzt“, so Lutz Zimmermann.

2018 in der Börde 122 Anzeigen wegen Graffiti

Im Landkreis Börde wurden im Jahr 2018 insgesamt 122 Anzeigen wegen Sachbeschädigung durch Graffiti erfasst, so Matthias Lütkemüller, Polizeisprecher des Reviers Börde. Davon wurden 25 Verfahren aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von 20,5 Prozent entspricht. Im Jahr 2019 waren es mit 126 Verfahren ähnlich viele Fälle. In der Stadt Haldensleben wurden acht Anzeigen gestellt.

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„Bei diesen Verfahren ist die Aufklärungsquote nicht sehr hoch, da meist ohne direkte Hinweise aus der Bevölkerung kaum auf den Täter geschlossen werden kann“, so Matthias Lütkemüller. Dabei unterscheidet die Polizei zwischen sogenannten „Tags“, die lediglich Signaturen von Einzelpersonen oder Gruppierungen enthalten, und zwischen Fanbekundungen, die ihre Lieblingsvereine an Wänden verewigen. Nicht selten werde dabei auch die Polizei erwähnt.

Für den Stadthof bedeuten illegale Graffitis vor allem eins: Arbeit. Regelmäßig werden die Schmierereien von den Mitarbeitern entfernt. „Leider sind sie jedoch schneller angebracht als wieder entfernt“, so Lutz Zimmermann. Sofortiger Handlungsbedarf besteht jedoch bei verfassungswidrigen Schmierereien.

Mühseliges Entfernen

Je nach Untergrund wenden die Mitarbeiter des Stadthofes unterschiedliche Methoden an. Objekte aus Holz können meist nur abgeschliffen und anschließend gegebenenfalls neu gestrichen werden. Irgendwann ist das Material jedoch „durchgeschliffen“. Auf Metall wirkt Graffitientferner am besten. Bei Abfallbehältern sei man laut Zimmermann jedoch dazu übergegangen, nur noch in der passenden Farbe zu übersprühen. Am problematischsten sind Mauern oder Stein. Dort benötigt es „viel Wasser, Graffitientferner und viel Geduld“. Ist der Putz rau oder die Mauer unverputzt, wird das Prozedere noch schwieriger.

Doch nicht immer müssen es Schmierereien seien, es gibt auch künstlerische Projekte. So startete der HSV Haldensleben im Juli 2019 ein Projekt für Kinder und Jugendliche, bei dem das Stromhaus an der Ohrelandhalle einen neuen Anstrich bekam. Der Graffiti-Workshop sollte sie kreativ an die Gestaltung ihres Heimatortes heranbringen. Schön gestaltete Stromhäuser sind oft ein Hingucker. Umso ärgerlicher, dass auch dieses Projekt von einem Unbekannten im Juli dieses Jahres beschmiert wurde. Über dem Handballmotiv prangt nun ein schwarzer Schriftzug.

In Wernigerode (Landkreis Harz) sorgte ein Graffitikünstler mit bunten Stadtansichten dafür, dass der Bahnhofstunnel aufgewertet wird. Ein ähnliches Projekt gab es im Fußgängertunnel in Oebisfelde (Stadt Oebisfelde-Weferlingen), der mithilfe einen Graffiti-Projektes verschönert wurde. Doch auch dort wurden die Kunstwerke teils stümperhaft übermalt. Auch das Oebisfelder Schützenheim erhielt eine Aufwertung, in dem Graffitikünstler dort Grenzmotive anbrachten.

Einige Städte stellen bewusst Wände für Graffitikünstler zur Verfügung, um dem Problem in der Innenstadt Herr zu werden. Die Stadt Wanzleben hingegen zieht in Betracht, das Problem mit Kameraüberwachung in den Griff zu bekommen. Dort tauchte im Juni ein 17 Meter langer und drei Meter hoher Schriftzug am Giebel des Wanzleber Kulturhauses auf.