Wieglitz l „Wir haben durch das Grenzgängerfestival die Möglichkeit, die Künstler – zu moderaten Preisen – nach Wieglitz zu holen“, erklärt Angelika Huchel, die vor 15 Jahren die Kontakte zum Verein „Grenzgänger“ knüpfte. Die Wieglitzerin kündigt ein tschechisches Volksmärchen an.

Eilig kommt Meike Kreim in die Schifferkirche. „Diese Teile machen mich wahnsinnig“, sagt die Leipzigerin und zeigt auf ihren Koffer und einen geheimnisvollen Sack. Eigentlich sollte alles auf den Sperrmüll, doch dann erinnert sich die Puppenspielerin daran, wie schon ihr Großvater Theater spielte und sie selbst als Kind ungeduldig auf die Vorstellung wartete. Stöhnend aber mit nur wenigen Handgriffen baut sie die Bühne des Theaters Papperlapapp für das Märchen von „Krümels Abenteuer“ auf. Meike Kreim nimmt die jungen und junggebliebenen Zuschauer mit in den Garten, wo sich gerade eine Raupe über die Mohrrüben hermachen möchte. Die Kinder sind begeistert. Auch der kleine Ben staunt, wie mutig Krümel die Raupe im hohen Bogen über den Gartenzaun schmeißt.

Puppenspielerin begeistert Kinder

Mit sächsischer Mundart und einer mitreißenden Erzählweise zieht die Puppenspielerin nicht nur die Kinder in ihren Bann. Gemeinsam erleben die Zuschauer, wie Krümelchen behütet bei seinen Großeltern am Rande des Waldes wohnt. In seiner kleinen Welt kennt es alles: die Ameisen im Garten, die Bewohner des Baumes und den Ruf der Eule. Als die Großeltern eines Tages allein in den Wald gehen, um Blaubeeren zu sammeln, beginnt Krümelchens Abenteuer. Ganz alleine zu Hause war der Junge noch nie und plötzlich schleicht da jemand ums Haus. Tosenden Beifall gibt es für die Puppenspielerin. „Ich komme total gern in die kleine Kirche. Ich fühle mich in der Gemeinschaft angekommen. Und auch der Kuchen ist nicht zu toppen“, schwärmt die Leipzigerin.

Bilder

Bei der Autofahrt habe sie überlegt, wie oft sie schon in Wieglitz war. „Über die Jahre sind Freundschaften gewachsen. Gerade im ländlichen Raum freuen sich die Leute, wenn kulturelle Veranstaltungen direkt zu ihnen kommen“, beschreibt Meike Kreim. „Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist Frau Kreim zum 13. Mal mit ihren Puppen in unserer Kirche zu Gast“, ruft Angelika Huchel und versorgt die Gäste im Festzelt vor der Kirche mit Kaffee. Die Puppenspielerin erzählt, wie sie zum Theaterspiel kam. „Es begann auf einer Wanderung in Österreich, auf der zwei vierjährige Kinder zu müde zum Laufen waren. Es erwies sich nur ein Motivationsmittel als tauglich - Geschichten erzählen. So erfand ich eine unendliche Geschichte, die die Kinder mit ihren Vorstellungen anreicherten. ,Ich wusste gar nicht, dass Du so gute Geschichten erzählen kannst”, sagte meine Freundin, und ich antwortete:,Ich auch nicht”. Von nun an wurden mehr erfundene Geschichten erzählt und es entstand der Wunsch, sie mit Figuren zu spielen“, denkt sie zurück und verspricht im nächsten Jahr, wieder zu kommen.

Ein Dank geht an alle, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. „Viele haben uns unterstützt, sei es durch Kuchenbacken, Zelt- aufbauen, Kircheschmücken und Shuttlefahren, den Nachbarn abholen und Gäste bedienen“, zählt die Vorsitzende auf. Der Termin für die nächste Veranstaltung steht bereits fest. Am Sonnabend, 8. September, um 18 Uhr gastieren Künstler des Music Projectes Altmark West mit „Triumphs of A Cappella“ in Wieglitz.