Neuenhofe/Hillersleben l Er habe in der Hillersleber Kirchenchronik nachgelesen, dass „Hinter den Gärten“ noch in heutiger Zeit Reste der Grundmauern der Burg erkennbar seien. Fortan war die Neugier des Neuenhofer Heimatforschers geweckt.

Als er mit den Vorbereitungen der Feierlichkeiten zur ersten urkundlichen Erwähnung von Neuenhofe im Jahr 1364 begann, habe ihm sehr wenig Informationsmaterial zur Verfügung gestanden, erinnert sich Hartmut Jahn. „Da gab es die Dorfchronik; per Hand geschrieben. Diese hätte ich auf keinen Fall lesen oder den Inhalt des jeweiligen Satzes erfassen können.“ Zum Glück habe sich seine ehemalige Lehrerin und Schulleiterin Maria Frank die Mühe gemacht, die alte Chronik des Dorfes fein säuberlich mithilfe einer alten Schreibmaschine zu schreiben und sprichwörtlich übersetzt.

Ursel Helmecke und Peggy Helmecke haben die gesamte Chronik ordentlich weitergeführt. So gab es die Möglichkeit, Vieles mehr zur Neuenhofer Geschichte zu erfahren. Bereits die Schulkinder lernten, dass Neuenhofe wohl aus dem Wort „Nienhof“ beziehungsweise „Neuer Hof“ seinen Namen bekam. Aus dieser Chronik war zu entnehmen, dass zuerst eine Burg in der Neuenhofer Gemarkung gestanden haben soll, welche der Graf von Hillersleben zum Schutz gegen die Wenden baute. „Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass diese Formulierung des möglichen Standortes der Burg gefunden wurde. Doch dieser Bereich trägt heute eine andere Bezeichnung und liegt im Abschnitt des Sportkomplexes von Neuenhofe“, erklärt Hartmut Jahn. Er wusste nun, wo diese Burg zu finden war, denn in diesem Abschnitt befand sich früher eine kleine Sandkuhle mit sehr feinem Sand, wo er als Kind oft gespielt hatte. Dort waren auch alte Fundamente zu sehen, die aber als störend empfunden wurden. Anhand der Aufzeichnungen aus beiden Chroniken könne es keinen Zweifel um den Standort der Burg an dieser Stelle geben, ist sich der Heimatforscher sicher. Anlass genug, Neugier und Interesse an den alten Geschichten zu entwickeln. Stück für Stück habe er alles zusammengetragen, was Internet oder Bücher an Informationen hergaben. Zunächst seien Zweifel am Standort gekommen, denn wie hätten von der Burg aus Neuenhofe die Hillersleber im Falle drohender Gefahr verständigt werden sollen. „Die Burg müsste sehr hoch gewesen sein. Wer diesen Abschnitt kennt, weiß, dass es schwierig wird, auch von einer gewissen Höhe nach Hillersleben zu sehen.“

Schlussendlich habe er sich damit abgefunden und sich an der Ersterwähnung von Neuenhofe aus dem Jahre 1364 festgehalten. „Hierzu gab es eine ordentliche Urkunde im Magdeburger Domarchiv. Allerdings wird nur der Ort erwähnt, Informationen über eine Burg fehlen darin. So sind wir bei der Ersterwähnung laut Urkunde geblieben. 2014 haben wir die 650-Jahrfeier ausgerichtet, obwohl durchaus die Möglichkeit besteht, dass auch Neuenhofe viel älter ist als zur erstmaligen Erwähnung im Jahr 1364.“

In den Jahren nach den Feierlichkeiten setzt Hartmut Jahn seine Forschung zur Historie der Ortsteile für das Dorfmuseum Neuenhofe fort. Dabei entdeckt er auch einen Abschnitt aus dem Jahre 1153, dass der damalige Graf Otto von Ammensleben und Vogt vom Kloster Hillersleben eine Burg in Hillersleben abreißen ließ, um Platz für das Kloster zu schaffen. Fragen kommen auf: Hat es etwa zwei Burgen gegeben oder handelt es sich nur um ein und dieselbe Burg, welche immer erwähnt wird? Die Grafen selbst haben damals die Burg in Neuenhofe bewohnt, obwohl sie ihren Sitz eigentlich in Grieben und Ammensleben hatten. Sollen sie wirklich zwei Burgen in Hillersleben und Neuenhofe bewohnt haben?

Ein Hinweis zum Klostergebäude erbringt nun den Beweis, dass die anfänglich erwähnten zwei Burgen wirklich existiert haben. „Denn 1153 ließ Graf Otto die Burg in Hillersleben abreißen, um für das Kloster Platz zu schaffen. Bei dieser Burg handelt es sich um eine Wasserburg. Sie und das Umland sind südlich der Klausuranlage und der Ohre noch nachweisbar.“ Durchaus möglich, dass die Grafen mit der Qualität der alten Wasserburg unzufrieden gewesen sind und daher lieber die Burg in Neuenhofe genutzt haben.

Der Heimatforscher ist sich sicher: In Hillersleben hat eine Wasserburg, in Neuenhofe eine Burg gestanden. „Die Wasserburg könnte vielleicht schon Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung von Hillersleben 958 dort gestanden haben. Glaubt Otto, der letzte dieser Grafen, welcher keine männlichen Nachkommen hatte, als er verstarb.“

Wie die Chronik preisgibt, ist die Neuenhofer Burg oft verpachtet worden. Im 15. Jahrhundert ist sie verfallen.

Vielleicht werde der Zufall mithelfen, den Burgschatz in Hillersleben oder auch in Neuenhofe zu finden. Dann stellte sich Gewissheit zu den Burgen ein und ob die Grafen von Grieben, Ammensleben und Hillersleben auch die Wasserburg noch genutzt haben.

„Nicht minder interessant und spannend ist die Geschichte der Grafen. Diese pflegten zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen zu den Königshäusern, in denen es zur Machterhaltung und Ausbreitung sogar mehrere Morde gab.“