Haldensleben l Aller Neuanfang ist schwer. Noch dazu, wenn jemand völlig fremd ist im neuen Land – wie die zahlreichen Flüchtlingsfamilien, die im Landkreis ein neues Zuhause finden. Sie betreten absolutes Neuland, kennen sich kaum mit den Gepflogenheiten in Deutschland aus. Und noch weniger mit der Bürokratie hier.

Um diesen Familien das Ankommen in ihrer neuen Heimat zu erleichtern, ist beim Kinderschutzbund Börde ein neues Projekt angelaufen. „Wir suchen Bürger, die im Landkreis Familien- und Bildungspatenschaften übernehmen wollen“, erklärt Desdimona Wiegmann dazu. Sie koordiniert beim Kinderschutzbund dieses neue Hilfsangebot, das sich vorrangig an Flüchtlingsfamilien richtet.

Idee für Projekt entstand im Land

Viele der Familien hätten Kinder, die im Kindergarten- oder Grundschulalter sind, macht Ann Fabini, Integrationskoordinatorin beim Landkreis Börde, deutlich. Doch sie wüssten oftmals gar nicht, wie und wo sie ihren Nachwuchs betreuen lassen können. Genau hier will der Kinderschutzbund ansetzen. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt und fördert das Projekt, beratend wird es von Ann Fabini begleitet. „Die Idee zu diesem Patenschaftsprojekt stammt vom Land. Wir haben es als Landkreis weitervermittelt und mit dem Kinderschutzbund sehr zeitnah einen Partner gewinnen können“, meint Ann Fabini.

Ein entsprechendes Konzept dazu hat der Kinderschutzbund in Eigenregie erarbeitet. „Ziel ist es, Familienpaten zu gewinnen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Zum einen geht es dabei um die bessere Integration von Flüchtlingen und Migranten, zum anderen soll auch das Ehrenamt selbst gestärkt werden“, unterstreicht Melanie Kaulisch vom Kinderschutzbund Börde in Haldensleben. Auch bei der Finanzierung sitzt der Verein mit im Boot, stellt die für die Förderung notwendigen Eigenmittel zur Verfügung.

Hilfe für minderjährige Flüchtlinge

Neben der Unterstützung von Flüchtlingsfamilien liegt das Hauptaugenmerk auch auf den sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen – also auf Kindern und Jugendlichen, die noch nicht volljährig sind und ohne ihre Familien nach Deutschland gekommen sind. Sie werden ab November auch im Landkreis Börde aufgenommen.

„Mögliche Paten sollten flexibel, weltoffen und kontaktfreudig sein. Auch eine Fremdsprache wäre von Vorteil“, zählt Wiegmann die Voraussetzungen für eine Patenschaft auf. Das Wissen, das die Paten den Flüchtlingen vermitteln sollen, sollen sie über Schulungen bekommen. „Das wird alles bei uns koordiniert, wir bringen alle zusammen, arbeiten also als Schnittstelle“, so Wiegmann weiter.

Hilfe zur Selbsthilfe

Neben der Weitergabe von Informationen sollten die Paten auch die Zeit haben, die Flüchtlinge bei Behördengängen zu begleiten. Es solle aber keine „Ganztagsbetreuung“ stattfinden, sagt die Koordinatorin beim Kinderschutzbund. „Es geht darum, den Flüchtlingen die Wege aufzuzeigen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln“, macht sie deutlich.

Ebenso sei das Vermitteln von Kontakten ein wichtiger Aspekt. „Wo finde ich einen Sportverein? Wo finde ich Beratungsstellen? Wo finde ich dieses und wo jenes? All das sind Fragen, die sich die Flüchtlinge stellen. Und wir wollen ihnen helfen, darauf die Antworten zu finden, damit die Asylsuchenden in Deutschland ankommen“, ergänzt Melanie Kaulisch.

Erste Nachfragen von Hilfsbereiten

Erste Erfolge hat der Kinderschutzbund schon zu verzeichnen. „Wir haben bereits Nachfragen von Leuten, die gern solche Patenschaften übernehmen wollen“, freut sich Desdimona Wiegmann. Gesucht werden aber noch viel mehr. Natürlich sind die Städte Haldensleben, Wolmirstedt, Oschersleben und Wanzleben Schwerpunkte, auch in Harbke und Weferlingen gibt es Asylbewerberheime. „Wir brauchen daher auch Ehrenamtliche auf den Dörfern. Wenn sich Paten direkt vor Ort finden, wo auch die Flüchtlingsfamilien leben, wäre das optimal“, sucht Desdimona Wiegmann insbesondere nach Helfern gerade im ländlichen Bereich. Doch auch Flüchtlingsfamilien, die von sich aus gern einen Paten hätten, können sich bei ihr melden.

Kontakt: Kinderschutzbund Börde, Kreisgeschäftsstelle Haldensleben, Desdimona Wiegmann, Telefon 03904/72 45 27 (Montag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr). Außerhalb der Sprechzeiten ist Melanie Kaulisch unter derselben Telefonnummer zu erreichen.