Kämkerhorst/Mannhausen l „Bienen sind die wichtigsten Bestäuber. Ohne sie ist die Ernte von Nutzpflanzen, Obst und Gemüse nicht möglich. Doch durch Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft sind die Insekten bedroht. Das zukünftige Überleben der Bienenbestände ist stark gefährdet“, erklärte Sabine Wieter, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit im Biosphärenreservat Drömling. Der Schutz der Insekten ist Grund genug, um das Thema Honigbienen und Wildbienen in den Fokus zu rücken.

„Bienen sind wahre Alleskönner. Sie liefern nicht nur Honig, sondern sie sind auch für die Bestäubung der Pflanzen wichtig“, weiß auch Imker Ralf Bertram. Die Imkerei liegt Bertram im Blut. Er ist Imker in vierter Generation, sein Urgroßvater Paul Koch gehörte zu den Mitbegründern des 1861 entstandenen Bienenzüchtervereins Hundisburg. Und Paul Koch war auch Bienenzüchter. Seine Liebe zu den Bienen ging soweit, dass er sogar Bienenvölker mitnahm, als er in den ersten Weltkrieg ziehen musste.

In den vergangenen Jahren hat Ralf Bertram sein Wissen über die Bienen an Interessenten weitergegeben. Einen Imkerkurs hat der Bienenexperte im Rahmen eines Projektes im Biosphärenreservat gemacht. Menschen mit Handicap von der Lebenshilfe Altmark/West GmbH und von der Evangelischen Stiftung Neinstedt sowie freiwillige Naturschützer und einige Juniorranger beteiligten sich am Kurs. „Ein zweiter Kurs musste jetzt leider wegen der Corona-Pandemie unterbrochen werden. Aber wir bleiben da dran“, betonte Sabine Wieter. Sie berichtete, dass der Verein zur Förderung der Umweltbildung und das Biosphärenreservat Bienenvölker über ein Artensofortprogramm, das vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt gefördert wird. Rund 80 Prozent der Pflanzen in Deutschland müssen – nach dem Wissen der Experten – von Bienen bestäubt werden. Diese Aufgabe übernehmen hauptsächlich Honigbienen. Sie sind deshalb besonders schutzbedürftig.

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Bienenvölker bei Kämeritz stationiert

Ein Großteil der Bienenvölker im Rahmen des Drömlingsprojektes sind in der Natur bei Kämeritz stationiert. Andere werden noch bei Mieste und in Kämkerhorst positioniert. „Diese Bienenvölker betreuen wir – also die Leute, die den Imkerkurs absolviert haben – gemeinsam mit unserem Imker Ralf Bertram, von dem wir die professionelle Hilfe bekommen“, erklärte Sabine Wieter. So kam es, dass die Hobbyimker 2019 zum ersten Mal den Honig ihrer eigenen Völker ernten konnten. Dabei haben die Bewohner der Behinderteneinrichtungen in Zienau, Mieste, Gardelegen, Etingen und Calvörde die Patenschaft für jeweils ein Bienenvolk. „Letztes Jahr hatten wir erst ein Volk, bei dem wir insgesamt 30 Kilogramm geerntet haben. Für die Profi-Imker ist das natürlich nicht viel, aber bei uns steht nicht an erster Stelle die Honigernte, sondern der Schutz zum Erhalt der Insekten“, betonte die Mitarbeiterin des Biosphärenreservates. Der süße Lohn sei ein willkommener Nebeneffekt.

Aktuell gibt es im Rahmen des Projektes zehn Völker. Das Bienenprojekt geht also weiter. „Viel Arbeit wartet auf uns alle. Der Imker wird wieder nach Kämkerhorst kommen, um nach den Bienen zu sehen. Andere Naturfreunde können es kaum erwarten, die Ausbildung zum Jungimker nach der Corona-Krise zu vollenden“, sagte Sabine Wieter. Honig ist gesund und bekannt als Hausmittel bei Erkältung und Husten. Außerdem schmeckt das flüssige Gold lecker. Honig aus dem Land der tausend Gräben ist eine süße Werbung für das Biosphärenreservat. Das weiß auch Bäckermeister Denni Nitzschke aus Calvörde. Der junge Meister der weißen Zunft verarbeitet den Honig aus dem Drömling in seinem Baumkuchen.