Haldensleben l Petra M. (Name von der Redaktion geändert) ist sichtbar glücklich. Sie hat es geschafft, ihre Schulden zu tilgen. Mit der Hilfe von Gabriele Meinicke von der Schuldner- und Insolvenzberatung ging sie den langen Weg zur Schuldenfreiheit.

Doch wie kam es zu den Schulden? Mit ihrem damaligen Ehemann zog Petra M. in den 90er Jahren nach Haldensleben. „Ich hatte schon damals nicht viel Geld. Und das, was ich hatte, hat mein Mann für mich verwaltet“, berichtet die 56-Jährige.

Nachdem sich ihr Mann von ihr getrennt hatte, zog Petra M. 2009 mit ihrem jüngsten Sohn in eine eigene Wohnung. Nach kurzer Zeit zog ihr Sohn für ein Studium in eine andere Stadt. „Ich hab mich dann sehr allein gefühlt“, erzählt Petra M. Zu ihrer Einsamkeit kamen psychische Probleme. Die wollte sie mit Bestellungen bei diversen Versandhäusern kompensieren: „Ich hab beim Kauf von Sachen die Erfüllung gesucht“, berichtet die Rentnerin.

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Doch durch ihre geringe Rente vereinbarte sie oft Ratenzahlungen. Weil sie das Bezahlen aber vor sich her schob, trafen nach einiger Zeit Mahnungen ein. „Bestimmte Mahnungen hab ich einfach ungeöffnet in eine Schublade gelegt“,sagt sie.

Die Schulden wurden größer

Außerdem schöpfte sie ihre Kreditkarte aus, sodass ihr Konto gesperrt wurde. Die Schulden wurden von Monat zu Monat mehr. Sie lieh sich von Bekannten Geld für eine damalige Freundin. Das bekam sie von ihr aber nie zurück. Petra M. sah keinen Ausweg mehr aus ihren Schulden. Es folgten Suizidgedanken.

„Meist kommen die Betroffenen erst zu uns, wenn Druck dazu kommt“, erklärt Gabriele Thoms, Teamleiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung. So auch bei Petra M. Ihren Kindern erzählte sie zunächst aus Schamgefühl nichts von ihren Schulden. „Mir war es peinlich. Ich hab so getan, als wäre alles in Ordnung“, erinnert sie sich. Doch der Druck wurde immer größer, sodass sie sich ihrem jüngsten Sohn anvertraute. Er beglich die Schulden, die Petra M. durch ihre ausgeschöpfte Kreditkarte hatte.

Dann holte sie sich Hilfe bei der Schuldnerberatung des paritätischen Sozialwerks. Dort lernte sie Gabriele Meinecke kennen. Gemeinsam erarbeiteten sie eine Übersicht von Einnahmen und Ausgaben. Außerdem bekam Petra M. Tipps, wie sie sich bis zum nächsten Termin schützen könne. Es folgten eine Haushaltsplanung, um zu schauen, ob Geld für die Abzahlung der Schulden vorhanden ist. Danach wurde ein Konzept entwickelt, um die Schulden zu bezahlen. „Wir haben Teilverzichte bei Gläubigern erwirkt, damit diese etwas bekommen“, erzählt Gabriele Meinecke. Dies erfordere laut Gabriele Thoms sehr viel Disziplin vom Schuldner: „ Es ist ein mühsamer Weg, schuldenfrei zu werden. Aber Frau M. hat es geschafft“.

Fünf Jahre hat Petra M. gebraucht, um schuldenfrei zu werden. „Wir sind immer durch den Plan gegangen und haben alles aufgelistet“ ,berichtet sie. Heute geht sie planvoller mit ihrem Geld um und kauft nichts mehr auf Raten. „Ich führe jetzt konsequent mein Haushaltsbuch und sammle meine Kassenbons“, erzählt die Rentnerin. Außerdem besitze sie ein Sparbuch, auf das sie monatlich etwas einzahle, um sich Wünsche zu erfüllen. Mittlerweile kann sie auch wieder ein Mal im Jahr in den Urlaub fahren. Von ihren Söhnen erhält sie ebenfalls Unterstützung.

Die Schuldner- und Insolvenzberatung des paritätischen Sozialwerks ist laut Gabriele Thoms Hilfe zur Selbsthilfe: „Es ist immer ein Geben und Nehmen. Wir zeigen Strategien auf, aber der Betroffene muss mitarbeiten und seine Pflichten erfüllen.“ Die Beratung ist kostenfrei und vertraulich. Jeder aus dem Landkreis Börde, der in finanzieller Hinsicht einen Rat benötigt, kann zur Beratungsstelle kommen. Gabriele Thoms rät, die Hemmschwelle zu überwinden und sich Hilfe zu holen. Die Höhe der Schulden sei irrelevant. Petra M. ist der Schuldnerberatung sehr dankbar: „Ich habe vielen Leuten die Beratungsstelle empfohlen. Ohne Frau Meinecke hätte ich das nicht geschafft“.