Groß Santersleben l Es ist nie ein Mensch zu sehen und trotzdem sind die Bilder auf ihre eigene Art verzaubert. Dort ist die Kaffeemühle Elbeu (Stadt Wolmirstedt) zu sehen, ganz romantisch wirkt sie im Sonnenlicht. Oder die Ruine Nordhusen (Stadt Haldensleben), die fast schon mystisch daherkommt. Oder die kleine Idylle am Süplinger Canyon (Stadt Haldensleben), die ein sommerliches Gefühl mitbringt. All diese Orte haben eines gemeinsam: Sie sind der Hobbyfotografin Sylvia Scholz vor die Linse gekommen.

Und was sie mit ihrer Kamera einfängt, wird für ewig gebannt auf ihren Fotografien. „Es ist faszinierend, was die Natur uns geben kann. Ich bin begeistert von den Farben. Man muss nur hinschauen“, sagt sie. Schon von Kindertagen an war das Fotografieren ein ständiger Begleiter von Sylvia Scholz. Zuerst im Privaten – schöne Urlaubsfotos, nette Familienschnappschüsse, tolle Feiern. Doch als ihre Kinder groß und aus dem Haus waren, zog es auch Sylvia Scholz aus dem Haus.

Vor drei Jahren begann die 57-Jährige, die vor allem durch ihren roten Kurzhaarschnitt ins Auge fällt, sich intensiv mit Fotografie zu beschäftigen. „Mein Mentor war der Fotograf Fabian Duwanoff. Von ihm habe ich sehr viel gelernt“, sagt sie. Doch auch Youtube-Videos sah sie sich in Dauerschleife an, notierte sich Wissenswertes zur Blende, zur Lichteinstellung, zur Sekundenzahl – eben zur ganzen Technik, die in einer Kamera steckt. „Fabian Duwanoff sagte immer, ich hätte ein fotografisches Auge“, sagt sie und schmunzelt. Er war es auch, der ihr bei der Auswahl einer professionellen Kamera half.

Bilder

Im Jahr 2017 fasste sie den Mut und legte sich eine Kamera zu. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine riesige Spiegelreflexkamera, sondern um eine Systemkamera. Sie ist klein und handlich – anders als ihre großen Brüder, die Berufsfotografen oft um den Hals hängen haben. Die kleine Kamera begleitet Sylvia Scholz überall hin. „Wenn man die Technik kennt, ist das Fotografieren nicht mehr schwer“, versichert sie allen, die sich bisher nicht an die Fotografie getraut haben.

Sonnenbremsung für das perfekte Foto

Seither pilgert die Industriekauffrau sobald es die Zeit zulässt durch die Börde und setzt ihre Wahlheimat in Szene – eigentlich stammt Sylvia Scholz nämlich aus der Altmark. „Bei schönem Wetter werde ich richtig hibbelig, dann muss ich hinaus und Fotos machen“, sagt sie und schmunzelt. Ganz oft sei sie schon aus dem Auto gesprungen, wenn ihr ein Fotomotiv am Feldrand aufgefallen ist – Sonnenbremsung nennt die 57-Jährige das.

Für ihre Leidenschaft kämpft sich Sylvia Scholz mitunter auch durchs Dickicht. „Es ist mir egal, ob meine Sachen schmutzig werden oder ich voller Matsch bin – so ein Motiv bekommt man vielleicht nicht wieder“, sagt sie und fügt an: „Manchmal bin ich schon ein bisschen verrückt.“ Sogar ihre Schuhe habe sie bei einer Fototour mal verloren, erzählt sie lachend. Inzwischen hat sie auch schon ihren sechsjährigen Enkelsohn mit ihrer Leidenschaft infiziert und er begleitet sie mit einer ausgedienten Kamera auf ihren Streifzügen durch die Börde.

Ruine Nordhusen als Ruhe-Oase

Als sie zu fotografieren begann, war Sylvia Scholz klar, dass sie ihre Fotos auch gern mit anderen teilen möchte. Da bot sich die Foto-Plattform Instagram an. Insgesamt 2500 Menschen folgen Sylvia Scholz und sehen sich die Bilder an, die sie im Internet teilt. „Ich möchte die Börde von ihren schönen Seite zeigen“, sagt sie.

Mehrere hundert Leute drücken dann „Gefällt mir“ – in den ersten Stunden, nachdem sie ein Bild hochgeladen hat, steht das Handy dann meist nicht mehr still. Doch das macht ihr nichts aus – eher im Gegenteil: „Ich finde es schön, wenn andere ihre Heimat mit anderen Augen sehen und die Bilder genau so lieben wie ich.“

Dabei fasziniert die Hobbyfotografin vor allem das Spiel mit Licht und Schatten. Ein Markenzeichen von Sylvia Scholz ist auch der Sonnenstern – ein Fotografie-Modus, bei der die Lamellen der Linse einzelne Strahlen hervorheben und so einen Stern kreieren. Doch zwischen den Instagram-Bildern und der Realität liegen oft Welten – das weiß jeder Nutzer. Doch Sylvia Scholz verspricht, dass sie ihre Bilder nur minimal nachbearbeiten. „Ich regle Licht und Schatten noch ein wenig, ansonsten möchte ich die Bilder auch nicht verändern“, sagt sie.

Doch von allen Plätzen, die Sylvia Scholz in Szene setzt, ist die Ruine Nordhusen ihr liebster Ort. „Ich sitze im Sommer manchmal mit einem Kaffee dort. Die Ruine strahlt Ruhe aus“, sagt sie. Wenn sie dann noch den Sonnenstern vor die Linse bekommt, ist der Moment perfekt – und für immer eingefangen.