Vahldorf l Autofahrer dürften auf das emporwachsende Ufo am Rande Vahldorfs bereits aufmerksam geworden sein. Lastwagen ziehen ihre Kreise, ein Kran schwenkt über das 1,5 Hektar große Gebiet, das runde Gebäude reckt sich in die Höhe. An diesem Standort investiert das Unternehmen BioCons- truct über 14 Millionen Euro in erneuerbare Energien.

„Bisher laufen die Arbeiten wie geplant“, sagt Henrik Borgmeyer, Geschäftsführer von BioConstruct. Seit dem Spatenstich im Juni gab es keine Komplikationen. Im Gegenteil, die derzeitige Dürre bringt Vorteile beim Bau der Biogasanlage. „Die Bauarbeiten sind durch den tonhaltigen Boden kompliziert“, erklärt Borgmeyer. Bei Regen müssten die Arbeiten stoppen, da der Boden dann betonhart werden würde.

Rohstoffe aus der Region bevorzugt

Läuft alles nach Plan, wird die Biogasanlage im Sommer 2019 in Betrieb gehen. Sie wird dann rund 700 Kubikmeter Biomethan pro Stunde durch die Vergärung von Biomasse gewinnen, was umgerechnet Strom und Wärme für 22.000 Menschen bedeutet.

Dieses Biomethan soll künftig ins Avacon-Netz eingespeist und an Eon verkauft werden, wo es wiederum als Energie an die Endverbraucher weitergegeben wird. Um die angestrebten Mengen an Bioethan zu erzeugen, sollen in der künftigen Vahldorfer Biogasanlage 70.000 Tonnen Rohstoffe pro Jahr verarbeitet werden.

Neben Geflügelmist aus dem direkten Umland zählen auch Mais, Zuckerrüben und Getreidesilage zu den Produkten, die in der Anlage zu Biogas umgewandelt werden können. Diese Rohstoffe sollen dabei aus einem Umkreis von 15 Kilometern kommen. Weitere Anfahrtswege seien nicht rentabel.

Gärreste als Dünger

Die Biogasanlage kommt laut Borgmeyer den örtlichen Landwirten zugute. Denn als Nebenprodukt der Biogasherstellung entstehen Gärreste, die aufgrund ihres hohen Nährstoffgehalts wieder als Dünger genutzt werden könnten. Durch die Betreiberfirma Agrarenergie Vahldorf sollen zudem Arbeitsplätze für Handwerker wie Heizungsbauer oder Elektrotechniker entstehen, wie das Unternehmen mitteilt.

Außerdem sollen für den Betrieb der Biogasanlage drei Mitarbeiter eingestellt werden. Die Ausschreibungen laufen. „Wir sind dabei, uns ein Team zusammenzustellen“, so Henrik Borgmeyer. Dazu werden wegen der Anfahrtswege Mitarbeiter in der Region gesucht.

Ein weiterer Vorteil für Vahldorf und die Umgebung soll die Gewerbesteuer sein, die der Geschäftsführer von BioConstruct in einer Präsentation bei der Gemeinde 2017 vorgestellt hat. Damals schätzte er die Gewerbesteuer zwischen 50.000 bis 100.000 Euro.

Des Weiteren wies Henrik Borgmeyer bei seiner Vorstellung auf den Wirkungsgrad der Biogasanlage hin: „Die Energiegewinnung ist hocheffizient. Modernde Biogas-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erreichen einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent, während konventionelle Großkraftwerke aufgrund der fehlenden Wärmenutzung in der Regel nur Wirkungsgrade von bis zu 50 Prozent erreichen.“