Haldensleben l Dieter Naumann, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Haldensleben, blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurück. Und das nicht nur in Hinsicht des Jubiläums, das die Wobau anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens gefeiert hat. „Wir haben fast alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten“, resümiert der Geschäftsführer.

Investiert wurde im vergangenen Jahr vorrangig in den Wohnungsbestand, vor allem auf dem Süplinger Berg und in der Köhlerstraße. Letztere Maßnahme ist allerdings noch nicht abgeschlossen. „Bei den Elektroarbeiten gab es Verzögerungen, doch sie sollen spätestens im Februar beendet sein. Dann geht es mit den nächsten Abschnitten weiter“, meint Naumann.

Investitionen in den Bestand

Mitten drin steckt die Wobau in der Umgestaltung der internen Arbeitsprozesse. „Wohnungswirtschaft 4.0“ nennt sich das Ganze. „Dabei werden Arbeitsabläufe digitalisiert und so strukturiert, dass unsere Mitarbeiter mehr Freiraum für die Belange der Mieter bekommen, die somit wieder stärker in den Blick rücken“, erklärt der Wobau-Chef. Mit dieser komplexen Umstrukturierung sei das städtische Tochterunternehmen noch nicht durch. „Es ist ein permanenter Prozess. Der steckt voller Neuheiten, die uns sehr beschäftigen“, so Naumann weiter.

Darüber hinaus hat er für 2019 aber das Wesentliche im Blick: „Wir werden weiter in unseren Bestand investieren.“ Dafür ist eine Investitionssumme von rund zwei Millionen Euro vorgesehen. Der größte Teil davon – etwa 1,1 Millionen Euro – fließt in die Sanierung der drei Wohnblöcke Waldring 4 bis 19. In Kooperation mit der Wohnungsbaugenossenschaft „Roland“ Haldensleben, der einer der Wohnblöcke gehört, sollen Dächer, Balkone und Fassaden erneuert werden. Für diese Maßnahme konnten Fördermittel in Höhe von 368.000 Euro akquiriert werden, die zu gleichen Teilen von der Stadt, dem Land und dem Bund kommen.

Verschoben worden ist der grundhafte Ausbau der Straße Waldring im Bereich der Eingänge 38 bis 64. Diese Maßnahme war bereits für 2018 geplant, hatte sich aber verzögert und wird nun nachgeholt. „Es wird jetzt höchste Zeit“, betont Dieter Naumann. Betonsteinpflaster soll die bisherigen Betonplatten, die sich zum Teil schon hochgedrückt haben und so für Stolpergefahr sorgen, ersetzen.

Denkmal-Haus wird saniert

Ein weiteres Schwerpunktprojekt hat Dieter Naumann mit der Magdeburger Straße 46 im Blick. Das denkmalgeschützte Gebäude wird aktuell von der Stadt gesichert und soll anschließend an die Wobau übertragen werden. Die kümmert sich dann um den Ausbau. Für rund 380.000 Euro werden drei neue Wohnungen entstehen. Dafür erhält die Wobau eine Förderung in Höhe von 220.000 Euro.

„Rein wohnungswirtschaftlicht gesehen ist dieses Objekt nicht gut für unsere Bilanz“, redet Naumann Klartext. Doch es geht dabei um mehr als nur um reine Zahlen. „Die Sanierung und Herrichtung dieses Gebäudes hilft der Stadt. Und was der Stadt hilft, hilft auch uns“, sagt er. Haldensleben wäre mit der Neugestaltung der einstigen Mühle, in der auch Teile des Magdeburger Tores sowie der ehemaligen Haldensleber Stadtbefestigung verbaut sind, einen Schandfleck los.

Auch wenn für 2018 noch nicht alle Abrechnungen vorliegen, geht Naumann von einem finanziell positiven Jahr ähnlich wie 2017 aus. Noch schlügen die allgemein höheren Baukosten bei der Wobau nicht durch, meint der Geschäftsführer. „Wir haben verlässliche und gute Beziehungen mit den Handwerkern hier. Da haben wir eine relativ stabile Preisbasis, das läuft noch ganz gut.“ So würden sich Mehrkosten noch in Grenzen halten.

Leerstand liegt bei 7,5 Prozent

Aktuell verwaltet die Wobau Haldensleben rund 2000 Wohnungen, davon befinden sich 1646 im eigenen Bestand. Die Leerstandsquote liegt bei etwa 7,5 Prozent und damit unter dem Durchschnitt. Mehr als die Hälfte der 200 Wohnungsunternehmen in Sachsen-Anhalten weisen hier 15 Prozent und mehr aus. „Wir liegen auf dem Niveau des Vorjahres, etwa plusminus Null. Damit ist unsere Tendenz gegenläufig zur Entwicklung im Land“ meint Naumann nicht ohne Stolz.

Auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr bewegen sich für 2018 auch die Mietschulden. Naumann beziffert sie mit rund 70.000 Euro. „Rechnen wir jedoch die vergangenen 25 Jahre zusammen, so kommen wir auf gut 1,7 Millionen Euro.“ Diese Summe jemals zurückzubekommen, sei jedoch aussichtslos, ist er überzeugt.

Doch es sind nicht nur die Mietschulden, die den Geschäftsführer ärgern. Auch die Bundesregierung erschwere mit ihrem Mietrechtsanpassungsgesetz, das seit dem 1. Januar gilt, die Arbeit der Wobau, macht er deutlich. Mit dem Gesetz können umlagefähige Modernisierungskosten nicht mehr zu elf, sondern nur noch zu acht Prozent auf die Mieten umgelegt werden. „Da wird jede Investition genau überlegt“, betont Naumann. Für die Mieter mag es auf der einen Seite gut sein, wenn sie weniger zahlen müssten, urteilt der Wobau-Geschäftsführer. „Doch wenn die eigenen Einnahmen reduziert werden, kann ich umso weniger Geld ausgeben. Und das fällt dann wieder dem Mieter auf die Füße“, kritisiert er das neue Gesetz und fordert von der Politik angesichts weiterer geplanter Neuerungen auch bei der Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus „verlässliche Rahmenbedingungen“, um langfristig die Werte verwalten zu können.

Apropos Verlässlichkeit: Auch in diesem Jahr wird die Wobau Haldensleben wieder ein Bahnhofsfest veranstalten. Der Termin steht fest: zur „Süßen Tour“ am 12. Oktober. Das Motto lautet „30 Jahre NDW“. Das werde sich zum einen als Neue Deutsche Welle programmtechnisch niederschlagen, verspricht Dieter Naumann. Und inhaltlich gehe es um „30 Jahre Nach Der Wende.“