Althaldensleben l Wenn Ronald Picht seinen Blick über den verbrannten Rasen des Sportplatzes an der Lindenallee schweifen lasst, wird er traurig. Seit der ersten Stunde ist er Vorsitzender des Integrativen Sportvereins Haldensleben 05, der Pächter des Sportplatzes ist. Er hat auf diesem Rasen gespielt, er hat ihn gemäht, er musste zusehen, wie er verbrennt. Und nun muss er ihn vielleicht ganz abgeben, diesen Sportplatz.

Seit 1990 steht das Objekt an dem Sportplatz – genau so alt ist die Technik darin. Das Gebäude kommt in die Jahre. Eine Wasserleitung ist defekt, die Türen teilweise provisorisch zugenagelt, die blaue Farbe blättert von den Stangen. Im Inneren des Gebäudes ist die Zeit stehengeblieben. „Nach und nach geht hier alles kaputt“, sagt der Vereinschef. Der Rasen könne nicht mehr gegossen werden, die Bewässerungsanlage ist defekt. Zu den Schäden aus Altersgründen gesellen sich Vandalismus-Probleme. „Drei Mal wurde im vergangenen Jahr eingebrochen“, berichtet Ronald Picht. Die Täter nahmen nichts mit, hinterließen aber eine Schneise der Verwüstung.

Es gibt viele Probleme, die auf dem kleinen Verein lasten. Zwei Abteilungen gibt es noch – die Behindertenabteilung sowie die Abteilung Casting. Erstere bringt den Platz wöchentlich auf Vordermann. Denn der ISV hat einen Pachtvertrag mit der Stadt. Darin steht, dass der Verein für die Pflege, Erhaltung und Verkehrssicherheit des Platzes zuständig ist. „Wir haben unsere Aufgaben stets erledigt“, sagt Ronald Picht. Sorgen machen ihm die finanziellen Probleme. Laut Stadtverwaltung ist im Nutzungsvertrag eine Kündigungsfrist von einem Jahr festgelegt. Doch die Stadt könne den Vertrag auch außerordentlich kündigen, wenn gegen wesentliche Pflichten aus dem Vertrag verstoßen werde.

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Abteilung Fußball geschlossen

Seit im vergangenen Jahr die Abteilung Fußball geschlossen wurde, sind die Einnahmen des Vereins zusammengeschrumpft. Von den Mitgliederbeiträgen kann der Vereinschef gerade so die laufenden Kosten decken. Wie viel privates Geld schon in den Sportplatz geflossen ist, könne er gar nicht mehr beziffern. Doch es wird immer mehr. Die aufgebrochenen Türen stehen mit 3000 Euro zu Buche, der leere Gastank will mit 2400 Euro befüllt werden. Geld, das der ISV nicht hat. Deswegen hat sich Ronald Picht hilfesuchend an die Stadt gewendet. „Wir wissen, dass die Finanzen unsere Sache sind, aber wir hoffen auf Hilfe von der Stadt“, sagt er. Er spricht sogar von Insolvenz, habe sich in den letzten Wochen dazu belesen. Es wäre der letzte Ausweg. „Wir schaffen vielleicht noch zwei bis drei Monate, dann ist Schluss. Wir sind am Ende“, sagt er.

Er erinnert sich gern an früher, als der Sportplatz bei Fußballspielen prall gefüllt war. „Die Spitzenzahl waren 807 Zuschauer“, erinnert sich Ronald Picht. Zeiten, an die beim gegenwärtigen Anblick des Sportplatzes kaum noch zu denken ist. Engagiert habe der ISV zugesagt, als der Verein das Objekt von der Stadt zur Pacht angeboten bekam. Nun, über zehn Jahre später, ist aus Enthusiasmus Überlebenskampf geworden. „Wir wollen hier bleiben, aber wir schaffen es nicht allein“, so Picht.