Von der stehenden zur reitenden Figur: Die Geschichte des Rolands in Haldensleben

Der Haldensleber Roland feiert im Jahr 2019 seinen 600. Geburtstag.

1419 wurde die stehende Rolandfigur erstmals in den Stadtbüchern von Haldensleben erwähnt. Allerdings gibt es keine Abbildungen von ihr, daher ist nicht bekannt, wie sie aussah.

Es gibt Berichte, wonach die Figur zunächst einige Jahre in Hehlingen (heute Stadtteil von Wolfsburg) stand und dann nach Haldensleben entführt wurde.

1528 wurde der stehende Haldensleber Roland erstmals durch einen reitenden ersetzt. Dieser thronte Aufzeichnungen zufolge auf einem drehbaren Sockel, der jeweils in Richtung aller vier Stadttore gedreht werden und damit hochrangigen Gästen beim Eintreffen in der Stadt entgegen und beim Verlassen hinterher blicken konnte. 1733 geschah das zum letzten Mal bei der Durchreise des Königs Friedrich Wilhelm I. und des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich des Großen.

Der reitende Haldensleber Roland gilt nicht nur als Höhepunkt der Schaffenskunst innerhalb der Roland-Figuren, weil er der einzige Reitende Roland auf der Welt ist und zeitweise drehbar war, sondern auch, weil seine Gesichtszüge besonders fein definiert sind.

1927 kam der alte Roland in sein „Senioren-Domizil“, das Haldensleber Museum. Seitdem steht auf dem Markt eine Replik aus badischem Kalkstein.

(Quelle: Museumsschrift 2002)

Haldensleben l Bei seiner ersten heute bekannten urkundlichen Erwähnung vor 600 Jahren war der Haldensleber Roland noch gar kein Reiter. Da stand er auf seinen Füßen – genauso wie die Rolande in anderen Städten auch. Als Reiterstandbild wurde er erstmals 1528 errichtet – unsere Vorfahren konnten ihn damals sogar in die Richtungen aller vier Stadttore drehen, um hochrangige Gäste gebührend zu begrüßen.

Heute wird das nicht mehr so gemacht: der alte, drehbare Roland wurde mehrmals an verschiedene Stellen auf dem Marktplatz gesetzt, bevor er 1927 seinen wohlverdienten Ruhestand antrat und aufs Altenteil in das Stadt- und Kreismuseum geschickt wurde. Seitdem thront der „neue“ Roland auf dem Haldensleber Markt - auf einem hohen Sockel, der nicht gedreht werden kann und auf den auch niemand so leicht hinaufklettern kann. Denn das haben die Haldensleber und auch ihre Gäste damals gern getan: sich hinter dem Roland aufs Pferd gequetscht, um lustige Bilder aufzunehmen oder um einfach einmal hinter dem bekannten Wahrzeichen sitzen zu können.

Altstadtfest mit Roland-Markt

Eines ist nämlich damals wie heute gleich: Die Haldensleber lieben ihren Reitenden Roland und möchten ihn nicht missen. Grund genug für die Stadtverwaltung und andere Akteure, den 600. Geburtstag des Rolands nicht sang- und klanglos untergehen zu lassen, sondern ihn in seinem Geburtstagsjahr zu ehren.

„Auf dem Altstadtfest soll es in diesem Jahr einen Roland-Markt geben“, blickt Astrid Seifert, Abteilungsleiterin für Kultur, Fremdenverkehr und Soziales in der Stadtverwaltung, voraus. So solle vom 23. bis 25. August parallel zu dem Stadtfest ein historischer Markt auf dem Pfändegraben aufgebaut werden, dessen Höhepunkt am Fest-Sonntag mit dem Rolandreiten erreicht werde, an dem auch Rolande aus befreundeten Städten teilnehmen. Das Budget im Stadthaushalt, so verrät Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler, sei dafür extra aufgestockt worden.

Das Haldensleber Stadt- und Kreismuseum ist ohnehin der erste Ansprechpartner, wenn es um die Geschichte des Wahrzeichens der Stadt geht. Dort gibt es eine Dauerausstellung zum Reitenden Roland, Museumsleiterin Judith Vater führt auf Wunsch Gruppen und gibt ihnen Auskunft über Fakten und Daten rund um die Figur. Auch die diesjährige Jahresschrift des Museums, so verrät sie, werde sich mit dem Roland befassen. So wird darin ein Text des ehemaligen Museumsleiters Ulrich Hauer über den Roland erscheinen. Die Museumsmitarbeiter beteiligen sich außerdem an der Magdeburger Ausstellung „Faszination Stadt“, bei der es auch um das Magdeburger Recht und dessen Verbreitung im Umland geht. Die Rolandsetzung in den Städten spiele auch in diesem Rahmen eine Rolle, sagt Judith Vater.

Jubiläum mit Torte und Präsenten

Die Briefmarkenfreunde aus Haldensleben und Umgebung haben das Jubiläum ebenfalls aufgegriffen und integrieren es in diesem Jahr in ihre Veranstaltungen. So ist das Thema des Großtauschtages, der am 4. Mai in der Kulturfabrik stattfindet, „600 Jahre Roland“. Zum einen spricht Haldenslebens Museumsleiterin Judith Vater bei einem Kurzvortrag über die Historie des Roland, zum anderen werden entsprechende Exponate ausgestellt. Auch Vertreter aus anderen Rolandstädten – Stendal, Brandenburg, Magdeburg, Halberstadt und Calbe – sollen an dem Tag begrüßt werden.

Vor allem können Sondermarken gekauft werden, die die Briefmarkenfreunde gemeinsam mit der biber-Post extra zum Jubiläum aufgelegt haben. Außerdem gibt es entsprechende Briefumschläge mit Stempeln – sowohl auf den Marken als auch auf den Umschlägen und Stempeln wird natürlich der Roland zu sehen sein. Schon am 13. April, dem Tag der offenen Tür zum 20-jährigen Bestehen der Kulturfabrik, präsentieren und verkaufen die Philatelisten die Sachen an einem eigenen Stand. Wer für die Veranstaltungen keine Zeit hat oder schon vorher Briefmarken mit Haldenslebens Wahrzeichen haben möchte, kann sich jederzeit an den Verein wenden, erklärt Schriftführer Karl-Heinz Kühn.

Ein recht vergängliches, weil schmackhaftes Geschenk hat der Haldensleber Koch Sascha Oldenburg für das Roland-Jubiläum kreiert. Weil ein Geburtstag ohne Torte einfach nicht dasselbe ist, bietet er nur in diesem Jahr eine Roland-Torte an, die in der Basis einer Sachertorte entspricht und selbstgemachte Mirabellenmarmelade enthält. Außerdem hat sich Sascha Oldenburg kleine Roland-Präsente ausgedacht, die hauseigenen Gin und Pralinen mit dem Abbild des Reitenden Rolands enthalten. Eine Banderole klärt über den Werdegang des Rolands auf.