Mannhausen l „Wie beginnt man eine Festrede bei diesen subtropischen Temperaturen? Sind Sie alle gut mit Getränken versorgt?“, fragte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) die zahlreichen schwitzenden Gäste zur Eröffnung der neunten Festtage der Gemeinde Calvörde. Anlässlich des 85-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Mannhausen stieg die Party im Mannhäuser Saal.

„Die Festtage haben einen hohen Stellenwert im öffentlichen Leben der Gemeinde Calvörde. Sie sind ein Zeichen von Verbundenheit. Diese Tage bringen die Menschen aller elf Ortsteile zusammen“, ist sich Schliephake sicher. Nach Ansicht des Bürgermeisters sind Mannhausen und die Feuerwehr nur in einem Zungenschlag zu nennen. Oft sei es schon die vierte Generation der Mannhäuser Familien, die in der Wehr aktiv sind. Der Gemeindechef dankte den Brandschützern für ihr aufopferungsvolles Engagement. „Dieser persönliche Einsatz ist wahrlich nicht mit Geld aufzuwiegen. Dienst bei der Feuerwehr ist Dienst am Nächsten. Sehr vielen Menschen haben Sie in Notlagen geholfen und Gefahren abgewehrt. Kein Ort kann ohne Feuerwehr leben. Eine Kommune ist keinesfalls in der Lage, diese freiwillige Aufgaben zu leisten“, betonte Schliephake.

Lob für die Nachwuchsarbeit

Ein Dank ging auch an die Familienangehörigen für das Mittragen und für das Verständnis. Lobende Worte gab es für die Nachwuchsarbeit der Wehr. Zur Zeit würden drei Kameraden neun Jugendliche wöchentlich trainieren. Die Jugendwehr hat in den vergangenen Jahren erfolgreich an Wettbewerben auf Landes- und Bundesebene teilgenommen. Sie erkämpften sich den Vize-Landesmeistertitel und stellten ihr Können bei der Deutschen Meisterschaft unter Beweis. Aber nicht nur die Jugend kann auf Erfolge zurückblicken. Bereits 1963 war die Feuerwehr Mannhausen Sieger im Kreisausscheid. Auch später nahmen die Mannhäuser erfolgreich an Kreis- und Bezirksausscheiden sowie an Landesmeisterschaften teil. Zum 50. Jubiläum 1983 wurden die Kreismeisterschaften in Mannhausen ausgetragen. Damals schafften die Mannhäuser einen Kreisrekord.

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Seit über 20 Jahren veranstalten sie die Wettkämpfe um den Drömlingspokal. Aber auch Traditionen werden mit den Winterwanderungen, das Abbrennen des Osterfeuers und das Aufstellen des Maibaumes gepflegt.

Sportlerheim renoviert

Eine besondere Aktion der Mannhäuser war die Renovierung des Sportlerheims. „Was hier mit der Dacherneuerung, Fassaden- und Fenstersanierung bis zur Innengestaltung geleistet wurde, verdient Anerkennung, denn dies geschah in Eigenleistung. Fast das halbe Dorf hat mit angepackt“, sagte Schliephake und schenkte den tatkräftigen Helfern, Achim Riecke, Gerald Dreyer, Tim Quatz, Ronny Schönduwe, Ingo Kottke, Thomas Trüe, Patrick Kriege, Günter Quatz, René Steinke, Günter Sy, Marc Porzelle, Manuel Quatz, Gordon Flemming, Björn Trüe, Fabian Porzelle, Steven Troyke, Ralf Daniel, Marvin Krieg sowie Sybille Riecke und Siegrid Sy, die den Innenbereich der Sportlersheims verschönerten, einen Gutschein in Höhe von 150 Euro für einen Einkauf in einer Landfleischerei.

Ein Dankeschön ging auch an den einstigen Wehrleiter Manfred Eggeling und heutigen Ortsteilbeauftragten sowie an Kevin Quatz für ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Mannhäuser Wehrleiter Kevin Quatz hielt – schwitzend und tapfer in der Ausgehuniform steckend – eine Rückschau auf die 85-jährige Geschichte der Wehr. Er berichtete von der Gründung der freiwilligen Wehr am 23. Oktober 1933 bei einer Einwohnerversammlung. Damals waren es 23 Männer, die mit einer Handdruckspritze aus dem Jahre 1844 mit Holzachse und Pferdegespann zum Löschen ausrückten. Am 31. Juli 1934 gab es den ersten Brand zu bekämpfen. Bei einem Bauern in Keindorf stand die Scheune lichterloh in Flammen. Damals saßen die Mannhäuser beim traditionellen Turnierfest um 3.30 Uhr im Gemeindesaal zusammen. „Erstaunlich ist, dass trotz der frühen Morgenstunden und der technischen Ausrüstung die Wehren Etingen, Wegenstedt und Mannhausen um 4.15 Uhr an der Brandstelle waren. Das Vieh aus den Ställen und weitere Gebäude konnten gerettet werden“, weiß Quatz aus alten Aufzeichnungen.

Geschenke für die Ehrenamtlichen

„Wie wichtig die Feuerwehr auch heute noch ist, zeigte sich im Besonderen in den letzten Wochen, in denen auch die Mannhäuser Wehr sehr oft zu Waldbränden ausrücken musste. Und das alles ehrenamtlich“, betonte Antje Jacobs, stellvertretene Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Flechtingen. Sie zollte den Aktiven ihren Rezept dafür. Als Dankeschön überreichte sie einen 50-Euro-Scheck als Geschenk. „In Mannhausen lebt das Dorf von der Feuerwehr“, beschrieb Frank Alvermann, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Er hob Herbert Kühne und einige andere Kameraden hervor, die den Kreisverband mit gegründet hatten. „Mit eurer Mannschaftsstärke und Einsatzbereitschaft seid ihr ein leuchtendes Beispiel, dafür, dass es nach wie vor den flächendeckenden Brandschutz gibt und geben muss“, betonte Alvermann und kritisierte das Land Sachsen-Anhalt, welches die Wehren nicht ausreichend finanziell unterstützt.

Gerade als die Brandschützer das Büfett erobern wollten, heulte die Sirene. Die anwesenden Wehrleute aus dem Ort und aus dem benachbarten Wegenstedt rückten pflichtbewusst zu einem Brand zwischen Wegenstedt und Keindorf aus. Dort brannten am Wegesrand 50 Quadratmeter Fläche. Der Einsatz dauerte 38 Minuten. Danach kehrten sie zur Party zurück und stärkten sich für den Wettkampf um den Drömlingspokal, um den am Tag darauf 30 Teams aus Wehren von nah und fern kämpften.