Wolmirstedt l Mit einem besonderen Gottesdienst in der Katharinenkirche in Wolmirstedt ist Uwe Döschner aus dem Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt verabschiedet worden. Der 53-jährige studierte Kirchenmusiker war seit dem 1. Oktober 2009 als Kantor an der Kirche St. Marien in Haldensleben und im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt tätig.

Obwohl er hauptsächlich in den Gemeinden rund um Haldensleben gearbeitet hat, ist er auch in Wolmirstedt und Umgebung kein Unbekannter. So war er zum Beispiel mit seiner „Orgelmusik bei Kerzenschein“ auch in der Katharinenkirche zu Gast oder machte gemeinsam mit der Wolmirstedter Kantorin Stefanie Schneider Kinder auf spielerische Art mit dem Orgelspiel vertraut. Außerdem ist Gottesdienstbesuchern sicher noch seine Uraufführung eines eigenen Stücks seiner Berufskollegin vor etwa einem Jahr in der Katharinenkirche in guter Erinnerung.

Dass er sehr gerne auch mal den Platz an der Orgel mit Stefanie Schneider tauschte, war vermutlich nicht ganz uneigennützig. Als Sachverständiger hatte er vor etwa drei Jahren die Restaurierung seines Lieblingsinstrumentes, der Orgel in der Katharinenkirche, überwacht. Die war 1989 in das Wolmirstedter Gotteshaus eingebaut worden und besteht aus 22 Klangregistern mit 2500 Pfeifen. „Diese wunderbare Orgel ist mir sehr ans Herz gewachsen, die Kirche in Haldensleben verfügt lediglich über ein digitales Instrument“, sagt er. Aus diesem Grund habe er sich seine Verabschiedung auch in Wolmirstedt gewünscht.

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Feierlich und emotional

Die war feierlich und emotional, denn auch Mitglieder der von ihm geleiteten Chöre in Weferlingen und Haldensleben waren gekommen. Die sorgten mit teilweise vierstimmigen Chorälen für Gänsehaut. Überhaupt stand die Musik bei diesem Gottesdienst im Mittelpunkt. So ließ Stefanie Schneider die Orgel unter anderem mit einem Präludium und Fuge in C-Moll von Johann Sebastian Bach, der Suite Gothique von Leon Boèllmann und „Nun danket alle Gott“ von Sigfrid Karg-Elert besonders eindrucksvoll erklingen.

Superintendent Uwe Jauch verabschiedete nach der Sonntagspredigt den scheidenden Kantor mit einer kurzen Rückschau auf dessen Wirken in den fast zehn Jahren im Kirchenkreis, bedankte sich für viele unvergessliche Konzert-erlebnisse und wünschte ihm für den Neuanfang Erfolg und Gottes Segen. Uwe Döschner hatte an dem Tag das letzte Wort. Seine Vorgängerin habe ihm beim Einstieg viel Glück „für das Abenteuer Haldensleben“ gewünscht. Das habe er zunächst mit viel Lust und Willen zum Erfolg in Angriff genommen. „Stolz und dankbar bin ich dafür, dass es mir trotz Unkenrufen gelang, in Haldensleben einen Kirchenkinderchor zu gründen. Die bis zu 30 Mädchen und Jungen gaben mehrmals im Jahr Konzerte.“

Auf seiner Habenseite hat er auch die Verleihung der „Felix-Plakette“ an die evangelische Kita „Sankt Marien“ in Haldensleben für die musikalische Ausrichtung verbucht. Besonders glücklich, so erzählt er, sei er immer dann gewesen, wenn in seinen Gemeinden die Restaurierung verstummter Orgeln mit Hilfe von Gemeindemitgliedern gelang, „denn Kirchenmusik braucht viele aktive Menschen“. Zu seinen wertvollsten Erinnerungen aber gehöre die Zusammenarbeit mit der Weferlinger Kantorei. Der Chor habe eine hohe musikalische Qualität entwickelt und sei auch bei Minusgraden oder 38 Grad Plus ohne Murren aufgetreten.

„Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt sammeln konnte und die Menschen, die ich kennenlernen durfte, aber ich sehe hier für mich keine berufliche Perspektive mehr. Wenn Bemühungen nicht mehr auf fruchtbaren Boden fallen, sucht man sich neue Herausforderungen, zumal ich in einem Alter bin, wo sich ein Neubeginn noch lohnt“, sagte der Kantor. In Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen hat er eine neue, interessante Stelle als Kirchenmusiker gefunden. Dafür wünschten ihm auch Mitglieder der von ihm geleiteten Chöre sowie Ulf Meyer vom Gemeindekirchenrat in Haldensleben viel Glück.