Haldensleben/Schwäbisch Hall l Der Landkreis Schwäbisch Hall in Baden Württemberg führt zum 1. September das BK-Kennzeichen wieder ein. BK? Wie kommt es dazu? Im Zuge der Kreisgebietsreform wurde 1973 der damalige Landkreis Backnang – etwa 30 Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegen – aufgelöst. Gemeinsam mit dem Landkreis Waiblingen wurde als Rechtsnachfolger der Rems-Murr-Kreis gegründet. Seitdem fahren Autos dort mit einem WN-Kennzeichen, was für die Kreisstadt Waiblingen steht. In diesem Zuge verschwand auch das BK für Backnang als Autokennzeichen von der Bildfläche. Das tauchte erst 2007 wieder auf, als es nach der Fusion von Börde- und Ohrekreis für die Nummernschilder im Landkreis Börde ausgegeben wurde.

Erst im Zuge der Lockerung der Kennzeichenvergabe und des bundesweiten Siegeszuges der lokalpatriotischen Nummernschilder, stieg im Schwäbischen das Interesse an dem BK wieder rasant an. Seit Ende 2013 können Einwohner des Rems-Murr-Kreises wieder BK-Nummernschilder beantragen. Vor allem in der Stadt Backnang fand das neue Kennzeichen rasenden Absatz. Im Rems-Murr-Kreis sind – Stand 23. August 2018 – 26.015 Fahrzeuge mit einem BK-Kennzeichen versehen. Bei insgesamt fast 360.000 zugelassenen Fahrzeugen ein recht geringer Prozentsatz, wie Kreis-Sprecherin Leonie Ries auf Volksstimme-Nachfrage mitteilte. Allerdings sei die Tendenz weiter steigend.

Und nun zieht auch der Landkreis Schwäbisch Hall nach. Denn 1973 wurden neun Gemeinden des einstigen Landkreises Backnang dem Landkreis Schwäbisch Hall zugeteilt. 2015 machten zahlreiche Einwohner mobil, um auch wieder an ein BK-Kennzeichen heranzukommen. Im Oktober 2015 landete ein entsprechender Antrag im Kreistag, wo er bei 17 Enthaltungen und 16 Gegenstimmen dennoch 18 Fürsprecher fand und somit äußerst knapp angenommen wurde.

Logistischer Aufwand groß

Logistisch bedeutete dies einen großen Aufwand. Denn zwischen den nunmehr drei Landkreisen gibt es erhöhten Absprachebdarf, damit Kennzeichen nicht doppelt vergeben werde. „Es sind feste Kennzeichenkombinationen für die einzelnen Kreise geblockt“, erklärte Uwe Baumgart, Sprecher des Landkreises Börde. Deswegen könne es auch dazu kommen, dass bestimmte Wunschkennzeichen nicht in der Börde vergeben werden könnten.

Aber damit noch nicht genug. Als der Landkreis Backnang 1973 aufgelöst wurde, landeten 35 der 49 Gemeinden im Rems-Murr-Kreis, neun im Landkreis Schwäbisch Hall, drei aber auch im Ostalbkreis und zwei im Landkreis Ludwigsburg.

Kein Ansturm erwartet

Allerdings besteht von dort keine Gefahr, wie Andreas Fritz, Sprecher des Landkreises Ludwigsburg, der Volksstimme mitteilte: „Hier gibt es bisher kein Bestreben, das BK-Kennzeichen wieder einzuführen.“ Gleiches teilte auch Susanne Dietterle vom Ostalbkreis mit: „Das BK stand zunächst auch auf unsere Liste. Aber es hat hier keinerlei Interesse oder Initiativen gegeben.“ In der Ostalb bleibe es weiterhin nur bei dem AA für Aalen und GD für Schwäbisch Gmünd.

In Schwäbisch Hall erwartet man zum 1. September auch keinen großen Ansturm auf das BK-Kennzeichen. In einem Interview mit dem Südwestrundfunk sagte die Leiterin des Straßenverkehrsamtes Julia Kruse: „Es gibt schon einige, die das unbedingt wollen. Wir haben ja vier Gemeinden, die bis zur Kreisreform 1973 zum Kreis Backnang gehörten und dann auch das Kennzeichen BK hatten. Das sind rund 20.000 Bürger. Aber hier rufen nicht täglich 50 Leute an, die das unbedingt wollen.“

Das BK erfreut sich also nicht überall so großer Beliebtheit wie rund um Backnang. Auch im Landkreis Börde hat es nach der Freigabe der Altkennzeichen im November 2012 einen größeren Ansturm auf OC, WZL, WMS, HDL, OK und BÖ gegeben. Und die sind und bleiben einmalig. Denn im bayrischen OCHsenfurt, im hessischen WetZlar und in HeiDelberg hat man sich für andere Kombinationen entschieden und BOchum heißt zum Glück ja nicht Böchum.