Haldensleben l In den Gängen des Kinderschutzbundes auf dem Süplinger Berg herrscht Stille. Denn der eigentliche Trubel findet momentan im Vorraum statt. Die Mitarbeiter haben einen langen Tisch mit heißem Essen aufgestellt. Jeden Tag können sich die Familien, die der Kinderschutzbund betreut, dort leckere Gerichte für zuhause abholen.

„Es kommt jeweils nur eine Person in den Vorraum. Für die gesamte Familie können dann die Mahlzeiten in selbst mitgebrachte Tupperdosen eingepackt werden“, erklärt Marlis Schünemann, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in der Börde. Dazu gebe es auch täglich ein kleines Extra, wie Obst, eine Vorspeise oder ein Dessert. Ebenfalls versichert Schünemann, dass bei der Ausgabe selbstverständlich auf den Infektionsschutz geachtet werde.Handschuhe und der Mindestabstand sind daher ein Muss für das Team. Geliefert werden die Mahlzeiten, im Rahmen eines Kooperationsvertrages, vom Seniorenpflegeheim Hagenhof in Haldensleben. Um den Kontakt miteinander so weit wie möglich einzuschränken, wird das Essen kontaktlos hinter dem Gebäude auf eine Rampe geliefert.

Zwölf Familien mit 20 Kindern

Pro Tag sind es etwa zwölf Familien mit insgesamt über 20 Kindern, die dieses tägliche Angebot in Anspruch nehmen. Marina Lang, alleinerziehende Mutter, ist dankbar für dieses Angebot. „Es ist schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich muss meinem Sohn bei den Hausaufgaben helfen und mich nebenbei um den Haushalt kümmern. Da kommt mir das Mittagessen zum Abholen entgegen“, sagt sie. Der Kinderschutzbund hat sich zudem etwas für die kleinen Besucher überlegt.

„Die Kinder können sich einzeln in einer Ecke ein Buch oder ein Spiel mitnehmen“, sagt Schünemann. Die vielen Bücher kamen durch Spenden von Privatpersonen und mithilfe des Landratsamtes zusammen.

Gerade in Zeiten von Schul- und Kitaschließungen ist dieses Angebot eine gute Möglichkeit, den Kontakt zu den Familien aufrechtzuerhalten und zu schauen, wie Eltern und Kinder zuhause zurecht kommen und miteinander umgehen.

Steigendes Konfliktpotenzial

Denn das Konfliktpotenzial kann steigen, wenn eine Familie 24 Stunden am Tag zusammen ist. „Es gibt keine Ruhephasen und dadurch wird auch manchmal der Ton schroffer. Dann gehen mein Sohn und ich uns erstmal fünf Minuten aus dem Weg zum Runterfahren“, sagt Martina Lang. Kerstin Blak ist Mutter von zwei Kindern und ist auch der Meinung, dass es immer schwieriger wird, die Kinder bei Laune zu halten. „Mit meinem siebenjährigen Sohn muss ich jeden Tag raus, sonst ist er nicht ausgelassen“, fügt sie hinzu.

Doch morgen kommt der Osterhase. Ein Höhepunkt für die Kinder. Daher hat sich das Team des Kinderschutzbundes etwas Besonderes einfallen lassen. Neben einem ausgewogenem Essenspaket für die Feiertage werden auch die Kinder mit einem Osterpräsent beschenkt. „Die Ostertüten sind so süß gestaltet, die muss man einfach mal gesehen haben“, freut sich Schünemann. Die selbstgebastelten Tüten sind gefüllt mit Süßigkeiten, Nutella oder Marmelade, einem selbstgebackenem Hefe-Osterhasen und einem bunten Ei und sollen den Kindern zum Ostersonntag eine Freude bereiten.

Jetzt aktiv werden

Die Idee zur Essenausgabe hatte sie schon zu Beginn der Corona-Krise, sagt Marlis Schünemann. „Ich dachte mir: Jetzt müssen wir aktiv werden.“ Seit nun etwa drei Wochen laufen die Aktionen, die von den Familien große Zustimmung erfahren. „Es ist eine sehr gute Unterstützung“, sagt Kerstin Blak. Erfreut verkündet die Vorsitzende, dass es bisher auch noch keine Kritik gegeben hat. „Grundsätzlich läuft die Situation sehr friedlich, mit viel Rücksichtnahme und Verständnis ab“, resümiert Schünemann die tägliche Ausgabe.

Auch für die kommenden Wochen, bis ein Ende der Corona-Krise in Sicht ist, soll das Angebot mithilfe von Geldspenden so gut es geht, weitergeführt werden.