Haldensleben l „Ich bin froh, dass es dieses Angebot gibt.“ Es schwingt eine Erleichterung in dem Satz mit, und die ist Marina Lang auch anzumerken. Die alleinerziehende Mutter ist „Stammkundin“ beim Kinderschutzbund in Haldensleben. Aktuell kommt sie mit ihrem neunjährigen Sohn Leon wochentags täglich in die Einrichtung. Die beiden holen sich dort ihr Mittagessen ab, nutzen die Gelegenheit aber auch, um mal an die frische Luft zu kommen.

Zuhause versucht sie ihrem Sohn den Lernstoff zu vermitteln. Denn die Schulen sind geschlossen. Doch das sogenannte Home-Schooling sei alles andere als einfach, weiß die Mutter. „Die Motivation ist doch schon sehr gering.“ Da sie selbst krank ist, kommt sie schnell an ihre Grenzen, ist erschöpft. Da fehlt dann schon mal die Kraft, auch noch zu kochen.

„Es geht uns nicht darum, die Leute finanziell zu entlasten. Es geht uns um den sozialen Zusammenhalt und um Unterstützung für Eltern, die sie benötigen“, unterstreicht Marlis Schünemann. Die Vorsitzende des Kreisverbandes Börde des Kinderschuzbundes weiß, dass sie sich dabei auf ihre Mitarbeiterinnen verlassen. „Wir hatten bereits im ersten Lockdown das Angebot einer kostenfreien Mittagsmahlzeit und dabei gute Erfahrungen gemacht. Daher haben wir in der vergangenen Woche die Aktion neu initiiert“, erzählt Christin Paepke.

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Der Bedarf ist da

Der Bedarf sei da, weiß Schünemann. Eltern, deren Kinder nicht die Notbetreuung in den Kitas in Anspruch nehmen können, kümmern sich zuhause um den Nachwuchs. Ähnlich ist es auch bei Eltern von schulpflichtigen Kindern, die ebenfalls aufgrund der Pandemielage zuhause bleiben müssen. „Wenn neben der Kinderbetreuung vielleicht auch noch Home-Office ansteht, kommen viele schnell an ihre Grenzen“, so Marlis Schünemann weiter. Da bleibe das Mittagessen aus Zeitgründen mal schnell auf der Strecke. „Es herrscht ein riesen Druck in den Familien“, ergänzt Christin Paepke.

Von Montag bis Donnerstag bietet der Kinderschutzbund daher ein kostenfreies Mittagessen an. Möglich wird dies einerseits über eine Kooperation des Vereins mit der Seniorenhilfe Haldensleben. „Sie kocht für uns mit“, erzählt die Vorsitzende. Zwar muss der Kinderschutzbund die Mahlzeiten bezahlen, bekommt jedoch Vergünstigungen. Dass das Essen am Ende kostenfrei ausgegeben werden kann, sei andererseits Sponsoren zu verdanken, sagt Schünemann. „Vor allem mittelständische Unternehmen und Handwerker aus der Region unterstützen uns.“

Kleiderausgabe als neues Angebot

Darüber hinaus stellen die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes auch Lebensmittelpakete zusammen, die donnerstags in der Einrichtung abgeholt werden können. Auch dabei wird der Verein über zahlreiche Spenden unterstützt.

Jüngster Spross der Vereinsarbeit ist eine Kleiderausgabe. „Wir hatten sonst immer eine große Kleiderbörse organisiert. Doch die kann wegen Corona nicht stattfinden“, erklärt Christin Paepke. Als Alternative bietet der Kinderschutzbund nun eine Art Kleiderkammer an. „Die Bekleidungsgeschäfte sind geschlossen, der Bedarf ist aber da“, meint sie. Daher steht die Kleiderausgabe jedem offen, und zwar montags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr. Vorrangig werden Winterbekleidung und Schuhe für Kinder ausgegeben, aber auch Bücher und Spielsachen. „Wir bekommen dafür viele Spenden aus der Bevölkerung“, freut sich Marlis Schünemann. Weitere Spenden seien jedoch immer willkommen.

Seine Angebote für Kinder, Eltern und Familien erhält der Verein auch in Corona-Zeiten aufrecht, richtet sie aber speziell auf Familien aus, die zu Hause sind. Dazu zählen auch die kostenfreie Nachhilfe oder Beratungsgespräche. Allerdings benötigt es dafür eine vorherige Anmeldung.

„Ansonsten können wir vieles aus dem kurzem Wegklären, wenn die Eltern bei uns sind und sich das Mittagessen abholen“, versichert Christin Paepke. „Wir haben ein offenes Ohr für die Sorgen und helfen, wenn wir können. Und wenn es nur Kopien von Unterrichtsmitteln sind“, so Marlis Schünemann.