Altenhausen l Mehr als 360 Jahre schwebte der Baldachin rund eineinhalb Meter über dem Taufbecken in der Altenhäuser Trinitatiskirche, ehe er – dem Zahn der Zeit und den Elementen ausgesetzt – niedergestürzt ist.

Am 19. Juni wurde der Absturz von den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates festgestellt, nur zwei Tage vorher waren sie noch in der Kirche, da war alles in Ordnung, der Taufbaldachin hing an seiner meterlangen Befestigung an einer Kette von der Decke, berichtet Kirchenältester Dietrich Rusche.

An diesem Tag nämlich war Gebietsreferent Dr. Volker Seifert vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in der Kirche zu Gast, um ein Langzeitmessgerät für Luftfeuchte und Temperatur in der Kirche zu installieren.

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Er hatte festgestellt, dass die heißen Sommer der vergangenen beiden Jahre dem Gotteshaus zugesetzt hatten. Daten dazu sollten mittels des Gerätes in einer Langzeit-Feuchtemessung in der Kirche ermittelt werden.

Es ist reiner Zufall, dass diese Messung just begann, als kurz darauf der Taufdeckel durchbrach und herabstürzte.

Der Altenhäuser Taufbaldachin hing über dem Taufstein mit einer für die damalige Zeit üblichen Darstellung der biblischen Taufszene von Johannes, der Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens taufte. Bemerkenswert ist für Pfarrer Hans Heidenreich, dass Johannes, der menschliche Täufer in der historischen Darstellung viel größer dargestellt ist als Jesus, sein Täufling.

Der achteckige Deckel passt genau zur Größe des Taufbeckens und ist im Stil der Kanzel und des Altars bemalt, schwarz, mit Gold abgesetzt, die Säulchen ziegelrot und grau marmoriert. Ein Spruch verweist auf den Glauben und dem Erlangen der Seligkeit mit dem Erhalt der Taufe. Am Deckelrand befinden sich die Wappen der Familien Schulenburgs und Alvenlebens. Eine durch den Sturz freigelegte, bleistiftgeschriebene Inschrift im Holz verweist auf das Jahr 1659.

Weiterhin schwebte eine Taube als Symbol für den Heiligen Geist, der auf Jesus herabkam. Die Figuren und noch etliche weitere Teile des hölzernen, 1,42 Meter hohen Säulentempels sind beim Absturz rausgebrochen und rund um den Taufstein verteilt worden. Immer noch finden sich kleine, abgesplitterte Teile, die von den Kirchenräten in einem Karton gesammelt werden. Schließlich sollen sie bei einer Sanierung wieder zum Einsatz kommen.

Deutlich zu sehen sind die Spuren des Holzwurmes, der sich durch den Deckel des Taufbeckens gefressen hat. Deren oberste Abdeckung war nahezu in der Mittel durchgebrochen, konnte die Last des 98 Zentimeter Durchmesser zählenden Baldachins nicht mehr tragen. „Vermutlich durch die Trockenheit der vergangenen Jahre hat sich das Holz verformt, und Leimstellen sind gerissen“, sagt Hans Heidenreich. Auch der damals verwendete tierische Leim konnte die Konstruktion nach all der Zeit nicht mehr tragen.

Dietrich Rusche hat sich sofort nach dem Schadenfall ans Telefon gesetzt und Restauratoren zur Erstellung eines Kostenvoranschlages angesprochen. Denn der Gemeindekirchenrat ist sich einig, dass der Baldachin wieder über dem Taufbecken schweben muss.

Da die finanziellen Mittel für die Reparatur überhaupt nicht eingeplant sind, starten die Gemeindekirchenräte einen Spendenaufruf. Mindestens 3200 Euro werden benötigt, hat eine erste Kostenschätzung ergeben.

Wer sich an der Rettung des Taufbaldachins beteiligen möchte, kann Familie Rusche gegen Quittung Spenden zukommen lassen oder eine Überweisung bei der Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank, IBAN: DE40 3506 0190 1552 2990 15, BIC: GENODED1DKD tätigen.

Wichtig ist im Überweisungsfall die Angabe des Verwendungszwecks „Kirche Altenhausen“, damit die Spende der Sanierung des Taufbaldachins zugeordnet werden kann. „Alle, die sich an der Spendenaktion der Kirchengemeinde beteiligen, werden persönlich zur Wiedereinweihung eingeladen“, verspricht Pfarrer Hans Heidenreich.