Was bisher in Gottesdienst galt und was neu ist:

Was bisher in den Gottesdiensten galt:

- Angabe der Kontaktdaten der Gottesdienstbesucher

- Tragen des Mundschutzes beim Betreten und Verlassen

- Zahl der Mitfeiernden richtet sich nach Größe der Räume

- Hände desinfizieren

- Mindestabstand von 1,5 Metern

- Gemeindegesang nur Mundschutz und teilweise sollen Besucher auch ihr eigenes Gotteslob mitbringen

Was für Gottesdienste, die an Weihnachten stattfinden gilt:

- Mindestabstand muss zwingend eingehalten werden

- Gesangsverbot

- Anmeldepflicht von Gottesdienstbesuchern bei besonders großem Andrang

- Maskenpflicht auch am Sitzplatz

Haldensleben l Für Kirchen war dieses Jahr mit Herausforderungen bei ihrer Arbeit, bei Veranstaltungen und Einschränkungen bei Gottesdiensten verbunden. Wie haben die Haldensleber Kirchengemeinden das Jahr erlebt und was war besonders schwierig?

Für die Gemeindekirchenräte der evangelischen Kirche St. Marien sei gerade die Verantwortung und das Treffen von Entscheidungen kräftezehrend gewesen. „Ich bin Mitglied im Gemeindekirchenrat. Auf uns lag eine schwere Last, da wir für alles, was wir veranstaltet haben, in der Verantwortung standen und stehen. Bei Absagen müssen wir natürlich mit Frustration und negativen Rückmeldungen umgehen“, erzählt Pfarrer Matthias Simon.

Großer Arbeitsaufwand

Hinzu kommt, dass der Arbeitsaufwand bei der Organisation und Planung viel größer gewesen sei. Wie jetzt zu Weihnachten überlegten sich die Kirchenräte Varianten für Präsenz-Gottesdienste und für Alternativen. Dabei mussten natürlich immer die geltenden Hygienemaßnahmen beachtet und entsprechende Konzepte erarbeitet werden.

Nicht viel einfacher war die Jugendarbeit, die nur eingeschränkt möglich war, erklärt Simon. Für Konfirmanden habe es beispielsweise Online-Meetings gegeben. Aber auch für andere Jugendliche in der jungen Gemeinde wurden solche Treffen zum Austausch angeboten. „Da verliert man trotzdem einige, die nicht die technischen Möglichkeiten haben“, so der Pfarrer. Dennoch habe er positiv überrascht festgestellt, dass es bei Umfragen mehr Antworten gab. Auch das Feedback sei größer gewesen.

Bei älteren Gemeindemitgliedern seien solche digitale Angebote eine weniger sinnvolle Lösung, um die Menschen zu erreichen. Sie würden doch noch mehr die persönlichen Gespräche bevorzugen. „Wir bieten aktuell Besuchsdienste zu Geburtstagen an oder wenn das jemand wünscht“, erzählt Simon. Dieses Angebot sei jedoch nur als „Seelsorge an der Haustür“ möglich.

Andachtsblätter verteilt

Zudem seien bereits beim ersten Lockdown Andachtsblätter verteilt worden. Eine weitere Möglichkeit, um gerade älteren Menschen eine Freude zu bereiten, seien Besuche vor Seniorenheimen: „Erst kürzlich waren wir vor einer solchen Einrichtung und haben dort versucht, die Adventsbotschaft musikalisch zu vermitteln.“

Dennoch seien die Video-Andachten, die auf der Homepage der evangelischen Kirchen verfügbar sind, eine Lösung für die Teilhabe an Gottesdienste. „Wir sind momentan so betroffen wie noch nie, haben aber so gute technische Möglichkeiten wie noch nie“, erklärt Pfarrer Matthias Simon.

Bei der katholischen Kirchengemeinde St. Christopherus gilt es ähnliche Hürden zu meistern. Das Dokument für die geltenden Mindeststandards für Gottesdienste des Bistums Magdeburg umfasst insgesamt drei Seiten.

So war vor dem Lockdown beispielsweise das Singen von einigen Liedern mit Mundschutz möglich. Das wurde nun im Rahmen des Lockdowns verboten. Georg Heinze ist Mitglied im Pfarrgemeinderat und meint zu dem Verbot: „Wenn wir in der Kirche nicht singen können, ist das für viele abschreckend.“ Jetzt ganz darauf zu verzichten müssen, sei wirklich hart. Um das Infektionsrisiko weiter zu minimieren, seien in den Kirchen die Gesangsbücher eingesammelt worden. So mussten die Gottesdienstbesucher ihre eigenen Bücher mitbringen oder sie konnten nicht mitsingen.

Maske Problem für Gottesdienstbesucher

Für die Menschen sei auch der Mundschutz ein Problem. Vor dem Lockdown durfte dieser am Platz abgenommen werden. Jetzt muss er während des ganzen Gottesdienstes getragen werden. „Das fällt vielen schwer“, erklärt Heinze. Nicht zu vergessen sei, dass man auf alle aktuellen Entwicklungen reagieren müsse. Hinzu kommt noch der bürokratische Aufwand, der mit den Hygienemaßnahmen verbunden sei. „Wir müssen zu jedem Gottesdienst Listen für die Kontaktdaten der Besucher auslegen. Die müssen dann alle immer abgeheftet werden.“ Aber auch für die Abstandseinhaltung der vorgeschriebenen 1,5 Meter musste jede zweite Bank abgesperrt werden.

Gerade in Hinblick auf die Gottesdienste zu Weihnachten gehen die Grübeleien in der Kirchengemeinden weiter: Ob die Gottesdienste am Heiligen Abend, wie aktuell geplant als Open-Air Gottesdienst am Marktplatz und vor der Simultankirche, stattfinden können, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.