Bülstringen l „Was für eine schöne Kirche Sie hier haben“, meinte ein Besucher im Bülstringer Gotteshaus. Nur selten ist die Dreifaltigkeitskirche mit ihren beiden Emporen so gut besucht wie am Sonnabend zur Wanderung durch den Kirchenkreis zu den Orten, wo Martin Luther nicht war, die aber trotzdem bis heute von seinen Reformationsgedanken mitgeprägt wurden.

Aus zwei Himmelsrichtungen hatten sich Christen und interessierte Bürger auf den Weg gemacht - aus Wieglitz und Süplingen, um zu Fuß nach Bülstringen zu wandern. Während die Süplinger von Propst Christoph Hackbeil und Superintendent Uwe Jauch begleitet wurden, hatten sich Verbandsgemeindebürgermeister Mathias Weiß und Bülstringens Bürgermeister Sven Fahrenfeld unter die Gruppe gemischt, die aus Wieglitz kommend die Kanalpromenade zu Fuß eroberte.

Martin Luther kam ebenfalls viel herum in seiner Zeit, er liebte Musik und die Geselligkeit. Ihm hätte sicher gefallen, was die Bülstringer Kirchengemeinde vorbereitet hatte: Einen Becher Tee oder Glühwein und Gebäck sowie mit dem estländischen Bariton Urmas Pevgonen und dem polnischen Organist Karol Bialas einen tollen musikalischen Höhepunkt.

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Die singende Orgel

Unter dem Titel „Die Singende Orgel - Auf Luthers Spuren“ widmete Urmas Pevgonen sein Programm in der stimmungsvoll mit vielen Kerzen geschmückten Kirche dem Reformationsjahr 2017. Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Dietrich Buxtehude, Leon Boellmann und natürlich Martin Luther erklangen an der Orgel und im unverwechselbaren Bariton von Urmas Pevgonen, der alle Werke auch ankündigte. Da erklangen Luthers Lieder wie „Ach Gott vom Himmel sie darein“, „Die beste Zeit im Jahr ist mein“ und „Ein fester Burg ist unser Gott“. So mancher Zuhörer hätte gern mitgesungen bei den Weisen, die in den kirchlichen Gesangbüchern zu finden sind.

Urmas Pevgonen, gebürtig aus Tallinn, lebt heute in Berlin und tourt von dort aus mit seinen Konzerten durch die Bundesländer. 2009 entdeckte der Sänger seine Liebe zur Orgel und gab noch im selben Jahr sein Debüt mit „Die Singende Orgel“. Seitdem wird er von Organisten wie Karol Bialas begleitet, der in Bülstringem mit einer Improvisation, inspiriert aus diesem Nachmittag, seine Leidenschaft für dieses Genre zum Besten gab. Derzeit studiert der junge Pole noch Orgel-improvisation an der Universität der Künste in Berlin.