Beendorf l Es sei nicht zufällig ein „Fridays for future“-Freitag ausgewählt worden für die Einweihung der Vererdungsanlage am Ortsrand von Beendorf. Verbandsgeschäftsführerin Evelin Silbermann sagt es mit einem Schmunzeln, als die neue Anlage offiziell eingeweiht werden konnte.

Während an zahlreichen Orten in Deutschland für mehr Schutz des Klimas demonstriert wurde, konnten die Mitarbeiter des Abwasserzweckverbandes Aller-Ohre, Gemeinde- und Verbandsgemeindevertreter sowie Bauverantwortliche die klimafreundliche Anlage in Betrieb nehmen. „Die Anlage erzeugt kein Kohlendioxid und ist aufgrund der Beckenanlage ins Gelände integriert“, sagte Ingenieur Denis Gödecke, der das Vorhaben des Abwasserzweckverbandes von Anfang an begleitet hatte. Seit April wurde am Standort gebaut.

Die Begrünung lässt aufgrund fehlenden Regens ein wenig auf sich warten, doch er zeigte sich optimistisch, dass die Saat sofort aufgeht, wenn Regen fällt. Beim Ansäen sei ein Nassanspritzverfahren genutzt wird, der durch die Beimischung von Zellulose ein Abtragen der Saat verhindert. Die Zellulose sei von einem namhaften deutschen Lebensmittelhersteller und wird normalerweise Pudding zugesetzt, betonte Denis Gödecke.

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Vier Erdbecken

Die Anlage besteht aus vier Erdbecken, die komplett abgedichtet sind, so dass kein Boden und Grundwasser von außen eindringen kann. Auf mehreren Schichten kommt zuoberst eine Sandschicht, in die Schilfpflanzen eingesetzt sind.

Der Klärschlamm wird über Druckleitungen vom nahen Klärwerk aufgebracht. Das Wasser durchsickert die Bodenschichten und wird über Drainageleitungen erfasst und dem Reinigungsprozess des Klärwerkes wieder zugeführt.

Schilf eignet sich gleich mehrfach bestens für den Prozess, da es für eine starke Verdunstung sorgt, den Schlamm in Bewegung hält, für ein Offenhalten der Fließwege sorgt und das Wurzelwerk Sauerstoff abgibt. Durch den Wasserentzug wird der Schlamm so kompakt, dass die Oberfläche im Schilfbeet durchschnittlich 12 bis 15 Zentimeter pro Jahr anwächst. Es wird davon ausgegangen, dass auf diese Weise die Anlage zehn bis zwölf Jahre genutzt werden kann, ehe bei einer Schlammhöhe von etwa einem Meter ein Trocknungs- und Ruheprozess beginnt, dem sich mit das Ausfahren und Abtragen anschließt.

Der einstige Schlamm bildet dann ein humusähnliches, erdiges Produkt, beschreibt der Planer. Dann sei der Schlamm auf ein Minimum reduziert, sagte Denis Gödecke. Und alles, was dafür gebraucht wird, seien Licht und Luft aus der Natur.

Mehr als 17.000 Pflanzen

Er bat die Gäste bei einem Rundgang zu den Becken, eine Schnüffelprobe zu nehmen, denn alle Bedenken, was die Geruchsemission betrifft, könnten auch beim Aufdrehen der Druckleitung am besten zerstreut werden. Die Becken sind trotz ihrer Kunststoffabdichtung und obwohl noch eine Einfriedung geplant ist zu allen Seiten so angelegt, dass Tiere, die sich hineinverirren auch wieder herauskommen. Und so ganz nebenbei ziehen die Pflanzen auch allerlei Vögel und Insekten an, die hier einen natürlichen Lebensraum finden können. Insgesamt füllen 17.160 Schilfpflanzen die vier Becken der Klärschlammvererdung. Die Klärwärter des Verbandes können die wartungsarme Anlage selbst händeln.

Auch wenn es eine ganze Zeit gedauert hat, bis die Anlage ihrer Fertigstellung entgegensehen konnte - genau genommen schon seit 1999 mit der Gründung des Abwasserzweckverbandes - sei kontinuierlich auf eine solche Anlage hingearbeitet worden.

„So wie es gelaufen ist, ist es eine Vorzeigemaßnahme, unsere Maßnahme, unser Verdienst“, sagte Evelin Silbermann. Sie lobte ihre Mitarbeiter, die drei am Bau beteiligten Firmen, das Magdeburger Ingenieurbüro und hob die gute Zusammenarbeit mit dem Beendorfer Gemeinderat sowie dem Eigentümer der Fläche hervor.

Die geplanten Kosten von 650.000 Euro hat der Verband allein aufgebracht und finanziert. Allerdings liegt die endgültige Schlussrechnung noch nicht vor.