Haldensleben l Fast 15 Jahre hat es gedauert, bis Ameos-Vorstandsvorsitzender Dr. Axel Paeger den Neubau der Akutpsychiatrie am Standort Haldensleben feierlich einweihen konnte. Elf Jahre lang liefen die Vorbereitungen und Verhandlungen, bevor im Oktober 2014 mit dem symbolischen Spatenstich der Neubau begonnen werden konnte. Nun, dreieinhalb Jahre später, ist das Schmuckstück Paegers ganzer Stolz.

„Das war die längste Zeit, die Ameos um einen Teilneubau gekämpft. Das zeigt, wie zäh wir sein können“, meint der Vorstandsvorsitzende und plaudert ein wenig aus dem Nähkästen, warum es mit dem Neubau so lange gedauert hat. Kurz gesagt – es ging ums Geld. Dieses Problem konnte nach elf Jahren gelöst werden, das Land schoss 16,5 Millionen Euro zu, Ameos selbst hat 4 Millionen Euro in die Baumaßnahme investiert. Die Gesamtsumme ist aber nicht allein in den Neubau der Akutpsychiatrie geflossen. Aus der ehemaligen Wäscherei ist ein modernes Physio- und Ergotherapiezentrum geworden und wird bereits seit Anfang 2017 genutzt. Und das Haus 105 ist komplett zu einer Gerontopsychiatrie umgebaut worden. „Fertigstellung ist im August“, so Paeger.

Bisland rund 21 Millionen Euro investiert

Er spricht von zweckmäßigen Häusern mit hervorragenden Therapie- und Unterbringungsplätzen für die Patienten. Für die Mitarbeiter verbessern sich die Arbeitsbedingungen. Es sei für ihn schon immer beeindruckend gewesen, wie in Haldensleben die Mitarbeiter mit einem „unglaublich hohen Engagement das Beste für die Patienten herausgeholt haben“ – trotz der schlechten baulichen Voraussetzungen, wie Paeger betont.

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Mit dem Neubau habe Ameos am Standort Haldensleben seit der Übernahme der Psychiatrie im Jahr 2003 und der Übernahme der Somatik zehn Jahre später bislang gut 21 Millionen Euro investiert, erklärt der Vorstandsvorsitzende. „Das können wir uns grundsätzlich an anderen Standorten nicht leisten“, hebt Paeger den besonderen Stellenwert Haldenslebens hervor und unterstreicht, dass das Schweizer Unternehmen mehr investiere als es an Überschüssen erwirtschafte. Und: „Wir haben noch nie Gewinne ausgeschüttet!“

Landrat Hans Walker (CDU) lobt das Engagement von Ameos in Haldensleben. „Sie schaffen Bedingungen, um Menschen vernünftig betreuen zu können“, spricht auch er die Investitionen in die Psychiatrie und in das Krankenhaus auf der gegenüberliegenden Seite der Kiefholzstraße an.

Vorher auf drei Häuser verteilt

Dr. Ulrich Sandmann, Chefarzt der Akutpsychiatrie, zitiert spontan Joachim Witts „Goldener Reiter“: „,An der Umgehungsstraße, kurz vor den Mauern unserer Stadt, steht eine Nervenklinik, wie sie noch keiner gesehen hat.‘ Das stimmt, so eine Klinik hat noch keiner gesehen“, ist er vom Neubau, der von den Patienten bereits am vergangenen Wochenende bezogen wurde, völlig begeistert. „Vorher waren wir auf drei Häuser aufgeteilt. Nun sind wir unter einem Dach“, erklärt er.

55 Betten stehen im neuen Gebäude zur Verfügung. Sie sind aufgeteilt auf den geschützten Bereich, in dem psychiatrische Notfälle behandelt werden. „Auch für die Entgiftung von Konsumenten illegaler Drogen wird der geschützte Bereich genutzt. Aber das spielt keine große Rolle in unserer Region“, so Sandmann weiter. Im offenen Bereich werden Alkohol- und Medikamentenabhängige entgiftet und nachbehandelt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die psychiatrie-soziotherapeutische Behandlung von Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in ihrer Fähigkeit reduziert sind, den Lebensalltag eigenständig zu bewältigen.

Zehn Betten mehr als bisher bekommt die Gerontopsychiatrie mit dem Umbau. Die Patienten würden hier künftig auf zwei Stationen á 20 Betten betreut, erläutert Chefarzt Dr. Johannes Haseke – auf einer an Demenz Erkrankte, auf der anderen ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie. Zudem bietet das Haus Platz für verschiedene Therapien, für Sozialarbeit und Angehörigenarbeit.

Haseke unterstreicht, wie wichtig die Gerontopsychiatrie, die sich gezielt mit älteren Menschen und deren psychiatrischen Erkrankungen beschäftigt, in Zukunft werden würde: „Die Bevölkerung wird immer älter. Im Jahr 2050 wird es doppelt so viele Menschen geben, die älter als 65 Jahre sind, als Menschen unter 20.“ Da schon heute etwa 25 Prozent der Über-65-Jährigen unter psychischen Erkrankungen leiden würden, erwartet Haseke eine Zunahme von Menschen, die an Demenz erkranken oder unter Depressionen leiden. Daher sei die Erweiterung der Gerontopsychiatrie für ihn ein Schritt in die richtige Richtung.