Haldensleben l Auf den Tag genau ist David Kayser heute seit einem Jahr und 20 Tagen Direktor des Ameos Klinikums Haldensleben. Anlass genug für den 30-Jährigen, ein Resümee zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Nach wie vor laute seine Intention, das Klinikum weiterzuentwickeln und langfristig zu erhalten.

Die Voraussetzungen dafür seien vor Jahresfrist nicht einfach gewesen, nimmt David Kayser kein Blatt vor den Mund. „Ich habe hier eine ziemlich erschreckende Situation vorgefunden“, resümiert er. „Die Grundstimmung unter den Mitarbeitern war alles andere als euphorisch, und wir sind draußen von der Bevölkerung recht negativ wahrgenommen worden.“ Dies hat er ändern wollen, möchte den Menschen vor Ort „ihr Krankenhaus“ geben. „Denn dieses Gefühl habe ich nicht vorgefunden. Doch wir sind auf dem Weg dorthin und wollen an unserem Ruf arbeiten“, macht er deutlich.

Komplettabriss des Bettenhauses

Ein Schritt in diese Richtung ist für ihn das, was 2018 erreicht worden ist. Dazu zählt für den Krankenhausdirektor die Fertigstellung und die Einweihung der neuen Akutpsychiatrie sowie der Abschluss des Umbaus inklusive Modernisierung der Gerontopsy- chiatrie. Auch inhaltlich habe sich etwas im Klinikum für Psychiatrie getan. „Wir haben das Konzept der Erwachsenenpsychiatrie so überarbeitet und gebündelt, dass nun intensivere und verlässlichere Therapien möglich sind“, berichtet Kayser. Für ihn steht nach den Baumaßnahmen auf dem Gelände fest: „Wir zählen zu den fünf schönsten Psychiatrien in Deutschland!“.

Doch es soll noch weiter investiert werden. „Wir planen den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Bedarf ist da, die Einrichtung hat die größte Auslastung im Ameos Klinikum für Psychiatrie“, sieht er die Notwendigkeit eines Neubaus.

Auch auf der anderen Straßenseite, am Krankenhaus für Somatik, ist im vergangenen Jahr gebaut worden. So ist ein neuer Parkplatz entstanden – als Vorbereitung für weitere Baumaßnahmen. Denn geplant war auch, den Haupteingang auf die Vorderseite zu verlegen sowie das alte Bettenhaus zurückzubauen und den Rest davon nach einer Sanierung für Verwaltung und einen zentralen Umkleidebereich nutzen zu wollen. Doch dieses Vorhaben ruht zur Zeit. Ursprünglich waren für den Umbau 4,5 Millionen Euro kalkuliert worden, die eingegangenen Angebote ließen die Summe auf 6,5 Millionen Euro anwachsen. Zu teuer – Ameos zog die Notbremse und stoppte das Projekt vorläufig.

Haupteingang wird verlegt

An der Verlegung des Haupteingangs hält das Unternehmen weiter fest. Nur nicht mehr am alten Bettenhaus. „Wir planen jetzt den Komplett- abriss“, erklärt Kayser. „Da wir dann keine neuen Umkleiden bekommen, werden wir die alten sanieren. Und für die Verwaltung wird sich sicherlich auch eine Lösung finden.“ Für die Planänderungen fehlt allerdings noch die Zustimmung aus dem Sozialministerium.

Zudem möchte der Krankenhausdirektor ganz nah dran sein an den Mitarbeitern. „Ich habe im vergangenen Jahr auf den einzelnen Stationen hospitiert. Denn ich kann nichts leiten, wenn ich nicht weiß, wie es funktioniert“, sagt er. Das sei gut angekommen, schätzt er ein. In den Gesprächen hat David Kayser auch Kritisches vernommen. „Dabei ging es aber in erster Linie darum, was für die Patienten verbessert werden kann.“

Diese Kritik nimmt er durchaus ernst. „Wir wollen in diesem Jahr die Unterbringung für die Patienten verbessern“, plant er. Die Fernsehgeräte und Wlan-Versorgung sollen erneuert beziehungsweise verbessert werden. „Da sind wir vom aktuellen Standard weit entfernt“, ist der Direktor überzeugt.

Anonymer Briefkasten aufgestellt

Um auch das Personal mitzunehmen, wenn es um die Weiterentwicklung des Hauses geht, hat Kayser regelmäßige Info-Veranstaltungen für die Belegschaft eingeführt. Damit soll die Kommunikation verbessert werden. Auch einen anonymen Briefkasten hat er aufstellen lassen, in den die Mitarbeiter Zettel mit Fragen und Meinungen einwerfen können. Die sollen in der kommenden Woche ausgewertet werden. „Ich bin gespannt, was dabei herauskommt“, ist Kayser neugierig.

Ebenso neugierig ist er auf die neue Krankenhausplanung des Landes, die in diesem Jahr wieder aufgestellt werden soll. Dabei können Konzepte eingereicht werden, wie einzelne Krankenhäuser sich über ihr „Standardangebot“ hinaus weiter entwickeln können. Dafür hat David Kayser bereits konkrete Ideen – wie die von einer eigenen Klinik für Psychosomatik. „Wir denken darüber hinaus auch über die Einrichtung jeweils einer Abteilung für Palliativmedizin, für die Kinderheilkunde und für die Gynäkologie nach. Ob das realisierbar ist, muss erst noch besprochen werden“, wagt Kayser einen vorsichtigen Ausblick in die Zukunft, stellt aber auch eines unmissverständlich klar: „Eine Geburtenstation wird es in Haldensleben definitiv nicht mehr geben!“ Dafür seien die Geburtenzahlen nach wie vor nicht ausreichend.