Rätzlingen l In der jüngsten Sitzung des Rätzlinger Ortschaftsrates fragte Peter Fäsche, Einwohner von Rätzlingen, zum wiederholten Mal nach, ob für die Everinger Straße, die Landesstraße (L) 20, eine Geschwindigkeitsreduzierung angeordnet werden kann.

Sein Vorschlag war es, einen Verkehrsteiler dort zu installieren, um Raser auszubremsen. Fäsches Wohnhaus liegt nicht nur direkt an der Everinger Straße, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich auch die Zufahrt zum Stanitzenweg, der vor allem durch landwirtschaftliche Fahrzeuge genutzt wird. Laster und landwirtschaftliche Fahrzeuge würden dort im hohen Tempo langbrettern, so dass es laut scheppert, sagt er.

Belastung durch Lärm und Dreck

„Das Stroh fliegt überall herum, weil die Fahrer der Lkw und Traktoren keine Planen über ihre Anhänger ziehen. Das müssten sie aber laut Transport- und Ladegesetz tun. Dazu sind sie, wenn sie zum Beispiel Stroh fahren, verpflichtet“, sagte Fäsche. Er hatte schon in der Vergangenheit auf die kontinuierlichen Transporte von Stroh, Heu, Maishäcksel, Mist, Klärschlamm und Rückständen aus den Biogasanlagen, die ohne Ladungssicherung – also ohne Plane – fahren, aufmerksam gemacht.

Rätzlingens Bürgermeister Wilhelm Behrens (WG Sport) erklärte, dass die Sperrkommission des Landkreises Börde, in der die Stadt Oebisfelde-Weferlingen als ständiges Mitglied durch Hannelore Pieper vertreten wird, sich zum Anliegen der Geschwindigkeitsreduzierung und der Querungshilfe in der Everinger Straße abschließend beraten hat.

Kein Unfallschwerpunkt

Aus dem Protokoll der Kommission las der Ortschef vor: „Beschränkungen der Geschwindigkeit außerhalb und innerhalb geschlossener Ortschaften sind nur bei einer erhöhten Gefahrenlage für Verkehrsteilnehmer zulässig, die sich bereits in einer Unfallstatistik zeigt.“ Die L 20 in der Ortslage Rätzlingen sei demnach kein Unfallschwerpunkt.

„Messungen, die von der Polizeibehörde durchgeführt wurden, haben keine Auffälligkeiten ergeben“, erklärte Behrens. Auf Grund dessen, dass die Everinger Straße nicht zu den Unfallschwerpunkten im Landkreis zählt, sei zum jetzigen Zeitpunkt auch die Schaffung eines Verkehrsteilers oder einer Querungshilfe seitens des Straßenbaulastträgers nicht vorgesehen.

Messungen unauffällig

Ausnahmen seien nach der Verordnung vom 3. Oktober 2017 zur erleichterten streckenbezogenen Anordnung von Tempo 30 vor Kindertagesstätten, Schulen und anderen sozialen Einrichtungen an innerörtlichen Hauptstraßen möglich. Aber das sei an dieser Straße nicht gegeben.

Fäsche wollte wissen, ob eine Reparatur der Fahrbahn vorgesehen ist. „Der Zustand der Straße ist katastophal“, betonte Fäsche und machte darauf aufmerksam, dass sich die Kindertagesstätte (Kita) nicht weit von der L 20 befindet.

„Die Kita ist über eine etwa 130 Meter lange Zuwegung mit sich anschließenden Parkmöglichkeiten erreichbar. Die Kindereinrichtung liegt somit nicht direkt an der Hauptverkehrsstraße“, heißt es im Protokoll.

Problem wird ins Protokoll aufgenommen

Peter Fäsche hakte nach und wollte wissen, ob vielleicht stationäre Blitzer installiert werden können. Darauf hatte Behrens keine Antwort.

„Unsere Schulkinder, die aus der Lindenstraße kommen, müssen jeden Tag die Hauptstraße überqueren. Da kann man als Erwachsener schon Panik kriegen, weil man schwer den Verkehr abschätzen kann“, beschrieb Melanie Hars, Bewohnerin von Rätzlingen. Sie betonte, dass sie nicht verstehen kann, warum es in Rätzlingen keine 30-Zone vor der Schule gibt.

Sorge um Kinder

In Bösdorf gäbe es inzwischen die Tempo-30-Schilder. „Hier in Rätzlingen, wo viele Kinder allein zur Schule gehen und sich kaum ein Autofahrer an die 50 Kilometer pro Stunde hält, wird das immer wieder abgeschmettert“, ärgerte sich die mehrfache Mutter.

Behrens erklärte, dass vor der Kita in Bösdorf die Eltern an der L 24 aussteigen und ihre Kinder in die Einrichtung bringen. „Die Kinder aus den umliegenden Orten werden mit dem Bus bis auf das Schulgelände oder von den Eltern bis auf den Parkplatz vor die Schule gefahren. Aber wir werden das Problem der Straßenüberquerung ins Protokoll aufnehmen“, sagte Behrens.