Erxleben l Nach Ausflügen durch Europas Musikgeschichte in den vergangenen zwei Konzerten der Sommermusikreihe „Frau Musica lädt ein“ in der Schlosskirche landete das dritte Konzert im 500. Jahr des Reformationsjubiläums bei Martin Luther. Organist Stefan Nusser hatte in Ermangelung einer Orgel in der Schlosskirche, die bekanntermaßen derzeit umfassend restauriert wird, seine eigene, digitale Orgel mitgebracht.

Der Vorteil: Das Publikum konnte dem Musiker bei seinem virtuosen Spiel direkt auf die Finger schauen. Neben klassischen Stücken der kirchlichen Choralmusik in Bearbeitung zeitgenössischer Komponisten, hatte Stefan Nusser auch sogenannte jazzverwandte Choralbearbeitungen für die Orgel von Volker Bräutigam mitgebracht. Damit entlockte der Organist aus Dessau seinem Instrument die für eine Orgel doch sehr ungewöhnlichen Töne, die ihren Reiz jedoch gerade durch das Ungewöhnliche ausmachten.

Informationen zur Orgelsanierung

Immer wieder landete Stefan Nusser bei Martin Luther, dessen Verse von Komponisten wie Johann Sebastian Bach oder auch Johann Bernhard Bach aufgegriffen worden. Sein Konzert unterbrach der promovierte Kirchenmusiker immer wieder für kurzweilige Plaudereien mit dem Publikum. So erklärte er die Bespielbarkeit seiner mobilen Orgel mit den vier Lautsprechern, verglich die Funktionsweise durch die Schiebe-Register und Pedalklaviatur mit einer Hammond-Orgel. Außerdem machte sich der Musiker über seine selbstgebaute Orgelbank, die er für sein Spiel mitgebracht hatte, lustig. „So sieht es aus, wenn ein Organist eine Bank baut“, flachste er. Sie sei ein wenig wackelig, erfülle aber durchaus ihren Zweck.

Bilder

Die Bankgeschichte kam nicht von ungefähr. Zuvor hatte Hildegard Bernick vom Förderkreis Schlosskirche bei der Begrüßung einige Ausführungen zur aktuellen Orgelsanierung gemacht und war dabei auch auf die Suche nach einer zur Schlosskirche passenden Orgelbank eingegangen. Denn „ein passendes Stück zu finden, ist nicht so einfach“ wie man sich das vielleicht vorstellt“, so das Vorstandsmitglied.

Wie immer bat Hildegard Bernick im Anschluss an das Konzert um Spenden für die Orgelsanierung. Von den 360.000 Euro Gesamtkosten seien gerade mal 125.000 Euro finanziert, gab sie eine Zwischenbilanz. Und der weitaus kostspieligere Teil des Ersatzes fehlender Pfeifen stünde noch bevor. Darum lud sie die Zuhörer nochmals ein, sich an den Erxleber Orgelpatenschaften zu beteiligen. Die gebe es in allen Preiskategorien und hinterlasse für alle Paten eine bleibende Erinnerung.

Stefan Nusser begrüßte Hildegard Bernick an diesem Nachmittag nicht nur als Organisten, sondern besonders herzlich auch als Orgelsachverständigen, der von Anfang an das Bemühen um die selten gewordene Herbst-Orgel in der Erxleber Schlosskirche unterstützt hatte.