Haldensleben l Sorgen und Probleme junger Menschen zum Gesprächsthema in der Politik machen, das ist eine der Aufgaben des Kreisschülerrates. Und diesem Ziel sind die Schülervertreter des Landkreises Börde nun ein ganzes Stück näher gekommen.

Bei einem Treffen mit Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) und dem stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden Guido Henke (Die Linke) übergab ihnen Kreisschulsprecher Felix Schopf eine vom Kreisschülerrat erarbeitete Resolution. Auch Iris Herzig, stellvertretende Landrätin des Landkreises Börde, hörte sich an, was der Schülervertreter zu sagen hatte. „Es ist wichtig, die Politik auf unsere Probleme aufmerksam zu machen, damit gemeinsam Lösungsansätze gefunden werden können“, sagte der 15-jährige Schüler der Gemeinschaftsschule in Langenweddingen.

Kernprobleme sind Praktika und Technik

Vor wenigen Wochen hatte der Kreisschülerrat mit Vertretern der Wirtschaft, des Landesschulamtes, des Ministeriums für Bildung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zusammengesessen. Bei diesem Treffen kristallisierten sich zwei Kernprobleme heraus: die Nachfrage nach Praktika von Seiten der Gymnasien und der Umgang mit Technik an Schulen. Diese wurden nun in Form der Resolution zu Papier gebracht.

Felix Schopf erklärte, dass die Berufsbildung an Gymnasien ausbaufähig sei, da bei Wahl einer Ausbildung nach Schulabschluss die Praxiserfahrung fehle. Es gäbe zu wenig Praktika, die auf das Berufsleben vorbereiten. „Der Fokus muss vom Studium weg auf die Ausbildung ausgeweitet werden“, forderte er.

Berufsbildung soll gestärkt werden

Laut Gabriele Brakebusch sei es der falsche Ansatz, an Gymnasien mehr Berufsbildung im Hinblick auf Ausbildungsberufe anzubieten. Schon seit einiger Zeit könne man eine Schieflage bemerken, denn in zunehmendem Maße würden sich Abiturienten für eine Ausbildung statt eines Studiums entscheiden. „Die Sekundarschulen müssen gestärkt werden“, sagte sie. Die Dinge, die dort angeboten werden müssten, sollten nicht weiter auf die Gymnasien verlagert werden. „Ein Gymnasium sollte in erster Linie auf ein Studium vorbereiten.“ Die Landtagspräsidentin sprach sich jedoch auch für mehr Praktika aus. „Praktika sind immer gut“, sagte sie.

Auch Guido Henke unterstützte das Anliegen des Kreisschülerrates. „Unsere Welt wird immer bunter und unübersichtlicher“, stellte er fest. Daher sei es wichtig, eine bessere Orientierung für die Zukunft zu schaffen.

Technische Ausstattung ist veraltet

Der zweite Punkt der Resolution betraf die technische Ausstattung der Schulen. „Teilweise ist die Computertechnik veraltet, defekt oder Lehrer können sie nicht nutzen, weil sie sich nicht mit ihr auskennen“, berichtete Felix Schopf. An der evangelischen Sekundarschule in Haldensleben gäbe es eine Arbeitsgemeinschaft, in welcher Schüler ihren Lehrern Tipps und Tricks zum Umgang mit der Technik gäben. So etwas sei die große Ausnahme, jedoch auch für andere Schulen denkbar.

Außerdem wünschten sich die Schüler eine größere Auswahl an Computerprogrammen. So sollten neben Windows auch Linuxbasierte Betriebssysteme und Open-Source-Programme zum Einsatz kommen.

Das Problem der veralteten Ausstattung sei bekannt und für die Landkreise ein „riesiger Brocken“, wandte Gabriele Brakebusch ein. „Das ist ein rasanter Wettlauf, der kaum zu schultern ist“, sagte sie.

Budget setzt Grenzen

Dem stimmten auch Guido Henke und Iris Herzig zu. „Es muss klar sein, was will ich wie erreichen, um die Kompetenzentwicklung von Schülern zu fördern“, betonte Iris Herzig. Dies sollte Teil des Medienpädagogischen Konzeptes einer Schule sein. Man sollte sich aber auch bewusst machen, was Schule leisten kann und wo Schluss ist. Denn schließlich hätte jede Schule nur ein begrenztes Budget. „Wenn die Fähigkeiten der Schüler weit über die Schule hinausgehen, dann sollte man das auch nutzen“, fand Iris Herzig.

Inwiefern Lösungen für die Belange der Schüler gefunden werden, wird die Zukunft zeigen. Gabriele Brakebusch versicherte, dass die Probleme auch ihr ein Anliegen seien. „Ich verspreche, dass ich das weiter begleiten werde“, sagte sie.