Haldensleben l Für die 68 Mitarbeiter des Revierkriminaldienstes (RKD) des Polizeireviers Börde ist das Jahr 2019 sehr arbeitsintensiv gewesen. Zu diesem Schluss kommt Kriminalrat Sven Miehle. Mit genau 9488 Fällen haben er und seine Kollegen es im vergangenen Jahr zu tun gehabt. Das sind 1041 mehr als im Vorjahr und entspricht einer Steigerung von gut 12 Prozent.

„Mehr Straftaten heißt mehr Arbeit und das heißt mehr Belastung für die Kollegen“, sieht Miehle auch einen Grund, weshalb die Aufklärungsquote gegenüber dem Vorjahr in 2019 um 2,5 Prozent gesunken ist. Denn mehr Mitarbeiter hat der Kriminalrat nicht bekommen. „Wir sind aber arbeitsfähig“, betont Miehle.

Zwei Schwerpunkte beim Straftaten-Zuwachs haben sich für 2019 herauskristallisiert. Zum Einen ist die Zahl der Diebstähle deutlich gestiegen – um 454 auf 3455. Besonders häufig seien Beutezüge auf Baustellen, insbesondere an Autobahnen und im Straßenbau, gewesen, so Miehe weiter. Im Prinzip alles was nicht bewacht werden könne, habe sich zu bevorzugten Tatorten entwickelt. Und bei der „Einkaufsliste“ sind die Langfinger nicht wählerisch. „Das geht von Baumaterial über Kraftstoff und Baumaschinen bis zu Stromkabeln“, zählt Sven Miehle auf. Und die Tätersuche ist nicht einfach. „Diese Straftaten finden im Freien statt. Da bleiben meist kaum Spuren, und auch Zeugen sind da eher selten.“

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Noch rasanter zugenommen haben Betrugsdelikte. Um satte 28 Prozent sind sie gestiegen, von 1013 Fällen in 2018 auf 1298 Fälle in 2019. „Das Internet macht es Betrügern leicht“, weiß Miehle. Und den Ermittlern schwer. „Meist wird mit erfundenen Accounts gearbeitet, die Täter sitzen oft im Ausland. Da ist eine Strafverfolgung schwierig. „Sollten Täter in einem anderen Bundesland leben, geben wir die Ermittlungen an die dort zuständigen Behörden ab – auch wenn die Straftat bei uns angezeigt wurde. Sie bleibt damit dann aber als ungeklärt in unserer Statistik“, erklärt der Kriminalrat. Entsprechend „dünn“ sieht dann auch hier die Aufklärungsquote von 56,7 Prozent aus.

Mehr Rauschgiftdelikte

Zugenommen hat auch die Rauschgiftkriminalität. Sie liegt 2019 bei 467 Fällen, 2018 bei 437 Fällen. Sven Miehle sieht das aber positiv. „Das zeigt, dass wir mit unserem höheren Kontrolldruck Erfolg haben und wir mehr Straftäter aus dem Verkehr ziehen. Denn bei diesen Delikten wird der Täter ja gleich mitgeliefert“, meint er. Daher komme auch die hohe Aufklärungsquote von 94,6 Prozent.

Gesunken ist dagegen die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte. Besonders die Anzahl Körperverletzungen haben laut Miehle abgenommen – von 914 auf 805. Davon sind 92,7 Prozent aufgeklärt worden.

70 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hat der RKD 2019 erfasst, das sind 4 Fälle weniger als im Jahr zuvor. In Sachen Mord bleibt die Börde für 2019 ein unbeschriebenes Blatt, bei den Straftaten gegen das Leben hat die Polizei es mit einem versuchten Totschlag und einer fahrlässigen Tötung zu tun bekommen.

Unterm Strich, so resümiert Sven Miehle, sei dieBörde ein sicherer Landkreis und kein Kriminalitätsschwerpunkt. „Im Vergleich mit anderen Landkreisen stehen wir Gott sei Dank gut da“, so sein Fazit.