Wedringen l Herbert Moldenhauer ist enttäuscht. Als Anwohner der Wedringer Dorfstraße empfindet er den Verkehr dort als Belastung. Tagein, tagaus rauschen die Fahrzeuge an seinem Wohnzimmer vorbei. Trotz Schallschutzfenstern sei an Ruhe nicht zu denken.

Außerdem gehen aus seiner Sicht gerade mit den Lkw Gefahren einher. Denn die Dorfstraße verfügt über vier enge Kurven. Weil Lastwagen dort nicht aneinander vorbei passen würden, würden sie häufig auf den Gehweg ausweichen. Das bedeute nicht nur eine Gefahr für Passanten. An Hecken und Hauswänden habe es bereits mehrfach Beschädigungen gegeben.

Anwohner unterzeichnen Antrag

Deshalb hat sich Herbert Moldenhauer an den Landkreis Börde gewandt. Er beantragte ein Fahrverbot für Lastwagen. Viele weitere Anwohner unterzeichneten eine Liste und unterstützen auf diese Weise den Antrag. „Das hätten sie nicht so spontan getan, wenn der Verkehr nicht auch in ihren Augen ein Problem wäre. Überzeugungsarbeit musste ich nicht leisten“, betont Herbert Moldenhauer.

Daraufhin ließ der Landkreis an drei aufeinander folgenden Tagen den Verkehr zählen und aus den Werten den durchschnittlichen Lärmpegel berechnen. Mittlerweile liegt das Ergebnis vor: Pro Tag waren zwischen 2332 und 2880 Fahrzeuge auf der Dorfstraße (Kreisstraße 1106) unterwegs – darunter 287 bis 333 Lkw. Rechnerisch ergibt sich dadurch eine Lautstärke von 61,1 Dezibel am Tag und 51,9 Dezibel in der Nacht. Das liegt unter den Grenzwerten. Diese betragen tagsüber 72 und nachts 62 Dezibel.

Jürgen Till, der Fachdienstleiter Straßenverkehr des Landkreises Börde, teilt dazu mit: „Es war zu entscheiden, ob verkehrsrechtliche Maßnahmen zur Vermeidung von Lärm zwingend geboten sind (...).“ Neben einem Lkw-Fahrverbot seien grundsätzlich auch andere Ansätze denkbar, etwa ein anderer Straßenbelag, der den Lärm verringert, eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder eine Ampel. Doch die Dorfstraße befinde sich in gutem Zustand. Und: „Die ermittelten Lärm-Werte für die momentan angeordnete Geschwindigkeit (50 Stundenkilometer für alle Fahrzeuge) werden sowohl tags als auch nachts nicht überschritten und rechtfertigen das geforderte Fahrverbot und mögliche Geschwindigkeitsbeschränkungen für Lkw nicht“, so Till

Keine Alternativroute bei Fahrverbot

Bei einem Fahrverbot stünde auch keine Alternativroute zur Verfügung: „Die mögliche Führung über die Ortslage Neuenhofe könnte dort zu einer höheren Belastung führen und ähnliche Forderungen der betroffenen Gemeinde ergeben und ein Erfolg wäre nicht zu verzeichnen “, schreibt Till. Auf diese Weise würde das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert.

Der Fachdienstleiter räumt ein, dass der Verkehr in den vergangenen Jahren allgemein deutlich zugenommen habe. Vielerorts würden Menschen das als Einschränkung ihrer Lebensqualität empfinden.

Aber die Wedringer Dorfstraße sei auch kein Unfallschwerpunkt. Zwar habe es in den vergangenen Jahren mehrere Vorfälle gegeben. Hauptursachen seien aber nicht die Geschwindigkeit und nicht der Lkw-Verkehr gewesen. Daher lautet Jürgen Tills Fazit: „Der Straßenverkehrsbehörde liegen keine objektiv zwingenden Gründe vor, die eine verkehrsrechtliche Anordnung für ein Fahrverbot rechtfertigen, so dass diese verkehrsrechtliche Anordnung nicht zulässig ist.“

Aus Sicht von Herbert Moldenhauer ist das für die Anlieger wenig befriedigend. Aber: „Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass sich der momentane Bau der Umgehungsstraße Wedringen nach Fertigstellung auch auf die Verkehrssituation in der Dorfstraße positiv auswirkt.“