Haldensleben l Fleisch, Eier, Fell – Kleintierzucht in Deutschland hat in der Regel einen ganz profanen Hintergrund. In Vereinen, in denen heute das schönste Fell oder Gefieder das Ziel ist, ging es noch vor Generationen schlicht um die Versorgung mit Lebensmitteln für den Menschen.

Vielleicht fristen die Exotenzüchter deswegen ein gewisses Schattendasein in der Welt der Kleintierzucht. Ulrich Thamm ist so ein Züchter. Organisiert ist der Haldensleber in der Vereinigung zur Zucht und Erhaltung einheimischer und fremdländischer Vögel, kurz VZE. In den meisten Fällen geht es den VZE-Mitgliedern um die Zucht von Papageien, so auch Ulrich Thamm, der Vorsitzender der Haldensleber Exotenzüchter ist.

Am Wochenende hat der VZE-Landesverband Sachsen-Anhalt seinen Züchtertag in Haldensleben abgehalten. Ein Besuch bei den Haldensleber Züchtern Ulrich Thamm und Mario Krause und die Begutachtung ihrer Vögel und Volieren gehörte dabei zum Programm.

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Tierschutz und Beratung der Halter

Das Grundstück des Haldenslebers ist leicht zu finden – man muss nur dem Geräusch folgen. Lautes Gekreische tönt aus Thamms Garten. Die großen Aras und Kakadus sind wegen der vielen Besucher ganz aufgeregt, ihr Geschrei ist ohrenbetäubend. Gelbbrustaras, Kakadus und kleinere Papageien leben in Thamms Volieren. Einige schlagen beim Anblick der vielen Gäste Alarm, andere ziehen sich in den geschlossenen Teil der Voliere zurück, und einige Papageien verfolgen das Geschehen mit großer Neugier.

„Es fängt meistens mit kleinen Tieren an“, berichtet Niels Mensing. Der Magdeburger Tierarzt ist Präsident des VZE. Dann breche die Begeisterung aus. „Es ist das Aussehen und vor allem die Intelligenz der Vögel“, sagt Mensing. So gehe es den Züchtern gar nicht darum, möglichst viele perfekte Tiere zur Welt zu bringen. „Das Hauptziel ist die Haltung.“ Und die Beratung. Wer Mitglied im VZE wird, könne sich auf ein großes Netzwerk von Experten berufen. Ausstellungen finden statt, sind aber anders als bei Geflügelzüchtern die Ausnahme. So gab es beim Züchtertag einige Vorträge, zum Beispiel über Amazonen, Papageien, die in Mittel- und Südamerika verbreitet sind.

Artgerechte Haltung statt Einzelhaft

„Man hat eine große Verantwortung für die Tiere“, sagt der Tierarzt. Ein Ara erreicht nicht selten dasselbe Alter wie sein Besitzer. Während Tierzuchtvereine oft im Konflikt mit Tierschützern stehen, ist das Verhältnis beim VZE entspannter. So setze sich der Verein gegen tierquälerische Haltungen ein. Niels Mensing bedauert etwa, dass es bis heute kein Gesetz gibt, das die Einzelhaltung von Papageien verbietet und dass Privathaltung in der Wohnung, anders als Züchter, nicht behördlich überwacht wird. Einzeln in Käfigen gehaltene Wellensittiche gehören daher noch immer zum Alltag. Selbst Auswüchse darüber hinaus würden straffrei bleiben.

„Haltung an der Kette geht gar nicht. Das ist verwerflich hoch 10“, sagt Eckhard Freitag. Der Thalenser ist Präsident des VZE-Landesverbands. Jungvögel tauschen Züchter daher gerne unter sich aus, einzelne Vögel an Privathalter abzugeben, solle hingegen vermieden werden. „Schnell mal einen Ara anschaffen, geht nicht“, sagt Freitag. Die großen intelligenten Vögel seien wie ein Kind. Die Intelligenz ist es auch, was Freitag an den Vögeln fasziniert. Ein Graupapagei habe denselben IQ wie ein Sechsjähriger.

In einer Angelegenheit unterscheiden sich die Exotenzüchter nicht von ihren Kollegen aus den Geflügel- und Kaninchenvereinen: Der Nachwuchs fehlt. „Das ist immer so, ob Feuerwehr oder Kegelklub. Die Jugend hat schon Interesse, für die Lehrstelle geht sie dann aber weg“, sagt Eckhard Freitag. So klafft in den Vereinen ein großes Loch bei den Mitgliedern zwischen 18 und 40, das Alter, das von Ausbildung und oft beruflicher Mobilität bestimmt ist.

Hinzu kommt der Preis. Mehrere Tausend Euro kann ein Vogel kosten. Und auch die Kosten für die Unterbringung der Tiere schlagen zu Buche. Bei Ulrich Thamm leben die Vögel in großen Volieren mit Außen- und Innenbereich. Im Winter muss er die Unterkünfte zudem beheizen. Die in tropischen Gefilden heimischen Tiere vertragen keine Kälte.