Nordgermersleben l Mittlerweile seit fast 125 Jahren gehört die Germania zum Ortsbild von Nordgermersleben. Obwohl sie immer noch stolz auf die Durchfahrtsstraße des Ortes blickt, hat sie im Laufe der Zeit einiges an Stolz eingebüßt. Vor allem Wind und Wetter haben dem Ehrendenkmal, das den ortsansässigen Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) gewidmet ist, stark zugesetzt. So fehlen heute unter anderem auch beide Arme inklusive des Siegerkranzes und des Schwertes. In einem Gutachten werden außerdem starke Vermoosungen, Verschmutzungen und Verkrustungen und starke Abschalungen bescheinigt.

Jetzt stehen die Chancen gut, dass das Denkmal in naher Zukunft restauriert werden kann. In der Prioritätenliste der Lokalen Aktionsgruppe Flechtinger Höhenzug (LAG) ist es als förderfähiges Projekt aufgerückt. Möglich wurde das, da das Finanzministerium Sachsen-Anhalts der LAG einen zusätzlichen finanziellen Rahmen zur Verfügung gestellt hat.

Ziel ist es, durch die Restaurierung des Germania-Denkmals den in Nordgermersleben etablierten „Pfad der Sinne“ zu erweitern. „Wir wollen damit den Sinn für den Frieden schärfen“, erklärt Nordgermerslebens Ortsbürgermeister Albrecht von Bodenhausen und verweist darauf, dass der „Pfad der Sinne“ damals ebenfalls mit Unterstützung von Fördermitteln angelegt wurde.

Voraussetzung, dass das Projekt jetzt in Angriff genommen werden kann, ist nun aber, dass auch der Gemeinderat am kommenden Dienstag seine Zustimmung gibt. Dazu soll ein Grundsatzbeschluss gefasst werden, der auch die Beantragung dazu benötigter Fördermittel vorsieht. Der Bauausschuss der Gemeinde hat in seiner Sitzung am Montag bereits eine positive Empfehlung ausgesprochen. Für die Sicherstellung der Eigenmittel kann sich der Ortsbürgermeister vorstellen, dass auch die Ortschaft ihren Anteil dazu leistet. Eine Spendensammlung ist bereits vor einiger Zeit angeschoben worden und so liegen bereits die ersten mehreren tausend Euro zweckgebunden auf einem Konto. Sobald klar ist, dass das Projekt jetzt wieder angegangen wird, soll die Spendensammlung fortgeführt werden. Neben einer Spendensammlung bei der Dorfbevölkerung und Unternehmen in der bisher üblichen Art und Weise ist es auch möglich, ein Crowdfunding-Projekt zu initiieren. Sowohl in Ackendorf als auch in Wellen konnten so Projekte schon erfolgreich vorangetrieben werden. „Ich bin zuversichtlich, dass eine solche Spendenaktion auch Erfolg haben könnte, wir haben das schließlich vor einigen Jahren für die Sanierung unserer Orgel auch geschafft“, so Albrecht von Bodenhausen.

Was die Unterstützung durch die Dorfbewohner betrifft, könnte bezüglich des Nordgermersleber Germania-Denkmals auch eine Verbindung zur Historie geknüpft werden. Damals waren es die Kirchengemeinde und ortsansässige Zuckerbauern, die die Errichtung des Denkmals vorangetrieben haben. Heute gilt es laut einer Projekterläuterung als besonders und erhaltenswert, da es in der Börde keine vergleichbaren Denkmale für Gefallene des Deutsch-Französischen Krieges gibt und es die gesellschaftliche und politische Entwicklung bis heute überdauert hat.

Die Kosten für die Restaurierung werden mit etwa 120.000 Euro beziffert. „Wenn es gut geht, könnten wir mit einer 75-prozentigen Förderung durch Leader rechnen“, erklärt der Ortsbürgermeister und geht infolgedessen von einem Eigenanteil in Höhe von etwa 30.000 Euro aus. Sanierungsarbeiten sollen im Rahmen des Projektes sowohl an der Stufenanlage, am Basissockel, an der Stele als auch an der Germania selbst vorgenommen werden.