Kathendorf l Zwei Familien schieben mit ihren Kinderwagen samt Neugeborenen und den Geschwisterkindern an den Händen zum Kathendorfer Sportplatz. Die Paare haben eine Mission: Sie wollen am Ortsrand jeweils einen Apfelbaum für ihren Familienzuwachs pflanzen.

Auf die Idee, jedes Jahr für die Neugeborenen einen Obstbaum zu setzen, kam die neugewählte Ortsbürgermeisterin Sabine Wieter. Sie engagiert sich nicht nur dienstlich im Biosphärenreservat Drömling für die Artenvielfalt, sondern sie hat auch privat ein großes Herz für die Natur und im Besonderen für die Bienen.

Das Baumpflanzvorhaben als Glückwunsch für die Familien stieß bei den Mitgliedern des Kathendorfer Ortschaftsrates auf offene Ohren. Mehr Bäume für die heimische Vogelwelt und für die Bienen seien ein Zeichen, um mit konkreten Maßnahmen anzupacken, um junge Familien mit dem Ort zu verbinden und gleich noch die Artenvielfalt der Natur im Dorf zu stärken. Außerdem seien die Bäume am Rand des Sportplatzes später ein guter Windschutz und Schattenspender.

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„Wir wollen unbürokratisch und ohne große Kosten auf dem Gemeindeareal aktiv werden“, erklärt Sabine Wieter. Und so kommt es, dass nicht nur die Ortsbürgermeisterin mit den Bäumen und Pflanz-utensilien anrückt, sondern auch Ortschaftsratsmitglied Oliver Widdecke mit einer Fuhre Muttererde auf dem Hänger seines Traktors heran gekurvt kommt.

Stefanie und Fabrice Wentland krempeln die Ärmel hoch und pflanzen einen Apfelbaum für Fino. Der Junge erblickte am 19. Oktober 2020 das Licht der Welt. Beim Pflanzen hilft der fünfjährige Bruder Lio. „Wir haben in Kathendorf vor sechs Jahren ein Haus gebaut. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Es ist ein schönes Dorf“, schwärmt Stefanie Wentland, die ursprünglich aus Mannhausen kommt. Nach ihren Ausführungen sei der Zusammenhalt der Kathendorfer besonders stark. „Die Freunde und Familien unterstützen sich gegenseitig. Es passt einfach alles“, betont die junge Mutter. „Ja, es gibt viele Familien mit Kindern im Dorf“, ergänzt die Ortschefin und präsentiert die zwei jungen etwa drei Meter großen Apfelbäume, die nun mit vereinten Kräften in die Erde gebracht werden.

Und damit die Bäume auch anwachsen, bringen Oma Anne-Kathrin und Opa Henning Wentland Wasser zum Sportplatz. Natürlich haben Finos Großeltern gleich noch Wasser für den Baum von Selina mitgebracht.

Selina ist die Tochter von Sabrina Greco und Sven Jagalla. Das Mädchen kam am 29. Juni diesen Jahres zur Welt. Beim Pflanzen hilft die dreijährige Schwester Sophia. Sabrina Greco stammt aus Oebisfelde. Das junge Paar hat erst vor kurzem in Kathendorf ein Eigenheim gebaut und kennt sich daher auch gut mit dem Pflanzen von Bäumen aus. „Wir leben gern auf dem Land. Unsere Kinder sollen hier aufwachsen. Die Leute sind freundlich. Wenn wir Hilfe brauchen, ist immer schnell jemand zur Stelle“, beschreibt die junge Mutter, während der Papa voller Tatendrang zum Spaten greift. Sabrina Greco ist begeistert von der Apfelbaum-Idee. „Es ist ein richtig schönes Symbol. Die Bäume wachsen mit den Babys“, freuen sich die Mütter. Sven Jagalla hat seine Kindheit in Kathendorf verbracht. Er gesteht, dass er nie woanders leben möchte und ergänzt: „Wir haben hier unsere Familie und Freunde.“ Klarer Fall, dass auch die beiden jungen Väter sowie Opa Wentland in der Kathendorfer Feuerwehr aktiv sind.

„Ich wünsche mir, dass die Babys und die Bäume gut gedeihen – also groß und stark werden“, sagt Sabine Wieter. Später sollen an den Bäumen noch hölzerne Schilder mit den Vornamen und den Geburtsjahren angebracht werden.

Noch in diesem Jahr gibt es eine weitere Familie, die einen Apfelbaum für ihr 2020 geborenes Kind pflanzen möchte.