Wedringen l Für alle Autofahrer war es eine gute Nachricht, die Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) gestern verkündete. Bei einem Termin an der künftigen Ortsumfahrung Wedringen, der B 71 n, berichtete er, dass für die geplante halbjährliche Vollsperrung eine andere Lösung gefunden wurde. Für die Wedringer heißt das allerdings, dass es laut bleibt.

Rückblick: Im November verkündete die Landesstraßenbaubehörde als Bauherrin der B 71 n, dass die Ortsdurchfahrt von Februar bis August gesperrt werden soll. Der Grund: Die Anschlussstelle von Haldensleben über die neue B 71 n muss mit der bisher vereinzelt stehenden Beberbrücke verbunden werden. Geplant war eine Vollsperrung der Magdeburger Straße in Wedringen mit einer weiträumigen Umfahrung, die auf den Autobahnen 2 und 14 beginnen sollte. Für diese Variante gab es viel Kritik, da der Verkehr über Neuenhofe abgeleitet werden sollte. Die Anwohner waren wenig begeistert von den Plänen.

Die neue Variante kommt gänzlich ohne Vollsperrung aus. Nun sollen Autofahrer ab dem Ortsausgang Haldensleben mit einer Umfahrungsstraße südlich der B 71 bis zur neuen Anschlussstelle geleitet werden und dort unter der neuen Brücke entlang nach Wedringen fahren (siehe Grafik).

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Diese Variante ist laut Stefan Hörold Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde, Regionalbereich Mitte, kostengünstiger. Die technische Umsetzung sei jedoch schwierig gewesen, da unter der Erde empfindliche Leitungen entlanggehen. Gefahr war es hier, dass diese durch den tonnenschweren Verkehr und den damit einhergehenden Erschütterungen Schaden nehmen.

„Wir wollten die Menschen in Wedringen und Neuenhofe entlasten und haben deswegen nach einer Lösung gesucht“, sagt Stefan Hörold. Für die Wedringer ist diese Variante allerdings mit einem Wermutstropfen verbunden. Mit einer Vollsperrung wäre es im Ort ruhiger geworden, so donnert der Verkehr bis zur Eröffnung der Ortsumfahrung weiter durch den Ort. Laut Verkehrszählungen im ersten Quartal 2019 rollten täglich durchschnittlich 14.000 Pkw und 1900 Lkw durch den Ort. Im Jahr 2030 rechnet die Landesstraßenbaubehörde mit 19.000 bis 22.500 Kraftfahrzeugen am Tag.

Ortsdurchfahrt wird vorerst nicht saniert

Und auch eine weitere Hiobsbotschaft müssen die Wedringer verkraften: Die Magdeburger Straße wird erst saniert, wenn die B 71 n fertig ist. In der jüngsten Ortschaftsratssitzung machten die Wedringer erneut auf den Lärm aufmerksam, denn die derzeitigen Schlaglöcher und die abgesenkten Gullydeckel verursachen, wenn Lkw darüberfahren. Die Anwohner fordern vehement, die Magdeburger Straße nicht in diesem Zustand zu lassen.

Stefan Hörold begründet das mit dem hohen Verkehrsaufkommen. „Wenn wir jetzt in den Verkehr eingreifen, wissen wir nicht mehr, wohin wir die Fahrzeuge leiten sollen“, erklärt er. Liege eine konkrete Verkehrsgefährdung wie eine Havarie vor, würde die Landesstraßenbaubehörde sofort reagieren. Auch wenn Schäden an der Straße so groß werden, dass sie dem Verkehr nicht mehr standhalten, werde reagiert. Zwei Mal pro Woche werde die Magdeburger Straße laut Hörold auf Schäden geprüft. Wird die Magdeburger Straße nach der Fertigstellung der B 71 n zur Landesstraße herabgestuft, wird sie laut Hörold mitsamt Nebenanlagen ausgebaut.

Am sogenannten Brückenbauwerk IV in Höhe der Wedringer Kanalbrücke, wo der Vor-Ort-Termin stattfand, wird derzeit tonnenweise Erde bewegt. Hier, parallel zur Bahnstrecke und dem Mittellandkanal, ist die künftige Trasse mit drei Spuren bereits deutlich erkennbar. Auf insgesamt 3,9 Kilometern führt die B 71 n künftig um die Ortschaft Wedringen herum. Das gesamte Bauvorhaben kostet laut Verkehrsminister Thomas Webel rund 50,5 Millionen Euro.