Weferlingen/Nambala l Seit Anfang Januar ist Eckard Krause wieder in Tansania. 25 Jahre ist es bereits her, dass der gebürtige Böddenseller, der für einen Reiseveranstalter in Berlin arbeitet, das ostafrikanische Land zum ersten Mal besucht hat. Damals hat er durch einen Zufall die Lehrerin Anne Mshana und ihre Familie im Dorf Tengeru in der Nähe des Kilimandjaro kennengelernt.

Sechs Jahre lang gingen danach Briefe hin und her, bis es ein Wiedersehen gab. Denn 2002 startete er mit einer Reisegruppe wieder nach Tansania, zum Kilimanjaro und zum Mont Meru im Arusha-Nationalpark, der mit 4566 Metern der zweithöchste Berg in Tansania ist, dann zog es ihn mit Freunden 2004 erneut in das ostafrikanische Land. Und wieder besuchte er die Familie Mshana, wurde auch mit seinen Reisefreunden herzlich aufgenommen. 2004 zeigte ihm Anne Mshana die Vorschule im zwei Kilometer entfernten Nambala, in der sie Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren unterrichtet hat. Viel zu klein für all die Kinder aus Nambala, Tengeru und Nganana, die hier betreut werden sollten. Zudem gab es keinen richtigen Platz für die Essenversorgung. Wie viel denn ein Haus dafür kosten würde, fragte Eckard Krause und erhielt schon nach wenigen Tagen eine Zeichnung mit Kostenschätzung. 2700 Euro waren veranschlagt. Diese Summe zusammenzubringen, traute sich Eckard Krause mit seinen Freunden zu. Nach anderthalb Jahren hatte er 3500 Euro gesammelt. Dafür konnte dann sogar ein neues Schulhaus gebaut werden, das alte wurde für die Esseneinnahme umfunktioniert.

Unbürokratische Unterstützung bei der Sammlung der Spenden und der Überweisung nach Tansania erhielt Eckard Krause bei der Hilfsorganisation Misereor. Alle Spenden gehen seither mit entsprechendem Kennwort über das Konto von Misereor. Denn das Projekt in Nambala war der Anfang für ein beispielhaftes Projekt von Hilfe zur Selbsthilfe. „Das ist das Grundanliegen“, so betont Eckard Krause immer wieder, „den Menschen in der Region so zu helfen, dass sie ihr Leben eigenständig meistern können. Grundlage dafür ist eine gute Schulbildung und eine Berufsausbildung.“

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Inzwischen ist in Deutschland das Netzwerk Nambala Help entstanden, das Spenden sammelt und in Projekte Absprache mit den Partnern in Tansania finanziert, und in Tansania wurde die Organisation Fri-Sucode gegründet, die die Projekte umsetzt und koordiniert. Dabei geht es nicht nur um Schulen in der Verwaltungsregion Kikwe, obwohl sie der Schwerpunkt sind. Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Weferlingen gehört zu den Unterstützern, auch die Weferlinger Grundschule hat sich schon dafür eingesetzt. Die Abiturientinnen Lilly-Marie Ruloff und Jasmin Schmidt haben im Herbst 2019 bei einem Projekt in Nambala mitgeholfen. Vor allem die Ortsgruppe Dresden der Naturfreunde Sachsen organisiert solche Einsätze immer wieder.

Hygienekonzept für die Corona-Pandemie

Eckard Krause hat mit seinen Freunden Paten für Waisen und Halbwaisen gefunden, die das Schulgeld bezahlen. 60 Patenkinder werden gegenwärtig betreut, die noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. 21 haben die Ausbildung bereits abgeschlossen. Schulgebäude wurden renoviert oder neu gebaut, eins ist auch für die Dorfgemeinschaft Nambala/Kikwe nutzbar.

Am Bau und an der Ausstattung dieses Hauses ist das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Weferlingen mit mehreren Spenden beteiligt. Für die Sekundarschule in Kikwe wurde eine Unterkunft für Mädchen gebaut, weil die alte Unterkunft in katastrophalem Zustand war. Da die Entfernung für die Schülerinnen und Schüler von ihrem Zuhause bis zur Sekundarschule zu Fuß nicht täglich zu bewältigen ist, müssen viele direkt am Schulort leben. Eine Schulbibliothek wurde aufgebaut. Sehr viel Augenmerk wird auf Hygieneunterweisung und Aufklärung, vor allem für die Mädchen, gelegt. Unterstützung gab es auch für das Krankenhaus in Arusha. Im vergangenen Jahr wurde ein eigenes Hygienekonzept, vor allem mit Unterstützung der Naturfreunde aus Dresden, ins Leben gerufen, um der Region bei der Bewältigung der Corona-Pandemie zu helfen.

Mit finanzieller Hilfe aus Deutschland sind Microfinanzgruppen entstanden, über die Kleinkredite vergeben werden. Mehrere Tansanier konnten sich so etwas aufbauen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und zwar mit landwirtschaftlichen oder handwerklichen Produkten. Die Gruppen treffen sich regelmäßig und rechnen die Rückzahlung der Kredite akribisch ab, damit wieder neue Kredite vergeben werden können. Einige besonders arme Familien erhielten Ziegen oder Hühner, und zwar mit fachlicher Anleitung. Seit drei Jahren gibt es ein Bienen-Projekt, die Honigausbeute ist zwar noch nicht sehr groß, aber auch das kann künftig für einige Tansanier mit dazu beitragen, dass sie ihre Familien besser ernähren können. Einige junge Leute bekamen als kleine Handwerkerbrigade eine Aufgabe. Den Familien Lyakurwa und Ramadhani wurde es übertragen, die Schuluniformen für die Kinder der Region zu nähen. Sie können inzwischen mehrere junge Leute beschäftigen. Auch dafür gab es die entsprechende Ausbildung. Alle Projekte werden fachlich begleitet und kontrolliert. Baraka Mshana, der Sohn von Anne Mshana, ein ausgebildeter Sozialarbeiter, organisiert, koordiniert, plant, kontrolliert. Vor ein paar Jahren war es nicht mehr möglich, das alles neben seinem Beruf zu schaffen, deshalb hat Eckard Krause extra Sponsoren gefunden, die mit ihren Spenden sein Einkommen finanzieren.

Regelmäßig fliegen Helfer aus Deutschland nach Tansania. Im vergangenen Jahr wurden allerdings die geplanten Reisen storniert, weil sich Corona auch in Tansania ausgebreitet hatte. Eckard Krause wollte aber seine für Anfang dieses Jahres geplante Reise nicht aufschieben, zumal er gegenwärtig ohnehin in seinem Beruf nicht arbeiten kann. Gerade wird eine Schulküche gebaut, diesmal für die Grundschule in Nganana. Das Gebäude steht, auch ein Teil der Inneneinrichtung ist fertig. Jetzt wurde eine Wasserleitung für die Spüle gelegt. Fliesenarbeiten sind noch vorgesehen, ebenfalls Dachrinnen und ein Regenwassertank, um das kostbare Wasser zu speichern. „Kosten von 3000 Euro fallen dafür sowie für das Geschirr für die 400 Schulkinder noch an“, berichtet Eckard Krause aus Tansania.

Eine Schulspeisung ist in Tansania nur möglich, wenn die Eltern täglich die dafür nötigen Lebensmittel wie Mais für Ugali, den traditionellen Brei, Bohnen und Tee bereitstellen und auch das Kochen organisieren. Und für viele Kinder ist diese Mahlzeit auch die einzige regelmäßige am Tag. Beim Bau dieser Schulküche halfen Eltern mit. Darauf legt Eckard Krause mit seinem Helferstamm großen Wert. Projekte gemeinsam mit den Eltern und - soweit möglich - auch mit den Schülern umzusetzen. Dabei soll es bleiben.

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage https://nambala-help.org