Landkreis Börde l Die Kirchen im Landkreis Börde offenbaren bei näherer Betrachtung nicht nur einen interessanten Blick in die Vergangenheit. Baustil, Baumaterial und Innenausstattung sowie ihre Geschichte sind sehr unterschiedlich und versetzen den Besucher oft in Erstaunen, ganz gleich, ob er kirchlich oder weltlich ausgerichtet die Gotteshäuser in Augenschein nimmt. Die Auswahl fällt nicht leicht, denn wie der Langenweddinger Pfarrer Raimund Müller-Busse weiß, „haben wir hier die größte Dichte an Kirchen in der Republik, aber die kleinste Mitgliederzahl ...“ In einer losen Folge wollen wir einige Kirchen vorstellen.

St. Paul in Seehausen

Auf einem Hügel am Ortsrand von Seehausen steht St. Paul. In sparsamen Ausmaßen mit Feldsteinen im 9. Jahrhundert errichtet, zählt sie zu den ältesten Bauwerken in der Börde. Immer wieder war man in der Vergangenheit um ihren Erhalt bemüht, denn sie zählt zu den Sehenswürdigkeiten an der Straße der Romanik. St. Paul war mit Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert worden, in ihr fanden auch Hochzeiten und Taufen statt. Jetzt ist der Zugang gesperrt. Ob sie je wieder genutzt werden kann, ist ungewiss. Pfarrer Thomas Seiler meint: „Aus Sicherheitsgründen musste die bauliche Sperrung erfolgen. Es stellte sich heraus, dass der Turm auf einem anderen Untergrund als das Schiff steht. Die Trockenheit der vergangenen Zeit hat da Einfluss genommen. Wie es mit der Paulskirche weitergeht, kann ich jetzt noch nicht sagen.“ Der Pfarrer ist froh, dass es in Seehausen auch noch die Laurentius-Kirche gibt. Sie war einst schon halb zerfallen, wurde aber mit großer, auch privater Initiative wieder für die Nutzung hergerichtet.

„Der Gottesdienst Heiligabend wird jedoch auf der benachbarten Wiese im Freien stattfinden, damit trotz Corona auch alle daran teilnehmen können.“

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Benediktinerkloster Groß Ammensleben

Ganz das Gegenteil zur schlicht ausgestatteten St. Paul in Seehausen ist mit ihrer prunkvoll errichteten Altarwand und der Innenausstattung die Kirche des Benediktinerklosters Groß Ammensleben. Im 12. Jahrhundert erbaut, fesselt auch hier der Hochaltar sofort den Besucher. Im barocken Stil kunstvoll ausgestattet, machen vor allem die Heiligenfiguren Peter und Paul, Benedikt und Schwester Scholastica auf sich aufmerksam. Evelyn Kasper, Vorsitzende des Fördervereins, weiß, dass Altar und Kanzel aus Althaldensleben hierher kamen, nachdem dort 1804 das Kloster aufgelöst worden war. Aber in St. Peter und Paul kann man noch viel mehr erfahren. Wolfgang Hahn, der für uns aufschloss, berichtete, dass der Abt Ludger Hüffgen (im Amt 1580 bis 1608) eine Orgel an das Kloster Hillersleben verschenkte und dass die gut erhaltene Steinplatte, auch Tumba genannt, mit dem Relief eines jungen unbekannten Ritters 1988 bei Arbeiten für die Heizung unter einer Sandschicht gefunden wurde. Am 13. Februar 1972 sei ein Turm umgekippt, blickt er zurück. Dabei hätte es etlichen Sachschaden gegeben. Ein Glück sei es gewesen, dass herabstürzende Teile nur dicht neben der Schule niedergingen, in der gerade Unterricht stattfand.

Große Aufmerksamkeit bei den Denkmalschützern hätte unter anderem die Marienkapelle erhalten. Sie ist ebenfalls mit einem sehenswerten kleinen Altar ausgestattet und hat prächtige Buntglasfenster. „Die Marien- und die Ursulakapelle sollen weiter saniert werden, die Fördermittel dafür sind bereits bewilligt“, berichtet Evelyn Kasper dazu. Verschiedene Baustile sind in der Klosterkirche, die nicht nur nach einem Brand immer wieder baulich verändert wurde, zu erkennen. Selten fürs Auge, dafür aber für die Ohren bieten die Glocken ein Klangerlebnis. Schon deshalb, weil die Glocke „Anna“ von 1493 dabei ist. Ihr Gewicht beträgt 265 kg und sie versieht ihren Dienst im Dachreiter.

Eine Besonderheit ist auch die Orgel. Hinter dem Prospekt von 1769 erklingt eine der wenigen erhaltenen Orgeln aus der Haldensleber Werkstatt Hülle aus dem Jahre 1911. Die Königin der Instrumente wird vom ehrenamtlichen Organisten Michael Löderbusch gespielt.

Vor dem Taufstein ist in diesem Jahr eine Adventswurzel platziert, kunstvoll gestaltet von Franziska Theuerkauf. Im nächsten Jahr soll es dann wieder ein Adventskranz sein – immer im Wechsel.

Eine Christmette, wie sie sonst zu Weihnachten üblich ist, wird es in diesem Jahr wegen der Pandemie in anderer Form geben. Dazu teilt die Pfarrei mit: „Da wir in den Christmetten mit einer größeren Zahl von Mitfeiernden rechnen dürfen, hat sich der Pfarrgemeinderat dazu entschieden, die Christmetten in St. Johannes Baptist (Althaldensleben) und in St. Peter und Paul in Groß Ammensleben im Freien vor den Kirchen zu feiern. Das garantiert uns, dass alle kommen können, die kommen wollen. Außerdem ist es uns dann möglich, zu singen.“

Sankt Marien in Bahrendorf

Sankt Marien, ein Backsteinbau in Bahrendorf, ist mit ihrer Kirchweihe am 8. Oktober 1876 im Vergleich zu anderen ein verhältnismäßig junges Gotteshaus. Äußerlich fällt sie vor allem durch ihren Fachwerkturm auf, das Innere schließt mit einer flachen Decke ab. Der Glockenturm, in dem drei Glocken läuten, die Sankt Michael, Sankt Liborius und Sankt Mauritius geweiht sind, wurde 1991 und 1992 abgehoben und komplett saniert.

Seit 1897 erfreut der Klang einer Rühlmann-Orgel die Kirchengemeinde. „Das Klangwerk ist im typischen romantischen Stil hergestellt“, erklärt dazu Gerhard Seitz, der sich mit der Geschichte von Sankt Marien befasste. Er berichtet auch, dass nach dem Konzil 1962 die Kirche umgestaltet wurde, um vom alten Ritus, bei dem der Pfarrer mit dem Rücken zur Gemeinde und hin zum Altar stand, abzukommen. „Bei der erforderlichen Änderung wurden leider die schönen Buntglasfenster und der aus Holz geschnitzte Hochaltar zerstört“, sagt er.

Er weiß auch, dass die Orgel im Werk Zörbig hergestellt und zerlegt mit der Eisenbahn nach Bahrendorf kam. Bei Stromausfall könne sie auch mit einem Hebel, dem Windmacher, weiter erklingen. Auch am Heiligabend soll sie froh stimmen, wenn hier der Gottesdienst gehalten wird. „Dabei werden die Pandemie-Bestimmungen eingehalten, und Platz für den erforderlichen Abstand haben wir auch“, sagt Pfarrer Kania.