Börde l Mit der Rodung der letzten Zuckerrüben endet für die Bauern in der Börde die diesjährige Erntesaison. Die Zuckerfabrik in Klein Wanzleben wird wohl noch bis Mitte Januar mit der Verarbeitung der Rüben zu tun haben, die bis zu ihrem Transport in das Werk der Nordzucker AG oft am Feldrand gelagert werden.

„Mit der Ernte sind die meisten Bauern überwiegend zufrieden. Sie liegt zwar unter dem langjährigen Schnitt, aber höher als in den vergangenen beiden Jahren“, zieht Christian Apprecht, Geschäftsführer des Bauernverbandes „Börde“ mit Sitz in Wanzleben, eine vorläufige Bilanz. So konnten im Schnitt 60 Tonnen Zuckerrüben je Hektar bei einem Zuckergehalt von knapp über 18 Prozent gerodet werden. Dabei schwanken jedoch die Erträge stark und liegen zwischen 40 und 90 Tonnen, was in Abhängigkeit der regional unterschiedlich aufgetretenen Niederschläge stehe. Auf vielen Flächen fehlte zur Aussaat der Regen, so dass die Saat nur schwer keimte und die jungen Pflanzen es schwer hatten sich zu entwickeln und zügig ein vor Verdunstung und Unkraut schützendes Blätterdach über die Reihen zu legen, nennt der Experte den Grund für geringere Erträge beim „Gold der Börde“.

Erträge für Silomais schwanken ebenfalls

Teilweise ist noch Mais auf den Ackerflächen zu sehen, der in den nächsten Tagen gedroschen wird. Das stelle jedoch nur einen kleinen Teil der Maisfläche dar, sagt Apprecht. Der Großteil sei bereits mit Häckslern geerntet und in Silos transportiert worden. Die Erträge beim Silomais schwanken ebenfalls stark, liegen im Durchschnitt bei etwa 40 Tonnen je Hektar. In normalen Jahren werden je nach Standort und Sorte zwischen 45 und 60 Tonnen geerntet. Dennoch gebe es in vielen Betrieben in diesem Jahr keinen Engpass bei der Maissilage, die etwa zu gleichen Teilen als Kuhfutter oder für die Erzeugung von Bioenergie genutzt werde.

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In den meisten Fällen abgeschlossen ist die Kartoffelernte. Neben der Lieferung von Verarbeitungskartoffeln an das Agrarfrost-Werk in Oschersleben wird ein wesentlicher Teil für die Vermarktung als Speisekartoffel angebaut. Die Erträge schwanken auch hier je nach Niederschlag und Sorte. „Im Durchschnitt haben die Pflanzen weniger Knollen angesetzt und auch weniger Gesamtertrag produziert, so dass das Ergebnis etwa 20 Prozent unter dem normaler Jahre liegt. Die Erträge schwanken zwischen 30 und 40 Tonnen je Hektar, lagen in guten Jahren aber schon bei 47 bis 48 Tonnen“, bilanziert der Vertreter des Bauernverbandes.

Aktuell wird auf einigen Flächen noch Winterweizen ausgesät, der im kommenden Sommer geerntet werden soll. In diesem Jahr lieferte die Getreideernte überwiegend zufriedenstellende Ergebnisse bei starken regionalen Schwankungen. Gerste lieferte einen Durchschnittsertrag von 6,9 Tonnen je Hektar, Roggen lag bei 5,6 Tonnen und Weizen bei 7,6 Tonnen je Hektar. Die vierte Druschfrucht des Sommers, der Raps, erzielte im Durchschnitt 3,7 Tonnen je Hektar. Aber auch hier traten regional Schwankungen auf. Ursache war hier neben der Wasserversorgung aber auch das Auftreten von Spätfrösten, die Ährenansätze beim Getreide schädigten oder Rapsblüten abfrieren ließ.

„Insgesamt zeigt sich die Mehrheit der Landwirte zufrieden mit den diesjährigen Ernteergebnissen“, meint Apprecht. Sie liegen zwar unter dem Durchschnitt guter Jahre, aber in den meisten Fällen über denen der vergangenen beiden Dürrejahre. Die derzeitigen Niederschläge lassen die Hoffnung wachsen auf eine Entspannung der tiefsitzenden Bodendürre und auf eine gute Ernte im kommenden Jahr.

„Mit dem Jahr mit der Trockenheit wie wir sie ja auch in den Vorjahren hatten, muss man insgesamt zufrieden sein. Aber für den guten Standort, den wir haben, ist es trotzdem noch zu wenig“, sagt Diplom-Agraringenieur Phillip Krainbring. Ohne Wasser bringe am Ende der gute Boden auch nichts.

Krainbring managt seit 2016 etwa 440 Hektar Marktfrüchte. Der Landwirt ist Verwalter des Agrarbetriebes Simke und bewirtschaftet Felder rund um Hohendodeleben. Beim Weizen ginge es, da habe der Betrieb einen Ertrag von knapp acht Tonnen pro Hektar erzielen können. Das hat Krainbring schlimmer erwartet, nachdem er täglich die Bestände auf den Feldern gesehen hat. Beim Mais sei es auch in Ordnung gewesen, obwohl der Ertrag dieses Jahres mit knapp 40 Tonnen den sonst üblichen von bis zu 55 Tonnen Frischmasse deutlich hinterher hinke. „Die Zuckerrübe ist für uns eher wieder eine größere Enttäuschung. Die Pflanzen haben doch eher unter der Trockenheit gelitten“, stellt der Hohendodeleber Landwirt fest. Noch seien die Rüben noch nicht ganz aus dem Boden, bislang liege der Ertrag bei knapp 60 Tonnen pro Hektar. Das sei ein erheblicher Verlust.