Von Anett Roisch

Seggerde/Berlin l „Ich war erstaunt, wie viele Menschen einen Daumen nach oben zeigten, als wir mit unseren Traktoren durch die unzähligen Orte nach Berlin fuhren“, sagt Frauke Drüsedau. Die 21-jährige Landwirtin beteiligte sich am vergangenen Wochenende zum ersten Mal an der Traktoren-Demonstraktion „Wir haben es satt“.

Die Studentin schildert nun ihre Eindrücke: „Das Bild des Landwirts ist vielleicht doch gar nicht so schlecht ist, wie gedacht. Und ja, in manchen Momenten erfüllte es mich nach langer Zeit mal wieder mit Stolz, Landwirtin zu sein.“

Den Familienbetrieb übernehmen

Frauke Drüsedau besucht eine „Fachschule für ökologischen Landbau“ in Salzwedel. Später möchte die junge Frau den landwirtschaftlichen Familienbetrieb übernehmen.

In den letzten Monaten waren die Bauernproteste allgegenwärtig. Frauke Drüsedau hatte sich im Vorfeld über diese Demonstration, welche in diesem Jahr zum zehnten Mal stattgefunden hat, informiert. „Mir ist schnell klar geworden, dass diese Demo nicht bei allen Landwirten gut ankommt. Die Demo findet zusammen mit dem Verbraucher statt. Und Landwirte wissen, dass manche Verbraucher mit ihren Forderungen den Bezug zur Realität verloren haben und auch der Landwirtschaft realitätsfern gegenüberstehen. Jedoch kann ich es nicht verstehen, dass es einige Berufskollegen in den sozialen Medien für nötig halten, die Landwirte zu verteufeln, welche an der Demo teilnahmen“, sagt die junge Landwirtin.

Das Berufsbild des Landwirts werde – nach ihren Ausführungen – oft mit den Begriffen Tierquäler und Umweltverschmutzer in Verbindung gebracht. Aber dem sei nicht so. „Auch mir persönlich liegt die artgerechte Tierhaltung sehr am Herzen. Ich möchte beim Wirtschaften auf den Ackerflächen umweltschonend und nachhaltig agieren, damit auch meine Kinder eine Zukunft auf dieser Erde haben“, schildert sie. Der Landwirt dürfe – ihrer Ansicht nach – nicht immer automatisch als „Buh-Mann“ der Nation dargestellt werden.

Zum Artenschutz beitragen

In ihren Augen sei auch die Düngeverordnung notwendig. „Auch Landwirte müssen zum Artenschutz beitragen. Ich sage auch bewusst ,beitragen‘, weil es nicht die Aufgabe einer Minderheit – wie es die Landwirte nun mal sind – ist, die ganze Welt zu retten. Jede einzelne Person kann etwas zum Großen und Ganzen beitragen, denn wenn jeder denkt, dass er sowieso nichts am Ganzen ändern kann, dann wird sich nie etwas ändern“, betont sie.

Die vielen Eindrücke von der Tour beschreibt die junge Bäuerin als überwältigend. „Ich war sehr angetan von dem Zuspruch vieler Leute. Wann bedankt sich schon mal jemand bei einem Landwirt – das geschieht nicht so oft. Jedoch muss ich auch sagen, dass ich von der Realitätsfernheit einiger Verbraucher in der Menschenmenge durchaus schockiert war. Aber im Großen und Ganzen habe ich mich an der Seite der anderen Landwirte richtig gefühlt“, sagt die Seggerderin.

Für die Zukunft wäre es ihr wichtig, dass die Landwirte, so unterschiedlich sie auch sein mögen, sich nicht von der Politik oder anderem auseinander treiben lassen. Auch für Berufskollegen mit einer anderen Denkweise sollten die Bauern Verständnis zeigen. „Am Ende möchten wir alle unseren Kindern noch eine lebenswerte Welt ermöglichen“, blickt die junge Frau voraus.