Haldensleben l „Als ich in Rente gegangen bin, habe ich eine Wohnung am Wasser gesucht“, erzählt Uta Lippmann von ihrer Sehnsucht, ihren Lebensabend in der Nähe von Wind und Wellen zu verbringen. „Ich habe meine Fühler sogar bis zur Ostsee ausgestreckt“, erinnert sie sich. Doch durch „Mund-zu-Mund-Propaganda“ erhielt sie einen Tipp, der ihr Leben einschneidend veränderte. Und das quasi vor ihrer Haustür: Sie zog in das Vereinsheim der Wassersportfreunde an der Kronesruhe in Haldensleben. Das liegt zwar nicht am Meeresstrand, aber direkt am Mittellandkanal. Und einen neuen „Job“ gab es obendrein. „Ich hatte Glück“, sagt Uta Lippmann, die nunmehr seit zweieinhalb Jahren als Hafenmeisterin des kleinen Sportboothafens fungiert und für die ankommenden Bootsführer die erste Ansprechpartnerin ist. „Ich freue mich über jeden, der bei uns anlegt“, sagt die Haldensleberin. Ihr liege besonders daran, dass sich die Gäste hier wohlfühlen und dass es ihnen an nichts fehlt. Deshalb weise sie nicht nur in die Hafenanlage ein und rechne die Liegegebühren ab. „Ihnen wird geholfen, wenn etwas am Boot zu reparieren ist. Manchmal bin ich auch Fremdenführerin“, sagt sie schmunzelnd.

Hafenmeisterin ist die gute Seele des Vereins

Die durchweg positiven Eindrücke der Freizeitkapitäne aus ganz Deutschland und Europa freuen nicht zuletzt den Vorstand um Vereinschef Dieter Silberborth, seinen Vize Andreas Gromowski und Schatzmeisterin Heike Klein. „Unsere Hafenmeisterin ist die gute Seele des Vereins. Das passt einfach, und wir sind sehr stolz darauf, dass es unseren Gästen hier so gut gefällt“, sagt Dieter Silberborth.

Dass dies so bleibt, daran wird nicht zuletzt in diesen Tagen gearbeitet, in denen rund um den Sportboothafen noch eine himmlische Ruhe herrscht. 16 Boote liegen aufgebockt und unter Planen trocken an Land. Nur zwei Eigner haben ihre Boote auch über den Winter im Wasser gelassen. Die jüngsten Stürme richteten bis auf ein paar Schäden an Planen kein weiteres Unheil an, berichten die Wassersportfreunde. Doch ausgerechnet die Abdeckung der „Martha“, die an der Hafeneinfahrt schon von weitem die Gäste begrüßt, ist arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

„Das ist zur Zeit kein schöner Anblick“, weiß Dieter Silberborth. Dies möchte er mit seinen Mitstreitern aber in dieser Saison ändern. Nachdem im vergangenen Jahr die 18 Stege neu beplankt wurden, soll nun die Hafeneinfahrt verschönert werden. „Wir wollen die Martha wieder flott machen. Gerade sie ist an dieser Stelle als Blickfang ja das erste Aushängeschild unseres Hafens“, kündigt der Magdeburger an, der vor anderthalb Jahren die Vereinsführung übernommen hat. Das 8,50 Meter lange Stahlboot war den Wassersportfreunden einst vom Ehrenmitglied und Haldensleber Ehrenbürger Kurt Hegner geschenkt worden. „Sie ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Wir wollen sie aber in Ehren halten und endlich in Angriff nehmen“, sagt Silberborth. Darüber hinaus werde es natürlich weitere Arbeitseinsätze der insgesamt 15 Vereinsmitglieder geben. Dabei komme auch das gesellige Miteinander nicht zu kurz, so der Vereinschef. Dies habe nicht zuletzt die jüngste Weihnachtsfeier gezeigt. Seine Pläne werde er zur nächsten Mitgliederversammlung vorstellen, die Ende März/Anfang April stattfinden soll.

Ein weiteres Thema könnte dabei auch eine Idee sein, für die er gemeinsam mit Uta Lippmann bei der jüngsten Zusammenkunft von Mittellandkanal-Anrainern Feuer gefangen hat: eine gemeinsame Hafenausfahrt, wie sie andere Vereine entlang des Kanals in Niedersachsen bereits pflegen. „Mal schauen, ob es von Interesse ist, als Konvoi einen Tages- oder sogar einen Wochenausflug zu starten“, so Silberborth, der dabei allerdings schon an das Jahr 2023 denkt. Dann feiern die Wassersportfreunde Haldensleben ihr 20-jähriges Bestehen.

Dahingleiten und die Natur wahrnehmen

Doch was fasziniert sie so an ihrem nicht ganz billigen Hobby? „Das Schönste ist die Gemütlichkeit und mit dem langsamen Dahingleiten die Natur wahrzunehmen“, schwärmt Heike Klein vom Bootsfahren auf dem Kanal. Gerade der Mittellandkanal biete dafür beste Bedingungen. Nach dem Ausbau sei er quasi wie eine Schiffsautobahn. Schlepper, Segler, Kanuten und Sportboote kämen sich so gut wie nie ins Gehege, sagt die gebürtige Düsseldorferin. Wer möchte, gelange auf diesem Weg nach Berlin, zu den Mecklenburgerischen Seen, ja selbst an Nord- und Ostsee oder gar bis ins Mittelmeer. Nur eben schön langsam - mit zehn Kilometern pro Stunde und nicht mit Tempo 100. Heike Klein: „Wir sind ja nicht auf der Flucht.“

Bevor es aber wieder auf große Tour geht, steht für die Haldensleber Skipper die Saisoneröffnung mit dem obligatorischen Kranen auf dem Programm. Dafür wird an den Sonnabenden des 25. April und des 2. Mai ein Spezialkran angefordert, um die Boote wieder ins Wasser zu hieven. Dazu laden die Wassersportfreudne nicht nur die Mitglieder und deren Angehörige wieder herzlich ein, sondern alle Schaulustigen, denen Dieter Silberborth wieder spektakulären Bilder verspricht: „Dann gibt es fliegende Boote zu sehen.“

Hier finden Sie den ersten Teil unserer Volksstimme-Serie "Leben am Kanal".