Haldensleben l Offen spricht Maria Hauer über ihre seelische Erkrankung. Manisch-depressiv ist sie nicht immer gewesen. Erst 2004 sei die Krankheit bei ihre ausgebrochen, erinnert sie sich. „Eine Psychose war der Auslöser dafür“, erklärt Maria Hauer. Seitdem ist die bipolare Störung ihr ständiger Begleiter.

Per Definition sind bipolare Störungen schwere chronisch verlaufende psychische Erkrankungen, die von extremen manischen und depressiven Stimmungsschwankungen charakterisiert sind. Beides wechselt sich ohne erkennbaren Grund ab. Die Manie stellt sich als übersteigertes Hochgefühl dar und die Betroffenen sind gleichzeitig meist überaktiv, euphorisch oder gereizt. „Da macht man einfach Dinge, die man im Normalfall nicht machen würde“, weiß Maria Hauer aus eigener Erfahrung. Auf diese Phase folgen mehr oder weniger ausgeprägte Depressionen, mit gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit und Traurigkeit.

„Mit Hilfe meiner Medikation kann ich mit der Krankheit inzwischen ganz gut leben“, erzählt Hauer. Sie führt ihren Haushalt in Haldensleben eigenständig, Unterstützung und Betreuung erhält sie bei Bedarf vom Förderverein für seelisch kranke Menschen „Flora“ in Haldensleben. Über die Lebenshilfe Ostfalen hat sie zudem einen Job.

So arbeitet die gelernte Köchin zwei Tage in der Woche im „Gleis 3“, dem Imbiss im Haldensleber Bahnhof, der von der Lebenshilfe betrieben wird. „Das macht mir großen Spaß“, erzählt Maria Hauer. „Eigentlich wollte ich wegen des Stresses nicht mehr als Köchin arbeiten. Aber in diesem Rahmen geht das gut.“

An den anderen drei Wochentagen ist die Werkstatt für seelisch erkrankte Menschen „Pro“ in Haldensleben ihr Arbeitsplatz. In der Wäscherei der Lebenshilfe Ostfalen arbeitet Maria Hauer zwei Tage an der Mangel und hilft den Kollegen beim Zusammenlegen der Wäsche.

Das Hobby teilweise zum Beruf gemacht

Der dritte „Pro“-Tag, der Freitag, aber ist ihrer – da steht ihre Kreativität ganz oben auf dem Arbeitsplan. Dann filzt Maria Hauer. In erster Linie Blütenketten. Das sind Auftragsarbeiten für Blumenläden. Aber auch Schalen oder Weihnachtsäpfel und -bäume aus Filz fertig die 41-Jährige mit großer Sorgfalt und Geschick an.

„Das Handarbeiten habe ich von meiner Oma gelernt“, blickt Maria Hauer zurück. Als 1996 die Spinnstube auf Schloss Hundisburg ins Leben gerufen wurde, war sie mit dabei. Bis heute ist sie der Frauengruppe Bartha, die die Spinnstube betreibt, treu geblieben. „Die Handarbeit tut mir sehr gut, ich komme dabei zur Ruhe“, sagt Maria Hauer. „Wenn man die Technik beherrscht, kann man sich richtig darin vertiefen.“ Für sie ist die Handarbeit ein Ruhepol, auch im Hinblick auf ihre seelische Erkrankung.

Umso mehr freut es sie, dass sie ihr Hobby teilweise auch zum Beruf machen konnte. In der Lebenshilfe-Werkstatt wird ihre kreative Arbeit sehr geschätzt und sorgt immer wieder für Erstaunen. Auch wenn einmal kein Auftrag vorliegen sollte, gefilzt wird bei Maria Hauer freitags trotzdem. „Das, was ich hier fertige, präsentiere ich auch bei Veranstaltungen der Lebenshilfe und verkaufe es. Sogar im Landratsamt habe ich meine Arbeit schon gezeigt“, meint sie stolz. Und wieder huscht ein verschämtes Lächeln über ihr Gesicht.

Selbst von der Corona-Pandemie lässt sie sich nicht aus dem Konzept bringen. „Ich mache trotzdem mein Ding“, betont Maria Hauer selbstbewusst. Weil die Hundisburger Spinnstube für die Öffentlichkeit geschlossen ist, arbeitet sie daher ab und zu auch ganz allein dort. „Das genieße ich, da komme ich richtig runter.“