Einkaufen

Lebensmittel kommen in Haldensleben aus dem Automaten?

Für ältere Menschen in den Haldensleber Ortsteilen ist Einkaufen ein Problem, da sie oft nicht mehr mobil sind. Doch oft gibt es auf dem Dorf keine Läden mehr.

Von Theresa Schiffl
Max Flüchten füllt gerade die Lebensmittelautomaten in der Lüneburger Heerstraße auf. Sechs ähnliche Automaten sollen in die alten Verkaufsräume des Konsum in Hundisburg kommen.
Max Flüchten füllt gerade die Lebensmittelautomaten in der Lüneburger Heerstraße auf. Sechs ähnliche Automaten sollen in die alten Verkaufsräume des Konsum in Hundisburg kommen. Foto: Theresa Schiffl

Haldensleben - In Haldensleben ist Einkaufen kein Problem: Neben acht Supermärkten reihen sich in der Hagenstraße die Geschäfte mit Kleidung, Drogerieprodukten und Büchern aneinander. Die Anwohner in den Ortsteilen haben das nicht: Dort gibt es keine Lebensmittelgeschäfte mehr und so müssen die Einwohner wohl oder übel zum Einkaufen nach Haldensleben fahren.

Aber für einige ist das nicht so einfach, da nicht alle mobil oder gut zu Fuß sind. Wie einer Leserin der Volksstimme am Telefon erzählte, sei das für sie sehr beschwerlich. Um Abhilfe für den umständlichen Weg zum Supermarkt in die Stadt zu schaffen, gibt es in einem Haldensleber Ortsteil nun eine Alternative.

Diese Problematik ist auch Ortsbürgermeister Nico Schmidt aus Hundisburg bekannt. „Vor zwei Jahren haben wir unseren Konsum verloren. Gerade bei älteren Menschen ist der Bedarf für ein Einkaufsangebot da“, berichtet er.

Im Ortschaftsrat gab es viele Überlegungen dazu, wie man ein kleine Einkaufsmöglichkeit schaffen könnte. Schnell wurde jedoch klar, dass das gar nicht so einfach ist. „Aber wir haben eine Lösung gefunden: In Haldensleben gibt es beim Ameos-Klinikum in der Lüneburger Heerstraße einen Automaten der Firma Flümann. Davon sollen jetzt sechs Automaten in das Gebäude des alten Konsums kommen“, erzählt Schmidt.

Max Flüchten füllt gerade einen der Automaten in der Lüneburger Heerstraße auf. Zusammen mit seiner Freundin Maren Braumann sei ihm die Idee für die Hofladen-Automaten gekommen. „Unser Gedanke ist es, das speziell in den Dörfern anzubieten, um sie wieder ein bisschen zu beleben,“ erklärt er.

Voraussichtlich soll es im August soweit sein, dass die Hundisburger regionale Produkte wie Eier, Kartoffeln, Brause und Wurst aber auch Eis aus den Automaten kaufen können. Die Produkte werden jeden Tag frisch aufgefüllt und sind täglich 24 Stunden zugänglich. „Wir müssen noch ein bisschen umbauen und Schilder anbringen. Damit das Angebot von älteren Menschen genutzt werden kann, kommt auch noch die Treppe weg“, so Flüchten. Künftig soll es weitere der 24h-Hofladen-Automaten geben.

Wunsch nach Tante-Emma-Laden

In Satuelle gibt es keine kleinen Läden mehr, in denen es Lebensmittel zu kaufen gebe, erklärt Mario Schumacher (CDU). Seit das Gasthaus Fuhrmann in den 1990er-Jahren geschlossen hat, gebe es auch keine Möglichkeit mehr, um Essen zu gehen.

„Seitdem gibt es nur noch einen Bäcker-, Fleischer und Fischwagen, die wöchentlich herkommen“, so Schumacher. Außerdem gebe es noch die Bäckerei Rahne, in der es eine Postannahmestelle, Brötchen und eine kleine Auswahl an Lebensmittel gebe. Das Problem an fehlenden Einkaufsmöglichkeiten sei auf alle Fälle da. Gerade für ältere Menschen wäre es besser, wenn es ein kleines Geschäft geben würde, so Schumacher. Deshalb könnten in Satuelle Lebensmittelautomaten wie von Max Flüchten und Maren Braumann durchaus interessant für die Ortschaft sein. „Die Frage ist natürlich, ob sich das für die Betreiber lohnt“, meint Schumacher.

Dass der Wunsch und die Nachfrage für Einkaufsmöglichkeiten gerade bei älteren Menschen da ist, kann auch Pflegedienstleiterin Anja Schuster von der Volkssolidarität bestätigen. Seit einiger Zeit bieten sie ihren Patienten Fahrten in die Stadt an. Viele würden nämlich nicht mehr „von A nach B kommen“, wie die Pflegedienstleiterin erklärt.

„Mit unserem Angebot können sie dann einkaufen gehen, Termine erledigen oder einfach einen Kaffee trinken gehen. Das ist sehr wichtig, damit unsere Patienten etwas anderes sehen und nicht vereinsamen“, erörtert Schuster die Bedeutung solcher Angebote. Diese würden sehr gut angenommen. Durch den Einkaufsdienst könnten auch Patienten von den Ortsteilen in die Stadt kommen.

In Uthmöden würden gerade ältere Menschen einen Tante-Emma-Laden oder eine ähnliche Einkaufsmöglichkeit nutzen, da ist sich Ortsbürgermeisterin Marie Ohrdorf sicher. „Bis vor einigen Jahren gab es die Kneipe Bluehouse, in der es auch ein paar Lebensmittel wie Milch, Eier oder Mehl gab“, erklärt Ohrdorf. Gerade ältere Leute hätten das Angebot bereits gut genutzt und würden es nun bestimmt noch mehr nutzen, meint die Uthmödenerin. Jetzt müssten die Familien den Einkauf für ihre Angehörigen mitnehmen. „Aber auch Kinder haben sich dort oft von ihrem Taschengeld ein Eis, Brause oder eine Zeitschrift gekauft“, erklärt sie weiter. Ob ein ähnliches Angebot wie in Hundisburg angenommen werde könne sie jedoch nicht genau sagen.

Kein wirtschaftlicher Nutzen in Ortsteilen

André Wiklinski hat noch nichts davon gehört, dass sich die Wedringer eine Einkaufsmöglichkeit wünschen. „Die Busverbindungen und die Anbindung mit unserem Radweg sind sehr gut. Ich kenne kaum Leute, vielleicht insgesamt zehn, die nicht mobil sind“, erklärt Wiklinski. Ältere Leute würden das vermutlich anders bewerten, aber gerade aus wirtschaftlicher und finanzieller Sicht würde sich das nicht lohnen. Aber auch ein Bäcker komme regelmäßig nach Wedringen.

Wie Ortsbürgermeister Karsten Ulrich weis, gebe es in Süplingen keinen Bedarf für ein Geschäft. „Dafür ist Süplingen auch einfach zu klein. Es gab zwar einmal Überlegungen dazu, aber das lohnt sich wirtschaftlich nicht“, meint er. Auch hier käme einmal wöchentlich ein Fleischer vor Ort. Aber auch Haldensleben sei nicht zu weit von Süplingen entfernt, so Ulrich.