Rettungsschwimmer

Lebensretter mit Flossen lernen im Haldensleber Rolli-Bad

Es gibt viele Gründe, warum es zu Badeunfällen kommen kann: keine guten Schwimmkenntnisse, zu wenig Kraft oder gesundheitliche Probleme wie ein Schwächeanfall. Ebenso viele Gründe gibt es für eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer.

Von Theresa Schiffl 22.07.2021, 18:40
Prüfungsrelevant für das Rettungsschwimmer-Abzeichen  ist auch das Abschleppen einer Person, bei dem beide Schwimmer Kleidung tragen. Das sei besonders anstrengend, wie Kursleiter Markus Gratzke erklärt.
Prüfungsrelevant für das Rettungsschwimmer-Abzeichen ist auch das Abschleppen einer Person, bei dem beide Schwimmer Kleidung tragen. Das sei besonders anstrengend, wie Kursleiter Markus Gratzke erklärt. Foto: Theresa Schiffl

Haldensleben - Geräuschlos wie ein Fisch gleiten die Schwimmer mit den Flossen unter der Oberfläche des Rolli-Bads die Bahnen entlang. Ungefähr eine halbe Stunde später wird es stressig: Ein Schwimmer droht zu ertrinken. Einer der Kursteilnehmer springt mit einem Kopfsprung ins Becken des Rolli-Bads. Er krault schnellstmöglich zu dem Jugendlichen, der panisch versucht, sich über Wasser zu halten. Glücklicherweise handelte es sich nicht um einen Ernstfall, sondern eine Übung im Rettungsschwimmerkurs.

Die Prüfung für den Rettungsschwimmer setzt sich aus verschiedenen Inhalten zusammen. Dazu gehören Schwimmen in Kleidung, Tauchen, Transportschwimmen sowie das Retten einer ertrinkenden Person. Aktuell haben sich für den Kurs in Haldensleben vier Teilnehmer angemeldet.

Während auf der einen Bahn noch trainiert wird, schwimmen die anderen als „Feuertaufe“ oder für die Auffrischung ihres Zertifikats unter Prüfungsbedingungen. Einige Aufgaben müssen innerhalb eines bestimmten Zeitlimits geschafft werden.

 Ausbilder Marcus Gratzke ist überzeugt, dass das Silber-Abzeichen für jeden mit einer durchschnittlichen Fitness machbar sei. „Und man muss gute Schwimmkenntnisse haben. Bei Erkrankungen ist es nach Absprache mit dem Arzt ebenfalls möglich, die Ausbildung zu machen“, erklärt er.

Nachdem die Prüflinge von der einen zur anderen Seite getaucht sind, wird es für sie stressig: Sie müssen nun in 15 Minuten insgesamt 16 Bahnen in verschiedenen Schwimmstilen schaffen. Danach, das merkt man den Schwimmern an, müssen sie erst kurz einmal Luft holen. Emma, eine Teilnehmerin des Rettungsschwimmerkurses, meint mit einem Lächeln im Gesicht: „Es ist wirklich sehr viel Zeit, das merkt man gar nicht.“ Und wie Kursleiter Gratzke schon prophezeite, brauchte keiner der Schwimmer länger als zehn Minuten.

Kleiderschwimmen ist sehr anstrengend

Noch anstrengender wird es, wenn sie die Bahnen mit Kleidung schwimmen sollen. „Besonders beim Kraulschwimmen ist der Widerstand am größten, beim Brustschwimmen geht es“, erörtert er.

Dennoch gebe es hier eine kleine Tücke: Bei Schwimmern, die sich im Wasser nicht so sicher fühlen, würden dann langsamer werden oder Angstzustände könnten vorkommen. „Aber das ist auch eine Kopfsache und bisher hatten wir niemanden, den wir retten mussten“, beruhigt der Rettungsschwimmer.

Warum entscheidet man sich für einen solchen Kurs? Dafür gibt es viele Gründe, wie Marcus Gratzke weiß. „Leider ist es selten, dass jemand den Kurs macht, um als Rettungsschwimmer tätig zu sein. Bei den meisten sind es berufliche Gründe. Bei der Polizei, für Erzieher sowie bei Sportstudenten ist das Abzeichen manchmal sogar Pflicht“, berichtet Gratzke.

Erzieher Tommy macht die Nachprüfung, die beim Rettungsschwimmer-Abzeichen in Silber alle zwei Jahre wiederholt werden muss. Er erzählt: „Ich mache es für den Beruf und aus eigenem Interesse.“ Er arbeitet im Kindergarten Pittiplatsch. Außerdem möchte er im Ökobad in Nord Germersleben als Aushilfe unterstützen. „Zudem ist es sehr interessant und vielseitig“, meint er.

Evelin ist ebenfalls Rettungsschwimmerin. „Der Schein verfällt ja nach zwei Jahren und durch die Corona-Pandemie konnte ich ihn nicht rechtzeitig erneuern. Jetzt mache ich die Prüfung noch einmal“, sagt sie und lächelt. Auch bei ihr ist das Rettungsschwimmer-Abzeichen beruflich relevant. „Es ist notwendig, wenn wir mit unseren Kindern schwimmen gehen. Und gerade jetzt vor den Sommerferien ist es sehr passend“, erklärt sie. Sie sei außerdem bei der Wasserwacht Mitglied: „Das macht einfach Spaß.“

Viele Gründe für Kursteilnahme

Sportler Patrick hat sich ebenfalls für den Kurs entschieden. Er ist begeisterter Triathlet. „Meine Tochter ist in der vierten Klasse und bei Klassenfahrten würde ich gerne als Begleiter, der Rettungsschwimmer ist, mitfahren“, erklärt er.