Erxleben l Lautes Stimmengewirr erfüllt den Gastraum, doch für Undine Salomon gibt es gar nichts besseres. Sie steht hinter der Theke des Erxleber Backhauses und freut sich über ihre Gäste. An einer langen Tafel nehmen seit mehr als zehn Jahren einmal im Jahr ehemalige Lehrerinnen und Lehrer der Erxleber Schule Platz. Ihr allmonatlicher Erfahrungsaustausch dreht sich um alles, nur nicht mehr um die Schule, meistens jedenfalls, schränken die Frauen lächelnd ein. Wenn der Enkel aus der Schule etwas mitgebracht hat, wird das natürlich auch mal weitererzählt.

Doch mit dem Kapitel Schule haben die Rentner im Wesentlichen abgeschlossen. Dennoch kommen sie gern zusammen, denn die jahrelange gute Zusammenarbeit in Erxleben hat sich in eine Verbundenheit niedergeschlagen.

Sieglinde Titze war die erste im Bunde, die nach einem erfüllten Berufsleben Anfang der 2000er Jahre die Aktentasche gegen den Rentenscheck tauschte. Als ihr eine Kollegin zwei Jahre später folgte, gab es die erste Verabredung. Denn die Gespräche im Lehrerzimmer wurden vermisst. Mit den Jahren kamen immer mehr Lehrer hinzu, die aufgehört hatten zu arbeiten.

Dass sie schließlich im „Backhus Ohrdorf“ von Undine Salomon landeten, ist ein Glücksfall für beide Seiten. Klar, dass viele von ihnen, ihr Brot, ihre Brötchen oder Kuchen hier kaufen, aber deshalb sitzt man ja nicht gleich im Café.

Doch dieses allmonatliche Ritual gehört inzwischen für alle dazu, auf diese Termine freuen sie sich. „Ich bin sehr froh, dass ich die Runde bei mir habe“, sagte Inhaberin Undine Salomon. Die Tochter des Bäckermeisters aus Hakenstedt wollte als junges Mädchen alles, nur nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. „Der Bäcker-Rhythmus hat unser gesamtes Familienleben geprägt, das war nicht immer angenehm“, sagt sie. Also studierte sie Pharmazie.

Es war schließlich ihr Mann, der 1994 seinen Beruf als Lokführer an den Nagel hing und noch einmal beim Schwiegervater in die Bäckerlehre ging. Heute unterhält er die Bäckerei in Hakenstedt, während seine Frau das Erxleber Bachus leitet.

Zwei Jahre später im September folgte ihm Undine, denn da stand das Erxleber Backhus mitten in der Parkareal vor der Eröffnung.

Am 22. Oktober 1996, einem Donnerstag, wurden Bäckerei und Café eingeweiht. Zehn Jahre waren die Ohrdorf/Salomons verpflichtet, aufgrund ihrer Lage auch das Café zu betreiben, doch das möchte Undine Salomon mittlerweile gar nicht mehr missen.

Vielen Gästen hat sie seitdem Kaffee und Kuchen serviert, aber die Lehrer-Senioren sind ihre Lieblingsgäste. Für sie deckt sie die lange Tafel wie auch dieses Mal zum Jubiläumskränzchen noch ein wenig liebevoller als sonst ohnehin schon.

„Wir sind eine richtig gute Runde und lassen uns gern an der hübsch dekorierten Tafel verwöhnen. Hier fühlen wir uns richtig wohl“, sagt Sieglinde Titze. Stets würden sie sehr herzlich aufgenommen. Nicht alle vom Stammtisch der Lehrer sind Erxleber, trotzdem finden sie immer reichlich Gesprächsstoff, aus dem eigenen Familienkreis, dem Dorf oder einfach, weil etwas in der Zeitung gestanden hat.

Eigentlich wird zum Abschied jedes Mal festgelegt, wann sie dass nächste Mal zusammenkommen. Doch die beiden nächsten Treffen für dieses Jahr stehen schon fest, denn gerade in der Vorweihnachtszeit will schließlich alles immer frühzeitig geplant sein. Das freut auch Undine Salomon, denn auch sie möchte die Runde der vielen netten Leute nicht mehr missen.

Ist gerade mal im Laden nicht so viel los, setzt sie sich schon mal ein paar Minuten zu ihren Besuchern und hält mit ihnen ein Schwätzchen. So bleiben beide Seiten stets auf dem neuesten Stand, schließlich ist so ein Geschäft nach genau 20 Jahren auch ein Ort der Kommunikation, die einen immer auf den neuesten Stand hält.