Haldensleben l Für Corinna Sladky ist der Fall klar. „Das Personal reicht nicht aus“, sagt die Amtsleiterin für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises. Die Mitarbeiterzahl der Leitstelle soll deshalb steigen, von 17 auf 26 Stellen, also um etwa ein Drittel. Mit den Ausschreibungen wollte Sladky noch vor Weihnachten beginnen. Wenn ihr dabei nicht der Kreistag in die Quere kommt.

„Ich halte es für angebracht, über diese teuren Positionen nachzudenken“, betonte Thomas Schmette von der CDU-Fraktion zuletzt im Kreisfinanzausschuss. Er forderte, die Besetzung der Stellen auszusetzen. Es müsse vorher geklärt werden, ob die Mitarbeiter tatsächlich benötigt würden, sagte er.

Schmette ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Heide. Im Kreistag ist er nicht der einzige, der die Ausgaben des Kreises gerne reduzieren würde, damit die von den Gemeinden zu zahlende Kreisumlage sinkt. Allein für die neun Stellen der Leitstelle hat der Landkreis im kommenden Jahr rund eine halbe Millionen Euro eingeplant. Landkreis-Sprecher Uwe Baumgart betont dazu jedoch, dass mehr als die Hälfte des Betrags von den Krankenkassen übernommen würde.

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Für Schmettes Antrag, die Stellenbesetzungen in der Leitstelle vorerst zu stoppen, votierte im Finanzausschuss eine deutliche Mehrheit. Sollte sich auch bei der Kreistagssitzung am kommenden Mittwoch eine Mehrheit dafür finden, muss Sladky vorerst genauer erläutern, wieso die Stellen benötigt werden.

Einsatzzahlen steigen bundesweit

Argumente dafür hat sie schon jetzt schwarz auf weiß. Ihr Amt hatte zu Beginn dieses Jahres ein Gutachten erstellen lassen. Darin ist begründet, wieso die Leitstelle mehr Personal braucht. Zur zukünftigen Entwicklung der Einsatzzentrale heißt es in dem Papier: „Es ist bundesweit ein Trend zur kontinuierlichen Steigerung der Einsatzzahlen zu beobachten.“ Die Gründe dafür seien vielfältig. Weil die Gesellschaft älter werde, stiegen die Einsatzzahlen für die Notfallrettung, heißt es da etwa. Zusätzlich würde im ländlichen Raum „zunehmend medizinische Infrastruktur abgebaut.“ Leitstelle und Rettungsdienste müssten das kompensieren, schreiben die Verfasser des Gutachtens.

Viele Anrufe zum Großeinsatz bei Hermes

Dass die Aufgaben gewachsen sind, bestätigt Daniel Kraft. Er leitet die Einsatzleitstelle in Haldensleben seit etwa zweieinhalb Jahren. Die Anforderungen stiegen stetig, sagt Kraft. So seien sie heute mehr als früher mit der Dokumentation der Einsätze befasst. „Nicht zuletzt“ gebe es außerdem „ein deutlich gesteigertes Anspruchsdenken der Bevölkerung“, berichtet Kraft.

Etwa zuletzt beim Großeinsatz, nachdem zwei Mitarbeiter von Hermes in Haldensleben zu Tode gekommen waren. Schnell kursierten Gerüchte in sozialen Medien. „Die Leute rufen dann bei uns an und fragen, ob das stimmt“, sagt Kraft. „Wir als Leistelle sind dann damit belastet und beschäftigt.“

Betrachtet man die bloßen Zahlen der eingegangenen Notrufe der Haldensleber Leitstelle, ist nur ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Im Jahr 2015 waren es rund 29.000, ein Jahr später 28 100, noch ein Jahr später 29.700. Im vergangenen Jahr waren 29.500 Notrufe eingegangen. Nicht mit einbezogen sind dabei die jährlichen Alarmierungen von Brandmeldeanlagen. Vor dem Jahr 2018 bewegte sich diese Zahl um die 4000. Im vergangenen Jahr waren es 4700. In diesem Jahr sind es schon jetzt mehr als 4400.

Kreis will größeren Stab

Auch den Stab für Katastrophenschutz will Sladky ausbauen. Derzeit hat der Stab 50 Mitglieder. „Wir wollen auf 75 kommen“, sagt Sladky. Der Stab rekrutiert sich aus der Mitarbeiterschaft des Landkreises, vom Sachbearbeiter bis zur Amtsleiterin. Es werden also keine neuen Mitarbeiter dafür eingestellt.

Die neuen Mitglieder müssten aber für ihre Aufgabe im Katastrophenfall geschult werden, erläutert Sladky. Jährlich wolle der Stab in den kommenden Jahren fünf bis sieben neue Mitglieder aufnehmen.