Flechtingen l Für Katrin Sass ist das ganze Leben eine Bühne. Es wurde ihr sozusagen schon in die Wiege gelegt, ihre Mutter stand ebenfalls auf der Bühne. Das Theater war der Spielplatz der jungen Katrin, der sie nie wieder losließ. Sie wollte Schauspielerin werden, und erreichte ihr Ziel nach einer Ausbildung zum Facharbeiter für Fernsprechtechnik doch noch.

Ihren ostdeutschen Charme, ihr freches Mundwerk und jede Menge schauspielerisches Improvisationstalent stellte Katrin Sass bei einer Buchlesung im ausverkauften Flechtinger Kurhaus einmal mehr unter Beweis. Sie ist nämlich nicht nur Schauspielerin, sondern inzwischen auch unter die Buchautoren gegangen. Ihre eigene Biografie „Das Glück wird niemals alt“ sollte im Mittelpunkt es überaus unterhaltsamen Abends stehen. Dabei wurde es in weiten Teilen aber eher ein unterhaltsames Zwiegespräch mit einem gut aufgelegten Publikum vor der Bühne.

Publikum weint vor Lachen

Die Schule war für die rebellische Katrin Sass die Hölle: „Hölle, Hölle, Hölle“, sang sie immer mal wieder, wenn das Thema Schule auf ihrer Buchagenda stand. Eine Episode aus dem gehassten Englisch-Unterricht hatte sich bei ihr eingeprägt: „Ich sollte ,I have breakfast‘ übersetzen“, sagte sie. Stolz verkündete sie: „Ich halte das Brett fest“, in der Annahme, mal etwas zu wissen. Nicht nur die Klassenkameraden brachen damals in lautes Gelächter aus, sondern auch das Publikum in Flechtingen. Katrin Sass‘ Kommentar: „Ihr versteht mich. Ich lebe in der falschen Gegend.“

„Ich bin froh, dass es vorbei ist. Meine Mutter sagte immer, ich würde mich mal nach der Schule zurücksehnen - Null“, erhob sie ihre Stimme bei dem Satz immer mehr und lauter, bis das „Null“ praktisch herausgeschrien wurde. Das Publikum weinte vor Lachen angesichts der vielen heiteren und lustigen Erzählungen, und das, obwohl das Leben von Katrin Sass alles andere als geradlinig und einfach verlaufen ist. „Weinen Sie jetzt etwa?“, fragte die Vollblutschauspielerin eine Frau aus dem Publikum. „Das sind Freudentränen“, entgegnete diese. „Das ist sooo lieb, das habe ich ja noch nie erlebt – ich muss doch hier leben“, wirft Katrin Sass die nächste Pointe nach.

Mit dem sozialistischen System hat sie stets gehadert, nahm kein Blatt vor den Mund, und schaffte es doch, über die nicht bestandene Prüfung an der Schauspielschule in Berlin in Rostock angenommen zu werden. Und das, obwohl sie zum Vorsprechen einen Text gewählt hatte, der eigentlich in der DDR verboten war. Für die Rolle der Julia, erzählte sie, sei sie einmal in ihren 1. West-Jeans zum Vorsprechen gekommen – „das ging gar nicht“. Nach der Bühne folgten die ersten Filme „Bis dass der Tod uns scheidet“ und „Bürgschaft für ein Jahr“. Der Erfolg kam bereits mit Mitte 20.

Eine Einladung zu den Filmfestspielen Berlinale nach West-Berlin ist Katrin Sass noch ins Gedächtnis eingebrannt, denn sie wusste gar nicht richtig, wie ihr geschah. Ihre Erlebnisse mit dem begleiteten Besuch in West-Berlin wurden neben Zufallstreffen mit Helga Feddersen und Charlotte Kern mit einem Silbernen Bären gekrönt. „Mit Charlotte Kern durch West-Berlin zu ziehen, „das war Wahnsinn. Ich tanzte luftgitarrend auf dem Tisch“, beschrieb sie ihre Freiheit für einen Abend, argwöhnisch beäugt von ihrer Begleitung. Zum Schluss ihres unterhaltsamen Ausfluges in Vergangenheit und Gegenwart nahm sie sich im Luftkurort noch Zeit für ihre Fans, signierte ihre Bücher und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei allen Zuhörern des Abends.