Haldensleben l Das Motto der Haldensleber Stadtliteraturtage ist zwar ein altbewährtes, doch kann es in diesem Jahr treffender nicht sein. Nach fünfjähriger Pause heißt es vom 22. September bis zum 4. Oktober wieder „Literatur findet Stadt“ und das heißt: insgesamt 67 Veranstaltungen an 55 verschiedenen und zum Teil durchaus ungewöhnlichen Orten in Haldensleben und den Ortsteilen.

Bücherwürmer laden Leseratten ein – in die eigenen vier Wände oder an den Arbeitsplatz. Im Bio-Markt um die Ecke und im großen Supermarkt, beim Bäcker, Friseur und Optiker, unter freiem Himmel und in Erdhöhlen, in einem Schloss und im Bestattungsinstitut – es gibt kaum einen Ort in Haldensleben, an dem Literatur nicht präsent ist.

Viele kleine Veranstaltungen

Und genauso vielfältig wie die Lese-Orte sind die Geschichten, die auf Zuhörer warten. Es geht um Erinnerungen an die Kinderlandverschickung während des 2. Weltkriegs, um Wortkonfekt und Verskonfetti, um Götterschätze, um Briefwechsel berühmter Personen, um ganz persönliche Erlebnisse von Menschen aus der Nachbarschaft oder einfach nur um das eigene Lieblingsbuch. „Die Palette ist breit gefächert. Und mit Sicherheit sind solch skurrile Sachen dabei, die man so in Haldensleben wohl nie wieder zu sehen bekommt“, macht Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann auf die Stadtliteraturtage noch neugieriger, als es bereits das Programmheft vermag. Das liegt mittlerweile an zahlreichen Stellen in Haldensleben aus, ist kostenlos und 36 Seiten dick und gibt eine Übersicht, wo was wann stattfindet.

„Der Aufruf, zu den Stadtliteraturtagen ungewöhnliche Lese-Orte anzubieten, hat gefruchtet“, freut sich auch Janina Otto, die Leiterin des Alsteinsklubs in der Haldensleber Kulturfabrik. Das sei zum Einen Museumsleiterin Judith Vater zu verdanken, die den Aufruf dazu verfasst hatte, und zum Anderen auch dem Einsatz von Reinhard Schreiber, lobt sie. Denn der Mitarbeiter der Kulturfabrik habe in Haldensleben regelrecht Klinken geputzt und die Leute direkt angesprochen. „So um die 100 Gespräche hat er geführt, das ist schon enorm“, schätzt Janina Otto ein.

Als Schwerpunkte für die Stadtliteraturtage hat Angelika Ermel, die Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek, daher auch die kleineren Veranstaltungen in ganz privaten Räumen ausgemacht. Beispielsweise bei Familie Kaplan/Könecke in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Allee, wo die Journalistin und Autorin Saga Grünwald aus ihrem aktuellen Roman liest. Oder auf dem Sofa in der Süplinger Straße 10, wo der Roman „Veronika beschließt zu sterben“ des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho besprochen und „beplaudert“ werden möchte.

Karl May am Canyon Süplingen

Gerade bei diesen Lesungen im ganz kleinen Rahmen seien Voranmeldungen unumgänglich, meint Zimmermann, da hier die Platzkapazitäten deutlich beschränkt sind. Entsprechende Kontaktinformationen sind ebenfalls im Programmheft zu finden.

Doch auch ganz ausgefallene Aktionen sind Bestandteil des Lesefestes. Lutz Zimmermann kommt nicht umhin, dabei auf Süplingen zu verweisen. Hier wird Karl May zum Leben erweckt und bietet der Canyon die Kulisse für eine szenische Performance für den „Schatz im Silbersee“ – mit Cowboys und Indianern aus dem Haldensleber Ortsteil. Und selbst eine literarische Pilzwanderfahrradtour wird angeboten. „Die Vielfalt ist der eigentliche Höhepunkt in diesem Jahr“, betont der Stadtpressesprecher.

Bewusst zurückgehalten hätten sich die „Literatur-Institutionen“ in der Stadt, meinen Janina Otto und Angelika Ermel. So setzt die Kulturfabrik lediglich mit der Loriot-Lesung Johann von Bülows, die vom Verein KulturHeimat organisiert wurde, einen deutlichen Akzent. Die Stadt- und Kreisbibliothek ruft unter dem Thema „Mein Wunderstein“ Schüler zu einem Schreibwettbewerb auf, dessen Sieger im Rahmen der Stadtliteraturtage gekürt werden sollen.

Poetry Slam im Club

Mit dem Musiker Dirk Zöllner kommt ein singender Geschichtenerzähler nach Gut Detzel, der mit seinem neuen Buch „Affenzahn“ seine unkonventionellen Ansichten über Kunst und Leben zur Diskussion stellt.

Gemeinsam mit dem Kreisverband Börde des Deutschen Roten Kreuzes hat das Jugendfreizeitzentrum „Der Club“ einen Poetry-Slam-Workshop inklusive Abendveranstaltung mit Bühnenprogramm auf die Beine gestellt. Der passende Titel der Veranstaltung: „HaldenSLAM“.

Die meisten Veranstaltungen während der beiden Lesewochen in der Stadt und den Ortsteilen sind kostenfrei. Interessierte dürften dabei nur die Qual der Wahl haben, denn angesichts der Vielzahl von Veranstaltungen auf engstem zeitlichen Raum kommt es teilweise auch zu terminlichen Überschneidungen. Das habe sich leider nicht vermeiden lassen, bedauert auch Lutz Zimmermann.

Das Programm der Stadtliteraturtage gibt es in gedruckter Form, das Heft liegt unter anderem im Bürgerbüro im Rathaus, in der Kulturfabrik, im Wobau-Bahnhofcenter, im EHFA und im Bücherkabinett aus. Darüber hinaus ist es im unter www.haldensleben.de/Start/Kultur/Stadtliteraturtage  zu finden.