Haldensleben l André Hake, Zimmerer und Polier von den Werkstätten für Denkmalpflege in Quedlinburg, arbeitet schon lange in seinem Beruf und hat schon viele alte Dächer von innen gesehen. Im Turm der Haldensleber St. Marien-Kirche steht er trotzdem grübelnd neben Berthold Heinecke vom Planungsbüro Seidl und Heinecke. Die beiden Fachleute können sich einfach keinen Reim darauf machen, was es mit einem Fund in den uralten Holzbalken des Kirchturmes auf sich haben könnte.

Auf Turmebene sieben stecken lauter kleine Holznägel im Gebälk. „Jemand muss sie in mühevoller Arbeit angespitzt haben“, erklären die Männer. Aber warum, das wissen sie nicht. Denn die Holznägel sind nicht sehr stabil, würden also keine großen Lasten aushalten. „Man hat sie sofort in der Hand, wenn man sie anfasst. Dranhängen konnte da niemand etwas“, sagt André Hake. Berthold Heinecke ergänzt, dass die Nägel auch nach keinem bestimmten Muster in den Balken stecken, sondern kreuz und quer, also nicht in gerader Linie.

„Das ist tatsächlich etwas mysteriös“, sagt André Hake. Er und seine Kollegen sind im Auftrag der Kirchengemeinde im Turm zu St. Marien aktiv, denn der wird gerade weiter saniert. Judith Vater, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, findet den Fund der Holznägel genauso rätselhaft, wie die Profis.

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Kennt ein Handwerker die Nägel?

„Vielleicht war ja hier jemand eingesperrt und hat mit den einzelnen geschnitzten Nägeln die Tage gezählt“, spekuliert sie mehr im Scherz. Ernst meinen sie und die Fachleute aber einen Aufruf: Welcher Handwerker oder bewanderte Bürger Aussagen zu den Holznägeln machen kann, der soll sich unbedingt im Gemeindebüro zu St. Marien oder im Haldensleber Museum melden, das Judith Vater leitet. „Wir hoffen, dass wir das Rätsel um die Nägel lösen können“, sagt das Gemeindekirchenratsmitglied.

Trotz des unvorhergesehenen Fundes gehen die Arbeiten im Kirchturm gut voran. Derzeit werden zeitgleich der zweite und dritte Bauabschnitt realisiert. So beschäftigt sich der zweite Bauabschnitt mit der Erneuerung der Geschossbalken von der zweiten bis zur siebenten Turmebene. Diese sind von Kernfäule befallen – wo die Deckenbalken mit der Mauer verbunden sind, sind sie meist verrottet. Deshalb sollen Stahlprofile eingezogen werden.

Der dritte Bauabschnitt dreht sich um die Balustrade der Aussichtsplattform. Diese ist einsturzgefährdet und soll nun durch einen Stahlrohrrahmen ersetzt werden, sodass Besucher den Turm wieder begehen können. Alle Arbeiten zusammen kosten rund 370.000 Euro. Die Kirchgemeinde erhält Förderungen aus verschiedenen Töpfen, muss aber selbst noch rund 90.000 Euro zahlen. Das Gerüst, das den Kirchturm ziert, dient allein dem Materialtransport. Die Arbeiten am Kirchturm sollen etwa bis Frühjahr 2020 dauern. Wie Berthold Heinecke erklärt, komme es allerdings stark darauf an, ob noch weitere Schadstellen entdeckt werden und wenn ja, welche.