Zur Serie

Was ist auf dem Markt los? Welche Menschen gehen hier auf und ab? Wer verkauft seine Ware? Was ist das aktuelle Stadtgeflüster?

Die Serie „Marktgeschichten“ soll aus der Mitte der Stadt, vom Alltag des Marktes und kleinen und großen Erlebnissen erzählen.

Dabei sollen Menschen und Akteure in den Mittelpunkt rücken, die sich ihrer Stadt durch das Markttreiben verbunden fühlen.

Haldensleben l Mehrmals in der Woche ist der Hagentorplatz ein belebter Punkt der Innenstadt. Das Markttreiben lockt dienstags und donnerstags zum Einkauf frischer und saisonaler Waren. Weitere Feste wie der Regionalmarkt, das Altstadtfest oder das Kinderfest nutzen diesen Ort. Dabei hat sich der Hagentorplatz über die Jahre vor allem optisch sehr verändert.

Tor erstmals 1238 erwähnt

Den Namensgeber und Wächter des Platzes, das Hagentor, gibt es nicht mehr. Erste urkundliche Erwähnungen des Tors sind um das Jahr 1238 überliefert. Es handelte sich um ein Gebäude, das die Hagenstraße auf der Höhe Nummer 34 kreuzte. Ein Tunnel öffnete den Weg zur Hagenstraße.

Im 17. Jahrhundert wurde der Torturm eingekürzt und mit einer barocken Haube versehen. Einige Postkarten aus dieser Zeit zeugen von dem prunkvollen Gebäude. Gegen 1860 jedoch wurde das Hagentor nach und nach abgebrochen, weil es „Altersschwäche“ zeigte, wie es in einem alten Text heißt. „Ehe man ihm helfen konnte, brach er in sich zusammen“, steht darin geschrieben. Im Jahr 1862 wurde das Gebäude abgerissen. Einige Steine fanden Verwendung beim Bau der neuen Rathaustreppe, die Glocke bekam die Mädchen-Volksschule (heutiges Museum).

Bilder

Abriss erfolgte 1860

Heute ziert die Stelle des einstigen Hagentores ein kleiner Turm mit Zinnenkranz. Dieser markiert den Übergang zwischen den Resten des alten Hagentors und der mittelalterlichen Stadtmauer. Früher gab es zwei der Zinnenkranz-Türme aus rotem Sandstein an den gegenüberliegenden Straßenseiten, heute gibt es nur noch einen. An der Wand des erhaltenen Turms ziert eine Malerei mit der Aufschrift „Haldensleben – Stadt der Keramik“ die ehemalige Stadtmauer. Dieses ist seit 1990 an dieser Stelle. Über Jahren fanden sich hier mehrere Malereien, so auch von der Kreissparkasse oder der 1000-Jahr-Feier im Jahr 1966.

Was den Hagentorplatz ebenfalls viele Jahre begleitete, war ein Plätschern. Aufnahmen aus den 60er Jahren zeigen einen Springbrunnen vor der damaligen Landwirtschaftsbank (heute Volksbank). Im Jahr 1977 begannen Bauarbeiten für eine neue Springbrunnenanlage auf dem Platz. Die sogenannten „Olympischen Ringe“ bestanden aus zwei großen und zwei kleinen kreisrunden Einbuchtungen im Pflaster. Drei davon wurden bepflanzt, in einem plätscherte der Springbrunnen weiter. Bis im Jahr 1996 aus dem im Volksmund genannten „Elefantenklo“ eine neue, märchenhaftere Variante gebaut werden sollte.

Aufrechte ersetzen alten Brunnen

In der Volksstimme von 1995 ist zu lesen, dass eine Studentin die Ausschreibung gewann. Anja Gnauck entwickelte ein Modell aus sieben Säulen, in einer Dreier- und einer Vierergruppe angeordnet. Die Begründung: Mit der Keramik sei der erste Bezug zu Haldensleben gegeben, mit den Bäumen wird auf Haldensleben als Stadt zwischen den Wäldern angespielt. Die dritte Komponente, das Wasser komplettiert den Dreiklang von Wald, Wasser und Keramik. Bis heute plätschern die „Sieben Aufrechten“ am Hagentorplatz vor sich hin.

Am Donnerstag, 18. Juli, berichten wir in unserer Marktgeschichten-Serie über ein Händler-Paar, das nach 28 Jahren Markttreiben den Platz schweren Herzens verlässt.