Haldensleben l Für Autofahrer und Fußgänger ist die Kreuzung am Marktplatz ein Ärgernis. Die Einen fragen sich, wer Vorfahrt hat, während die Anderen warten, bis sie endlich über die Straße gehen können. Um für klare Regeln zu sorgen, hat die SPD den Bau eines Kreisverkehrs vorgeschlagen. Der steht jetzt im Bauausschuss zur Diskussion.

Neu ist die Idee nicht: Aus dem Jahr 1937 gibt es nämlich eine Aufnahme vom Marktplatz mit Kreisverkehr. Aber zufrieden waren die Haldensleber damals wohl nicht mit der Verkehrsführung. Ein Foto von 1986 zeigt die Kreuzung mit einem Vorfahrtsschild. Die Vorfahrtsstraße verlief von der Magdeburger Straße in die Bornsche Straße. 1992 gab es eine weitere Änderung: Eine Ampel mit Abbiegestreifen. Seit 2005 gibt es die Kreuzung nun ohne Ampel, ohne Schilder, aber mit der „Rechts-vor-Links“-Regel. Damit wäre der erneute Bau eines Kreisverkehrs die fünfte Veränderung.

Für den Umbau spricht sich die SPD-Stadtratsfraktion aus, da es an diesem Knotenpunkt mittlerweile mehr Verkehr gebe. Dieser hätte durch den Umzug des Landratsamtes in die Bornsche Straße zugenommen. Der Kreisel solle klein sein und eine überfahrbare Mitte haben. Als Beispiel nennt die SPD in ihrem Antrag hierfür den Kreisverkehr in Althaldensleben. „Das würde für einen flüssigeren Verkehr und eine Verkehrsberuhigung sorgen“, erklärt Berhard Hieber, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat. „Man nimmt vom Marktplatz nicht so viel Fläche weg, dass das Altstadtfest oder Märkte nicht mehr stattfinden können.“

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Erleichterung für Fußgänger

Für Fußgänger soll es ebenfalls leichter werden: Sie sollen einen Überweg vom Marktplatz zur Hagenstraße bekommen. So könnten sie sicher und ohne zu langes Warten über die Straße gehen.

Der Vorschlag der SPD wurde bereits von der Stadtverwaltung überprüft. Das erste Fazit: Eine Minikreisvekehr lässt sich am Marktplatz nur mit einem erheblichen Aufwand umsetzen. Gegen ein Umbau der aktuellen Straßenführung mit der Rechts-Vor-Links-Regelung sprechen die Unfallzahlen. Diese seien weniger geworden. Das kann Pressesprecher Matthias Lütkemüller von der Polizei bestätigen. Seit 2017 gab es bei der Einmündung der Bülstringer Straße auf den Markt insgesamt neun Unfälle. „Es handelt sich damit nicht um einen Unfallschwerpunkt“, erklärt Lütkemüller.

Die Stadtverwaltung erklärt, dass der Kreisverkehr für mehr Gefahren sorgen würde, da zum Beispiel Busse die Verkehrsinseln der Fußgängerüberwege überfahren müssten. Außerdem käme es bei dem Gehweg vom Markt und Bülstringer Straße zu Engstellen. Zu weiteren Schwierigkeiten würde es auch beim Liefer- und Ladeverkehr in der Hagenstraße kommen. Im letzten Satz der Erklärung heißt es: „Eine Zustimmung der Verkehrsbehörden ist nicht zu erwarten.“

Diese Erklärung und dass der Kreisverkehr für mehr Gefahren sorgt, kann Bernhard Hieber nicht nachvollziehen. Gerade das Gegenteil sei mit einem Kreisverkehr der Fall. „Es würde zu einer Verkehrsentlastung führen und ein Zebrastreifen wäre ja ein Schutz für Fußgänger.“ Durch die eindeutige Regelung eines Kreisverkehrs würde Sicherheit vermittelt werden. Bei den Plänen der ersten Überprüfung sei nicht berücksichtigt worden, dass die Fläche des Marktes verkleinert werden könnte. Von einem Minikreisverkehr sei ebenso nie die Rede gewesen, so Hieber.

Bis 2030 bleibt der Kreisverkehr ein Wunsch der SPD. Der Umbau 2005 wurde mit Fördermitteln im Rahmen der Stadtsanierung finanziert. Ohne Rückzahlung wird sich deshalb an dem Ärgernis von Autofahrern, Fußgängern und an der Kreuzung selbst nichts ändern. „Der Antrag soll viel mehr eine Anregung für das Jahr 2030 sein. Man kann doch jetzt schon planen“, erklärt Bernhard Hieber.